(openPR) „Ich hab' den Wein gern und der Wein hat mich auch gern.“ Unter diesem Liedtitel von Operettenkönig Robert Stolz hat ein neues Münchner Quartett sein eigenes Bühnenformat entwickelt: die verhinderte Musikrevue. Am 3. November 2016 um 20 Uhr feiern die Halbtrockenen auf der Kleinen Bühne der Pasinger Fabrik Premiere.
Die Sängerinnen Katrin Neoral und Steffi Trinker verwischen mit Keyboarder Tobias Radtke und Kontrabassist Florian Schlierf die Grenzen zwischen Konzert, Theater und Kabarett. Sie laden ein zu einer musikalisch-theatralischen Kostprobe durch lauschige Weingärten und gemütliche Buschenschank-Stuben. Dorthin, wo Hans Moser der Reblaus zuprostet, Paul Hörbiger noch ein Flascherl bestellt und Peter Alexander den Wein nicht gern allein trinkt. Doch die kitschige Reben-Romantik ist reiner Etikettenschwindel. Hinter dem harmlosen Bunten Abend verbirgt sich eine ungewöhnliche Entwöhnungskur mit hochprozentiger Rückfallgarantie.
Der Zauber von Rebensaft hält nur vordergründig als durchgängiges, harmoniestiftendes Motto Stand. Manchmal plakativ schrill, manchmal querdenkerisch irritierend drängt sich die mühsam kaschierte Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit ins Rampenlicht: Wie lassen sich eine überambitionierte Pseudo-Kabarettistin, ein kalauernder Alleinunterhalter, ein naives Showgirl und ein pedantischer Orchestermusiker auf eine Bühne bringen? Der Wein als kleinster gemeinsamer Nenner beschert ihnen nicht nur endlose, kostspielige Proben sondern auch die letzte gemeinsame Chance auf eine Eingliederung in den Arbeitsmarkt: Die vier entlocken süffigem Liedgut süffisante Zwischentöne.
Mit süßlich-kräftigem Zwiegesang, minimalistisch begleitet durch Keyboard, Kontrabass und Percussion keltern sie eine Cuvée aus sentimentalen Wiener Heurigenliedern, Operettenschmonzetten und eingängigen Popsongs rund um Bacchus‘ Gabe. Den bekannten Titeln verpassen sie durch Arrangements aus den Anbaugebieten Swing, Calypso, Pop und Schlager ihr eigenes Etikett. Ein Bouquet aus lieblichen Melodien und blumigen Songtexten mit herbem Abgang.
Die Idee zu den Halbtrockenen stammt von der Münchnerin Katrin Neoral. Direkt nach ihrem Studium der Germanistik und Theaterwissenschaft machte die heute 36-Jährige eine Gesangsausbildung an der Neuen Jazzschool. Diese Kombination führte die gebürtige Landshuterin schließlich zum Genre Musikrevue: „Nur als Sängerin habe ich mich nie vollständig auf der Bühne gefühlt. Aber auch das Schreiben allein war nicht die komplette Erfüllung für mich. Darum war ich einige Jahre auf der Suche danach, wie ich meine Begeisterung für Musik, Entertainment, Theater und Kabarett unter einen Hut bringen kann. Außerdem kann ich mit den Halbtrockenen endlich auf eine intellektuell einigermaßen vertretbare Art meine etwas peinliche Leidenschaft für österreichische Revuefilme und Operetten aus den 1930er bis 50er Jahren auf der Bühne ausleben. Die ist mir zwar selber unerklärlich aber leider nicht therapierbar.“ Sie lässt deshalb ihr Premierenpublikum entscheiden: „Ein Schluckerl Seligkeit? Oder doch ein rechter Sauerampfer?“











