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ongoing

23.01.201708:18 UhrKunst & Kultur
Bild: ongoing
© Lätitia Norkeit
© Lätitia Norkeit

(openPR) Die Ausstellung ongoing präsentiert Arbeiten der Künstlerinnen Silvia Marzall, Lätitia Norkeit, Rosa Rücker und Kathrin Sohn, deren verbindendes Element ein starkes Interesse am Prozesshaften ist. Künstlerische Themen und Fragestellungen werden bei ihnen auch nach Jahren wieder aufgegriffen, neu betrachtet und verarbeitet, um später nochmals aus einer erneuten Perspektive erkundet zu werden. Aufgrund von Ähnlichkeiten in der Vorgehensweise und den daraus resultierenden Arbeiten findet zwischen den vier Künstler*innen seit Jahren ein intensiver Austausch statt. Wie geht die Andere mit dem Verhältnis von Prozess und Ergebnis um? Wie kann der Prozess als solcher gezeigt werden? Wie können Momentaufnahmen herausgelöst und als Arbeiten präsentiert werden? Obwohl die Künstlerinnen keine gemeinsamen Werke schaffen, finden sich Spuren der aus der Vierer-Dynamik entsprungenen Impulse in den unabhängig voneinander entstandenen Bildern und Objekten wieder.



Silvia Marzall interessiert sich für das Phänomen des Prozesses als ein komplexes System, das alle Bereiche des Lebens durchwirkt. Vom Menschen erfundene grafische Hilfsmittel zur Darstellung und zum Verständnis dieser Vorgänge wie z. B. Raster und Netz stehen im Zentrum ihrer Arbeit. In der aktuellen Ausstellung zeigt sie eine Printauswahl und eine 3D-Animation der Serie applied fold, anhand derer sie Faltenbildungen an textilen Materialien und Papier analog sowie digital untersucht. Hierbei interessiert sie sich besonders für die Elemente und Veränderungen, die Fläche zu Raum werden lassen – wie etwa Licht und Schatten oder kleine Unterbrechungen in der Regelmäßigkeit von Strukturen oder Formen. Diese Herangehensweise knüpft etwa an ihre vorhergegangenen minimalen Interventionen in Millimeterpapier und an die Auseinandersetzung mit den Strukturen Raster und Netz als Metaphern der Nutzung von Raum.

In Lätitia Norkeits künstlerischem Schaffen spielt das Zusammenspiel von Text und Bild eine wichtige Rolle. Dabei strebt sie weniger eine wechselseitige Illustration oder Erklärung an, sondern vielmehr einen Dialog, eine Konfrontation, ein Wechselspiel zwischen den beiden Medien. Zeichnen und Schreiben sind für sie Möglichkeiten des Begreifens und des Verständlichmachens. So laden sich in ihren Werken Begriffe mit persönlichen Inhalten auf, verdichten sich zu Zeichen und Symbolen, die sich im weiteren Verlauf des künstlerischen Prozesses miteinander verknüpfen und in alle Richtungen auswuchern. Ihre Arbeit Gefüge setzt sich mit Gestaltungsfunktionen und Bedeutungsebenen von Organisation auseinander. In einer Wandinstallation fügt sie hierzu Zeichnungen und Texten, entstanden im Laufe mehrerer Jahre, und ein Künstlerbuch zusammen.

Rosa Rückers Arbeit Wurm Nr. 83 basiert auf ihrer langjährigen künstlerischen Auseinandersetzung mit gentechnischen Methoden. Angelehnt an die wissenschaftliche Darstellung von Genomen versucht die Künstlerin die visuellen Bildinformationen einer Regenwurmfotografie in Form von Zeichnungen, digitalen Analysen, praktischen und theoretischen Farbexperimenten, Berechnungen und objekthaften Modulen zu definieren und abzubilden. Ihr Vorgehen ist zum einen charakterisiert durch systematisierte Produktion, Verwaltung und Reproduktion aber auch durch das Integrieren von dynamischen, unvorhergesehenen Eigenheiten ihres künstlerischen Materials. Die dabei entstehende Verschmelzung von formaler Logik eines Wurmkörpers und ordnender Wirkung geistigen Erfassens übersetzt Rosa Rücker anschließend in ein großformatiges Bild und präsentiert es in der Ausstellung landschaftsartig per Videoprojektion.

Im Zentrum der Arbeit von Kathrin Sohn steht das menschliche Gesicht und seine Erkennung bzw. Wiedergabe in verschiedenen Kontexten wie beispielsweise Facebook oder biometrische Verfahren. Seit Jahren arbeitet sie mit unterschiedlichen Medien und Materialen in diesem Themenfeld, wobei sie bereits bearbeitete sowie auch neue Bilder und Aspekte in den fortlaufenden Prozess mit aufnimmt. In ihrer aktuellen Arbeit Big Data „liest“ Kathrin Sohn eigene Porträt-Zeichnungen aus dem Jahr 2013 neu aus. Gleich ein Programm zur Bild-/Gesichtserkennung hält sie in einem automatisierten Zeichenprozess akribisch jede visuelle Information fest. Durch die unterschiedslose Behandlung von gezeichnete Linien, Faserverläufen im Papier oder Oberflächenverschmutzungen werden manche Spuren verstärkt während andere verschwinden. Die frühere Zeichnung geht in einer neuen Zeichnung auf, welche wiederum auch nur eine Momentaufnahme in dem andauernden Prozess darstellt. Das Vorgehen verweist auf Verfahren der technischen Gesichtserkennung, welchen das Gesicht als eine zu berechnende und zu vermessende Oberfläche zugrunde liegt, wodurch, gleich dem Zeichenprozess, „neue“, andere Gesichter erzeugt werden.

Kuratiert von Susann Kramer

Künstler: Silvia Marzall, Lätitia Norkeit, Rosa Rücker, Kathrin Sohn

Vernissage: Freitag, 27. Januar 2017, 19:30 Uhr
Finissage mit Künstlergespräch: Sonntag, 26. Februar 2017, 19:30 Uhr
Ausstellungsdauer: 28. Januar bis 11. 26. Februar 2017

Öffnungszeiten: Mittwoch bis Sonntag von 14:00 bis 20:00 Uhr
Ausstellungsort: Kunstverein Neukölln, Mainzer Str. 42, 12053 Berlin

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