openPR Recherche & Suche
Presseinformation

Weniger Ausbildungsplätze trotz Rekordbeschäftigung

28.07.201709:00 UhrWissenschaft, Forschung, Bildung

(openPR) Der Exportschlager duale Ausbildung droht in Deutschland branchenübergreifend zum Auslaufmodell zu werden. Während die Beschäftigungszahlen kontinuierlich steigen, wird in Betrieben immer weniger ausgebildet. Besonders stark ist dieser Effekt bei Kleinst- und Kleinbetrieben – relativ stabil zeigt sich dagegen der klassische Mittelstand.



---
Die Entwicklung von Arbeit und Ausbildung hat sich entkoppelt: Während der Arbeitsmarkt in Deutschland immer neue Rekorde bei den Beschäftigtenzahlen verzeichnet, ist die Ausbildungsquote rückläufig. Obwohl es zwischen 1999 und 2015 einen Zuwachs an Beschäftigten in Höhe von 12,1 Prozent gegeben hat, ist im gleichen Zeitraum die Zahl der Auszubildenden um 6,7 Prozent zurückgegangen. Besonders stark geht die Entwicklung von Ausbildung und sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung seit der Finanzkrise 2008 auseinander. Rein rechnerisch kamen 1999 6,1 Auszubildende auf je 100 Beschäftigte, 2008 waren es mit 6,5 Auszubildenden sogar noch etwas mehr. Danach gab es einen fortlaufenden Rückgang, bis im Jahr 2015 nur noch 5,1 Auszubildende auf 100 Beschäftigte kamen. Eine Trendwende ist nicht in Sicht.

Zu diesen Ergebnissen kommt ein Forschungsprojekt des Soziologischen Forschungsinstituts (SOFI) und der Universität in Göttingen, das von der Bertelsmann Stiftung gefördert wurde. Untersucht wurde die Ausbildungsbeteiligung von Betrieben im Zeitverlauf differenziert nach Betriebsgrößen und Branchen. Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung, sieht in der Entkopplung von Arbeit und Ausbildung eine Gefahr: "Wenn Unternehmen in der aktuell guten Konjunktur- und Beschäftigungslage nicht mehr junge Menschen ausbilden, ist der Fachkräftemangel hausgemacht."

Rückgang der Ausbildung bei Kleinst- und Kleinbetrieben besonders stark

In der Tendenz zeigt sich die unterschiedliche Entwicklung von Ausbildung und Beschäftigung über alle Betriebsgrößen hinweg – besonders dramatisch jedoch bei den Kleinst- und Kleinbetrieben mit bis zu 49 Mitarbeitern. In Kleinstbetrieben mit bis zu fünf Mitarbeitern ging zwischen 1999 und 2015 die Zahl der Beschäftigten leicht um 3,2 Prozent zurück. Die Zahl der Auszubildenden sank jedoch im gleichen Zeitraum um ein Drittel. Mehr als die Hälfte dieser Betriebe sind den Branchen Handel oder Finanz- und Versicherungsdienstleistungen zuzurechnen. Absolvierten im Jahr 2008 noch rund 225.000 junge Menschen ihre Ausbildung in Kleinstbetrieben, waren es 2015 gut 75.000 weniger. Für die Ausbildungsquote – das Verhältnis von Auszubildenden zu Beschäftigten – bedeutet dies einen Rückgang seit 2008 von 7,5 auf weniger als 5 Prozent. Ähnlich läuft die Entwicklung für Kleinbetriebe mit einer Belegschaft von 6 bis 49 Mitarbeitern. Diese Betriebe erbringen etwa ein Drittel der gesamten Ausbildungsleistung. Bei ihnen sank die Ausbildungsquote von 7,4 Prozent im Jahr 2008 auf 5,8 Prozent 2015. Das entspricht einem absoluten Rückgang um mehr als 65.000 auf rund 540.000 Auszubildende.

Einzig Betriebe mit einer Belegschaft von 50 bis 249 Mitarbeitern haben im Untersuchungszeitraum einen Anstieg der Zahl an Auszubildenden von 391.000 im Jahr 1999 auf 434.000 16 Jahre später zu verzeichnen, ein Plus von 11,3 Prozent – und dennoch sinkt auch hier die Ausbildungsquote. Denn die Zahl der Beschäftigten ist im gleichen Zeitraum um 19,3 Prozent gestiegen.

Großbetriebe mit mehr als 500 Beschäftigten bilden über den gesamten Untersuchungszeitraum im Verhältnis zu ihren Belegschaften am wenigsten aus. Im Jahr 2015 lag ihre Ausbildungsquote bei 4,4 Prozent. Nur etwa ein Fünftel aller Azubis lernt bei diesen Betrieben, die besonders häufig in den Branchen Produktionsgüter sowie Medizinisch/Pflegerische Dienstleistungen aktiv sind. „Großbetriebe sollten ihre Ausbildungsaktivität steigern“ fordert deshalb Dräger, denn gerade sie verfügten über die notwendigen Mittel und Strukturen.

Ausbildung muss stärker gefördert werden

Schon heute bleibt in Deutschland jeder Achte in der Altersgruppe der 20- bis 29-Jährigen ohne Berufsabschluss. Vor allem Jugendliche mit maximal Hauptschulabschluss, die tendenziell häufiger in Klein- und Kleinstbetrieben ausgebildet werden, sind von dem Rückgang der Ausbildungsplätze betroffen. "Wir können es uns nicht leisten, junge Menschen ohne Berufsabschluss ins Leben starten zu lassen", so Dräger. Die Bertelsmann Stiftung fordert deshalb neben dem Ausbau von Unterstützungsangeboten für Betriebe bei der Ausbildung benachteiligter Jugendlicher auch eine Ausbildungsgarantie der öffentlichen Hand. Diese soll jedem jungen Menschen die Chance auf einen Berufsabschluss eröffnen.

Mit Blick auf den zunehmenden Fachkräftemangel sieht Dräger die Notwendigkeit, die berufliche Bildung für junge Menschen und Unternehmer wieder attraktiver zu machen: "Wir brauchen flexiblere Ausbildungswege und mehr individuelle Unterstützung für Azubis und Ausbilder. Der Staat muss mehr in die Berufsschulen investieren und erfolgreichen Absolventen sowohl berufliche Weiterbildungsperspektiven als auch Wege in die Hochschulbildung anbieten."

Zusatzinformationen
Die Untersuchung zur Entwicklung der Berufsausbildung in Klein- und Mittelbetrieben entstand im Rahmen des Forschungsprojekts „Ländermonitor berufliche Bildung 2017“ des soziologischen Forschungsinstituts Göttingen (SOFI) und des Instituts für Wirtschaftspädagogik und Personalentwicklung der Universität Göttingen, das von der Bertelsmann Stiftung gefördert wird. Für die Untersuchung wurde die Entwicklung von Ausbildung und Beschäftigung differenziert nach Betriebsgrößenklassen und Branchen seit 1999 untersucht. Grundlage der Analyse sind Daten aus der Beschäftigten- und der Berufsbildungsstatistik sowie aus dem Betriebspanel des Instituts für Arbeits- und Berufsforschung (IAB) und des Qualifizierungspanels des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB). Die Autoren der Untersuchung sind Prof. Dr. Martin Baethge und Meike Baas (beide SOFI).

Näheres zu dem Projekt und den beteiligten Instituten und Wissenschaftlern unter:
http://www.sofi-goettingen.de/projekte/laendermonitor-berufliche-bildung-2017/projektinhalt/

Unsere Experten Clemens Wieland, Telefon: 05241/81-81352
E-Mail: E-Mail

Lars Thies, Telefon: 05241/81-81104
E-Mail: lars.E-Mail

Weitere Informationen:
- http://www.bertelsmann-stiftung.de

Quelle: idw

Diese Pressemeldung wurde auf openPR veröffentlicht.

Verantwortlich für diese Pressemeldung:

News-ID: 961040
 127

Kostenlose Online PR für alle

Jetzt Ihren Pressetext mit einem Klick auf openPR veröffentlichen

Jetzt gratis starten

Pressebericht „Weniger Ausbildungsplätze trotz Rekordbeschäftigung“ bearbeiten oder mit dem "Super-PR-Sparpaket" stark hervorheben, zielgerichtet an Journalisten & Top50 Online-Portale verbreiten:

PM löschen PM ändern
Disclaimer: Für den obigen Pressetext inkl. etwaiger Bilder/ Videos ist ausschließlich der im Text angegebene Kontakt verantwortlich. Der Webseitenanbieter distanziert sich ausdrücklich von den Inhalten Dritter und macht sich diese nicht zu eigen. Wenn Sie die obigen Informationen redaktionell nutzen möchten, so wenden Sie sich bitte an den obigen Pressekontakt. Bei einer Veröffentlichung bitten wir um ein Belegexemplar oder Quellenennung der URL.

Pressemitteilungen KOSTENLOS veröffentlichen und verbreiten mit openPR

Stellen Sie Ihre Medienmitteilung jetzt hier ein!

Jetzt gratis starten

Weitere Mitteilungen von Bertelsmann Stiftung

Region und Schulbildung entscheiden über Chancen auf Ausbildungsmarkt
Region und Schulbildung entscheiden über Chancen auf Ausbildungsmarkt
Die Ausbildungsperspektiven für Jugendliche sind stark abhängig vom Wohnort. Im Norden ist es für Bewerber schwer, eine Stelle zu finden, im Süden können Ausbildungsplätze nicht besetzt werden. Bundesweit hat sich die Situation für Bewerber leicht verbessert, Hauptschüler profitieren davon jedoch kaum. --- Gütersloh 18.12.2017. In Deutschland wurde bis 2016 weniger ausgebildet. Sowohl das Ausbildungsangebot der Betriebe als auch die Nachfrage der Jugendlichen war rückläufig: 2016 wurden gut 80.000 weniger duale Ausbildungsplätze von Betriebe…
Bild: Alle Kids sind VIPs: Gewinner des Jungendintegrationswettbewerbs stehen festBild: Alle Kids sind VIPs: Gewinner des Jungendintegrationswettbewerbs stehen fest
Alle Kids sind VIPs: Gewinner des Jungendintegrationswettbewerbs stehen fest
Das Engagement von Jugendlichen für ein faires Miteinander und Integration ist vielfältig und groß: Bei der sechsten Runde von "Alle Kids sind VIPs", dem Jugendintegrationswettbewerb der Bertelsmann Stiftung, reichten Jugendliche aus ganz Deutschland 217 Projekte ein –Teilnehmerrekord! Jetzt stehen die sechs Preisträger fest, die den Besuch eines Botschafters, ein professionelles Coaching für ihre Arbeit und eine Reise zur Preisverleihung nach Berlin gewonnen haben. --- Gütersloh,15.12.2017. Im Zentrum der meisten Projekte steht das Engageme…

Das könnte Sie auch interessieren:

Öffentliche Dienstleister beleben Berliner Arbeitsmarkt
Öffentliche Dienstleister beleben Berliner Arbeitsmarkt
… Mitarbeiter wie nie: Im Mai 2014 waren es mehr als 64.000 Arbeitnehmer. Öffentliche Arbeitgeber bieten nicht nur moderne und innovative Berufe und Ausbildungsplätze an, sie garantieren auch Tariflöhne und tarifvertraglich festgelegte Arbeitsbedingungen. Immer mehr Menschen ziehen deshalb eine Beschäftigung bei einem öffentlichen Arbeitgeber vor. Vor …
Ausbildungspakt der Region Heilbronn-Franken ist ein Erfolgsmodell
Ausbildungspakt der Region Heilbronn-Franken ist ein Erfolgsmodell
Ausbildungsplätze in der Region um sieben Prozent gestiegen / Über 1 000 Plätze für Altbewerber 2007 war ein gutes Jahr für ausbildungsplatzsuchende Jugendliche in der Region Heilbronn-Franken. Dieses Fazit ziehen die Partner des regionalen Ausbildungspaktes, dem die IHK Heilbronn-Franken, die HWK Heilbronn-Franken, der Arbeitgeberverband Heilbronn-Franken …
Soft Skills Akademie MG: Wirtschaft und Hauptschüler zusammenbringen
Soft Skills Akademie MG: Wirtschaft und Hauptschüler zusammenbringen
… Hauptschüler der Klasse 9 erlernen mit Hilfe von Personalverantwortlichen Mönchengladbacher Betriebe soziale Kompetenzen, die den Jugendlichen bei der Bewerbung um Praktika und Ausbildungsplätze besonders helfen werden. Mitarbeiter und Personaler der beteiligten Firmen konzipieren die Kurse anhand der von Lehrern formulierten Bedarfe und führen diese …
Tarifvertrag „Zukunft durch Ausbildung“ erfüllt
Tarifvertrag „Zukunft durch Ausbildung“ erfüllt
… Chemie, Energie (IG BCE) werteten gemeinsam die Ausbildungszahlen 2009 aus. Berlin, 17. November 2009 – Im Herbst 2009 wurden von der ostdeutschen Chemie 705 Ausbildungsplätze neu angeboten. Somit ist es trotz der schwierigen Wirtschaftssituation gelungen, die im Tarifvertrag „Zukunft durch Ausbildung“ von den Arbeitgebern zugesagten 700 neuen Plätze …
Ausbildungsstellenmarkt deutlich angespannter als vor Jahresfrist
Ausbildungsstellenmarkt deutlich angespannter als vor Jahresfrist
Nürnberg - Weniger betriebliche Ausbildungsplätze gemeldet als im Vorjahreszeitraum - Bewerbermeldungen dagegen zahlreicher - Verschlechterung vor allem im Westen Die Lage am Ausbildungsstellenmarkt ist Ende März nach Daten der Berufsberatungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit (BA) schlechter als vor Jahresfrist. Insbesondere die rechnerische Lücke …
Bild: Mittelstand in Schleswig-Holstein fordert radikales Umdenken in der WirtschaftsförderungBild: Mittelstand in Schleswig-Holstein fordert radikales Umdenken in der Wirtschaftsförderung
Mittelstand in Schleswig-Holstein fordert radikales Umdenken in der Wirtschaftsförderung
… auf den Prüfstand.“ Wirtschaftsförderprogramme bedingen und stellen häufig auf die Schaffung von Arbeits- bzw. Ausbildungsplätzen ab. In Zeiten von Fachkräftemangel und Rekordbeschäftigung ist der Ansatz nicht länger zielführend, analysiert Lange. Insbesondere die Digitalisierung der Lebens- und Arbeitswelt definiert Unternehmenserfolg neu. Früher galt …
Bild: Ausbildungsmarkt Logistik - Mehr Bewerber, weniger StellenBild: Ausbildungsmarkt Logistik - Mehr Bewerber, weniger Stellen
Ausbildungsmarkt Logistik - Mehr Bewerber, weniger Stellen
… der Transport- und Logistikbranche. Trotz steigender Bewerberzahlen haben die Betriebe der Branche von Oktober 2008 bis Mai 2009 deutlich weniger Ausbildungsplätze bereitgestellt als im Vorjahreszeitraum. Dies ergibt eine Auswertung der Karriereplattform „Berufswelt Logistik“ (www.berufswelt-logistik.de) auf Basis aktueller Zahlen der Bundesagentur für …
Gute Chancen für Jugendliche eine Ausbildung zu finden
Gute Chancen für Jugendliche eine Ausbildung zu finden
… noch bei 50 Prozent. Die Jugendlichen interessieren sich besonders für eine Ausbildung in den Dienstleistungsberufen (1.150) und den Fertigungsberufen (800).Nicht so gefragt sind Ausbildungsplätze in der Landwirtschaft (80). Bislang wurden 1.300 Ausbildungsstellen für das neue Ausbildungsjahr gemeldet, etwa gleich viele wie im Vorjahr. Gegenüber dem …
Region und Schulbildung entscheiden über Chancen auf Ausbildungsmarkt
Region und Schulbildung entscheiden über Chancen auf Ausbildungsmarkt
Die Ausbildungsperspektiven für Jugendliche sind stark abhängig vom Wohnort. Im Norden ist es für Bewerber schwer, eine Stelle zu finden, im Süden können Ausbildungsplätze nicht besetzt werden. Bundesweit hat sich die Situation für Bewerber leicht verbessert, Hauptschüler profitieren davon jedoch kaum. --- Gütersloh 18.12.2017. In Deutschland wurde bis …
Zum Spitzengespräch zur geplanten Ausbildungsplatzabgabe erklärt CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer
Zum Spitzengespräch zur geplanten Ausbildungsplatzabgabe erklärt CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer
Münteferings Egotrip kostet Ausbildungsplätze Berlin, den 21. April 2004 - Der SPD-Vorsitzende will mit dem Kopf durch die Wand Obwohl alle Beteiligten die Ausbildungsplatzabgabe für unsinnig halten, will Franz Müntefering sein Prestigeprojekt verwirklichen, das einzig der Befriedigung der SPD-Linken gilt. Vernünftigen Kompromissvorschlägen ist der SPD-Vorsitzende …
Sie lesen gerade: Weniger Ausbildungsplätze trotz Rekordbeschäftigung