(openPR) Das Thema Kooperation in Handwerk ist nicht neu und dennoch scheint es nicht totzukriegen zu sein. Immer wieder werden neue Versuche und Ansätze realisiert und dennoch ist es bisher nicht gelungen Handwerkerkooperation zu einem durchschlagenden Erfolgssystem werden zu lassen.
Es stellen sich damit zwei Fragen:
1. Wenn Kooperationen so erfolgversprechend sein sollen, warum sind sie dann nur so schwer durchzusetzen?
2. Gibt es Zeiten für Kooperation und Zeiten für „Nicht-Kooperation“?
Bei dem Versuch hierauf eine Antwort zu geben, schauen wir uns zuerst die Ebene der objektiven Erfolgskomponenten für Kooperationen an und stellen dabei schnell fest, dass diese alle dafür sprechen Kooperationen aufzubauen. Faktoren wie Kosteneinsparungen, verbesserte Personalentwicklung, gemeinsames Marketing und Qualitätsoptimierung im Bauablauf alles dies spricht für die Kooperation. Der KLuB „kooperatives Lernen und Bauen“ dokumentiert, dass für die deutsche Bauwirtschaft und für alle Bauakteure bis hin zur Baufamilie nur positive Entwicklungsperspektiven und mehr Wettbewerbsstärke der beteiligten Betriebe entstehen kann, wenn man mehr miteinander kooperiert. Und dennoch kämpft jeder für sich allein und die meisten verlieren.
Das war nicht immer so, denn in Zeiten der Hochkonjunktur in der Bauwirtschaft, brauchte keiner Sorge um das Geschäft von morgen zu haben. Marketing war ein Fremdwort und die Kunden kamen von allein. Sind es vielleicht noch die Hoffnungen, dass sich diese Situation wieder einstellen könnte, die die Einzelkämpfer von der Gründung von Kooperationsunternehmen abhalten?
Sicher, wer bisher seinen Betrieb allein aufgebaut hat und dabei erfolgreich war, verdrängt die veränderten Marktgegebenheiten und hofft auf die Rückkehr zur guten alten Zeit. Und dieses Denken ist eine der stärksten Kooperationsbremsen, die in der Köpfen der Unternehmer vorhanden sind. Der Übergang aus einer Zeit, die keine Kooperation zum Überleben brauchte, in eine Zeit in der nur noch die Starken überleben, ist für viele nur schwer zu begreifen und wird häufig einfach verdrängt.
Doch die Zeichen der Zeit sind unmissverständlich. Es gibt Betriebe, die in ihrer Substanz stark sind, die gut am Markt aufgestellt sind und die durch diese Kraft im Verdrängungswettbewerb den Markt gewinnen. Und es gibt Betriebe, die im Grenzbereich mitschwimmen, die noch überleben und die um Ihre Chancen kämpfen. Wer zu schwach ist, geht unter.
Ein ähnliche Situation hatten wir in den 60igern Jahren im Lebensmitteleinzelhandel. Mit dem Aufkommen der Supermärkte entstanden neue größere Vermarktungsstrukturen, die zu einer Verdrängung der kleinen Spezialgeschäfte führten. Die kleinen LM-Einzelhändler konnten weder preislich noch von Angebot her mithalten und mussten schließen. Genau in dieser Zeit des Umbruchs des Marktes entstanden Kooperationen. Die einen zur Sicherung des sterbenden Großhandels, die anderen zur Sicherung der kleineren Einzelhändler. Es entstanden die SPAR, die REWE, die EDEKA als kooperative, oft genossenschaftlich organisierte Zusammenschlüsse. Sie sicherten damit das Überleben der kleinen selbständigen Einzelhändler und die Existenz ihrer Familien.
Heute sind aus diesen Kooperationen wettbewerbsstarke Unternehmen geworden, an denen immer noch viele der Kleine als Kapitaleigener beteiligt sind. Und noch immer finden sich in diesen Ketten auch selbständige Einzelhändler, die auf diesem Weg ihre Wettbewerbspositionen sichern konnten.
Kooperation ist somit eine Form des Bestehens von Kleinen im Wettbewerb. In der Bauwirtschaft haben wir bereits einen Boom von Kooperationen erlebt, als es um den günstigen Einkauf von Materialien ging. Es entstanden der Dachdeckereinkauf, die Haagebau, die Mobau und viele kleine und mittlere zum Teil auch regionale Einkaufsverbünde. Ein guter Ansatz zur Sicherung des mittelständischen Handwerks und Handels, der allerdings nicht weiterentwickelt wurde. Jedes Mitglied des Einkaufverbundes konnte zwar die günstigeren Einkaufpreise nutzen, um sich besser im Wettbewerb zu positionieren, mehr Gewinne generieren und auch in der Preisgestaltung flexibler zu werden. Doch diese Entwicklung ist vorbei. Die Beschaffungspreise sind nicht weiter zu drücken, jedenfalls nicht mit deutschen Baumaterialien und so müssen andere Ansatzpunkte gefunden werden, um im harten Wettbewerb zu überleben.
Dies ist die Zeit für Kooperation, denn in vielen Betrieben liegen erhebliche Kostenreserven, die durch schlechtes betriebliches Management, unzureichende Bauqualität, ungenutzte Personalreserve und fehlendes oder unzureichendes Marketing nutzbar gemacht werden könnten. Durch die Gründung von Bauleistungsverbünden und Handwerkerkooperationen könnten Betriebsgrößen entstehen, um optimale wirtschaftlich tragfähige Strukturen aufzubauen, um sich langfristig am Markt neu und vor allem stärker aufzustellen. Natürlich werden auch diese Systeme nur durch Verdrängung von Schwächeren überleben, doch verbessern sie die Chancen der beteiligten Betriebe erheblich. Nach dem Prinzip „selbständig bleiben durch Kooperation“ entstehen ähnlich wie in der Ernährungswirtschaft starke Strukturen, die durchaus auch im internationalen Wettbewerb bestehen können.
Auch wenn die Zeit reif für Kooperation ist, so braucht es dennoch Impulse, um die Chancen und Perspektiven in die Köpfe der Handwerker und Unternehmer zu transportieren. Kooperation braucht ein gesellschaftliches Klima in den Köpfen aller Beteiligten.
„Pro Kooperation“ soll in einer Zeit der akuten Gefährdung vieler mittelständischer Betriebe in der Bauwirtschaft genau dieses Klima schaffen. Die Initiative soll von denen getragen werden, die aufgrund ihrer gesellschaftlichen Position den Gedanken in die Breite bringen können, von den Kammern, Verbänden, der Politik, der Wissenschaft und den wirtschaftlichen Kräften, die auch in Zukunft von einer funktionierenden mittelständischen Bauwirtschaft leben werden. Die Presse soll als Sprachrohr und Träger der Botschaft diesen Prozess unterstützen.
Aber am wichtigsten ist, dass es uns gelingt all diese Kräfte im Interesse der Entwicklung der mittelständischen Bauwirtschaft zu bündeln und zu einer Kompetenz-Kooperation der Impulsgeber werden zu lassen. Auf der regionalen Ebene müssen und sollen „Kooperations-Kompetenz-Zentren“ entstehen, die die Ideen und Gedanken auf breiter Ebene an die Bauakteure heran tragen und diese in der Entwicklung, Gründung und Umsetzung unterstützen.
Kooperation bedeutet Zukunftssicherung!
Weitere Informationen: www.prokooperation.de
Für Rückfragen steht zur Verfügung:
Prof. Dr. Georg Koscielny
Fachhochschule Fulda
Marquardstr. 35
D-36039 Fulda
Fon: +49 (0) 661 / 9640 -375 // +49 (0) 6681 / 78 65
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