(openPR) 11 Männer suchten die Entscheidung zwischen Kloster und Karriere.
„Ich will jetzt durchstarten.“ Jürgen (23; alle Namen geändert) kann sich nicht vorstellen, nach seiner erfolgreichen Bankausbildung im Herbst bei den Kapuzinern anzufangen. Er ist wie die zehn anderen Teilnehmer am 8. Juli zum „Kapuziner TREFF Entscheidung“ in Dieburg gekommen. Bruder Paulus Terwitte (46) hatte zum dritten Mal eingeladen, „jedes Mal mit steigender Teilnehmerzahl“, wie er vermerkt.
Für ihn hat es sich bewährt, nicht gleich zu einem ganzen Wochenende einzuladen. Bei den vielen Verpflichtungen der jungen Leute kann sich da mancher leichter für eine Tagesveranstaltung entscheiden. Sie begann mit einer Vorstellrunde, in der es gleich zur Sache ging. Peter (33, Pädagoge) ist gekommen, weil er schon seit acht Jahren weiß, dass Gott „mit mir was vorhat“. Einmal hätte er es fast geschafft, alles hinter sich zu lassen. Aber dann habe er „Muffensausen“ bekommen. Das Ergebnis: Er arbeitet gut und gerne in seinem jetzigen Beruf, ist aber weiterhin unruhig. „Ich muss mich einfach entscheiden. Aber das ist eben gar nicht einfach.“
In einem Vortrag erklärt Bruder Paulus den Anwesenden, wie aus der Sicht der Kapuziner Glauben und Kirche sowie menschliche Sehnsucht und Ordensleben zusammenpassen. „Interessant,“ findet Dieter (28, Mathematiker), „ich habe mich eher in den letzten Jahren mit dem Islam beschäftigt. Da gibt es ja auch so was wie Orden. Was Bruder Paulus da sagt, habe ich so noch gar nicht gehört.“ Die Teilnehmer werden nach dem Vortrag mit Texten aus der franziskanischen Tradition in die Stille geschickt. Karl-Heinz (26, Gärtner) hat das nicht so viel gebracht. Im Gespräch darüber teilt er der Runde mit, dass es ihm mehr auf aktives Tun ankommt. „Ich habe immer schon gerne geglaubt. Und jetzt will ich einfach immer mehr nur für diesen Jesus leben.“
Zum Mittagsgebet können nicht alle mitgehen. Drei werden in die Küche abgeordnet, um beim Salatputzen zu helfen. Ohne Pause geht es nach dem Essen gleich weiter. Die elf Interessenten sehen einen kapuzinereigenen Film über das Leben dieses Bettelordens heute. Ganz unromantisch geht es darin um konkrete Hilfe in einer Obdachlosensiedlung oder den langen Atem, den man braucht, wenn man als Kapuziner nach Indonesien oder Mexiko geht. Bruder Paulus ergänzt den Film und spricht von „evangelischen Karrierewegen“, die nach unten gehen, zu den Armen und mitten in ein Leben, dass sich für den Nächsten engagieren will. Pawlo (21, Abiturient) nickt; er kommt aus einer religiösen Jugendbewegung in Polen und möchte sich in Deutschland engagieren. „Ich will Kapuziner werden, weil ich dann nicht allein leben muss. Wie Franziskus möchte ich für die jungen Leute von heute das Evangelium anschaulich machen.“
Als die jungen Leute sich dann am Nachmittag für eine halbe Stunde zum Gebet in der Kirche versammeln, wirken manche von ihnen fast ein wenig verschreckt. Bruder Paulus stimmt mit sonorer Stimme einen Gesang an, aber so recht gelingen will der Gebetsgesang nicht. Muss er auch nicht, glaubt man dem Bruder in der braunen Kutte, dass den Kapuzinern der laute Lobpreis weniger liegt als das stille Gebet vor dem Kreuz. Begeistert seien die Kapuziner mehr von der Betrachtung der Wunden Jesu als von der Meditation über die Auferstehung „obwohl das natürlich auch dazugehört“, wie er schnell ergänzt.
In der letzten Gesprächsrunde wird es noch einmal lebhaft. Jürgen (23, BWL-Student) ist zuwenig über das Thema Sehnsucht geredet worden. „Darauf kommt es doch an“, meint er und schaut herausfordernd in die Runde. „Ich sehne mich nach einer Liebe, der ich wirklich trauen kann“ sagt Ulrich (29, Jurastudent). Andere sprechen so selbstverständlich von der Nachfolge Jesu und davon, mit Gott zusammen etwas machen zu können, dass selbst dem erfahrenen Seelsorger der Mund offen stehen bleibt – ob vor Staunen oder vor Schreck über die Selbstverständlichkeit, mit der die junge Generation wieder über Gott spricht, ist nicht gleich auszumachen.
Alles in allem: „Ich hab mal wieder was gelernt für mich. Es hat ja mit dem Entscheiden noch etwas Zeit bei mir. Aber den Kontakt finde ich gut.“ (Martin, 17, Schüler). Und Jürgen ist klar geworden, dass er entschieden nicht Kapuziner werden will. „Jetzt auf jeden Fall noch nicht.“ (09.07.2006/ae/bppublic_text)
Kapuzinerkloster
Br. Paulus Terwitte
Minnefeld 36
64807 Dieburg











