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Der Himmel hatte ein Einsehen

Bild: Der Himmel hatte ein Einsehen
Die Chorallen aus Afferde und der Rattenfänger aus Hameln
Die Chorallen aus Afferde und der Rattenfänger aus Hameln

(openPR) (Hameln) Die diesjährige Woche der Diakonie endet mit einem großen Willkommensfest in der Hamelner Innenstadt

Pünktlich zum Start des großen Willkommensfestes der Diakonie am Samstag, dem 17. September 2016, um 14 Uhr stellt der Regen seinen Dienst ein. Gott sei Dank, denken sich in diesem Moment die vielen Mitarbeitenden der Diakonie im Kirchenkreis Hameln-Pyrmont, die sich seit Wochen, gar Monaten, auf dieses große Fest in der Hamelner Innenstadt vorbereitet haben. Wochenlang schien fast ununterbrochen die Sonne und nun, gerade an diesem Tag musste es zunächst in Strömen regnen. Aber irgendwie spiegeln die Wetterkapriolen auch das Wesen der diakonischen Arbeit wieder: Jahrelang arbeitet ein jeder/eine jede von uns darauf hin, dass es einem gut gehen möge, dass man gesund sei und erfolgreich an der Karriere gebastelt wird. Ein Partner/eine Partnerin, dann Kinder, machen das Glück perfekt. Die Sonne möge über diesem Lebensziel dann noch das eigene Heim ewiglich weiter bescheinen. Ein Traum aus dem Groschenroman, denn Realität hat damit nicht das Geringste zu tun. Nach Sonne kommt nun mal Regen. Für manche ist so ein Tief im Leben nicht mit den nächsten Sonnenstrahlen aufzufangen. Sie kommen von alleine aus ihrem Lebenstief nicht mehr hinaus. Und an diesem Punkt kommt die Diakonie ins Spiel, obwohl, als Spiel kann man die Arbeit in der Diakonie ganz und gar nicht bezeichnen.


Diakonische Arbeit findet zumeist hinter verschlossenen Türen statt, diskret und vertraulich wird Menschen unkompliziert, vorurteilsfrei und konfessionsübergreifend Hilfe zuteil in den Einrichtungen auch in und um Hameln, Bad Münder und Bad Pyrmont. Doch am diesjährigen Willkommensfest im Rahmen der Woche der Diakonie stehen sämtliche Türen offen: Rund um Hochzeitshausterrasse und Marktkirche St. Nicolai präsentieren sie ihre „Arbeit“, zeigen sich und die vielseitigen Angebote in der Region den vielen interessierten Besuchern. Neben den informativen Angeboten, die sich über den ganzen Platz verteilen, erleben die die zeitweise über 500 Besucher in den vier Stunden auf dem Diakoniefest, das unter dem Motto „Willkommen bei uns!“ steht, ein wahrhaft buntes Unterhaltungsprogramm: Unüberhörbar wird die Veranstaltung durch die Musikgruppe der Paritätischen Lebenshilfe „eingetrommelt“. Die Freude am Musizieren steckt sofort an und macht neugierig auf den nächsten Programmpunkt, doch zuvor wird die Kaffeetafel eröffnet. Leckere Kuchen, allesamt Spenden gemeinnütziger Gruppen, brauchen nicht lange auf hungrige Münder zu warten. Währenddessen haben sich Superintendent Philipp Meyer und Kirchenkreiskantor Stefan Vanselow auf der Bühne zur Swing- und Jazztime eingefunden. Mit Saxophon- und Klavierbegleitung schmeckt die Kaffeezeit nun auch auf den mittlerweile getrockneten Sitzreihen. So lässt sich der Nachmittag perfekt genießen, aber Diakonie ist nicht nur Unterhaltung. Spätestens bei der nächsten Darbietung wird dies allen bewusst: Patrick Pfeil, Gitarrist, Sänger und Punk, der in seinem jungen Leben bisher nicht nur die Sonnenseiten erlebt hat, trägt seinen Song „Irgendwann geht die Sonne auf“ vor. Mit seiner ganz eigenen Liedinterpretation leitet er emotional auf das Thema Flüchtlinge über. Denn zu diesem Thema nehmen nun Dr. Christoph Künkel, Vorstandssprecher Diakonie in Niedersachsen, Philipp Meyer, Superintendent des Kirchenkreises Hameln-Pyrmont und Dr. Heinrich Kasting, Leiter der ACKH Flüchtlingshilfe, auf dem „Roten Sofa“ Platz und werden von Jan Hampe interviewt. Die drei Herren beleuchten die Flüchtlingsarbeit vor Ort und in Niedersachsen, speziell im Rahmen der Diakonie. Und wieder wird deutlich, dass in Hameln mit der ACKH ein sehr gutes Hilfsangebot für schnelle und unbürokratische Unterstützung für Flüchtlinge realisiert werden konnte. Aber wie kann man nach fast genau einem Jahr, nachdem Kanzlerin Angela Merkel ihren bekannten Ausruf „Wir schaffen das!“ an uns alle gerichtet hat, mit dem Thema Flüchtlingsintegration am besten umgehen? Ganz einfach: “Wir machen das!“, erwidert selbstbewusst eine diakonische Mitarbeiterin. Und das „Machen“ fängt an bei den ganz Kleinen, z.B. den Chorallen, dem Kinderchor aus Afferde. Sie singen vor voll besetzten Zuschauerrängen von Freundschaft und der Freude am Leben, bevor sie jäh vom Glockenspiel und dem Rattenfänger unterbrochen werden. Das kleine Zwischenspiel bereitet allerseits großen Spaß und wer jetzt noch nicht weiß, dass er oder sie in Hameln ist, dem ist nicht mehr zu helfen. Der Moderator des Tages, Jan Hampe von radio aktiv, meistert gekonnt das Geplante als auch das Ungeplante und man merkt, dass dieser Tag und seine Menschen ihm auch ein persönliches Anliegen sind. Er hat das Geschick, von ernsthaften zu unterhaltenden Programmpunkten überzuleiten. So gelingt es ihm perfekt, im weiteren Verlauf das Thema Wohnraum auf dem „Roten Sofa“ mit Hamelns Oberbürgermeister Claudio Griese und Dr. Künkel offen anzusprechen und zu diskutieren. Natürlich erlauben die „Sofagespräche“ nur ein Anreißen der sozialen Umstände in der Region. Aber, dass dem dringenden Handlungsbedarf auch für die Verantwortlichen ein „Muss“ voransteht, wird nachdrücklich vom Publikum wahrgenommen. Und auch von Landrat Tjark Bartels und Michael Vietz, Mitglied des Deutschen Bundestages, die der Einladung zum Willkommensfest der Diakonie gefolgt sind.
Bevor sich mit Silvia Büthe, Kreisjugendwartin im Kirchenkreis Hameln-Pyrmont, und Irina 0´Dell vom Netzwerk Nordstadt, dem der gesamte Erlös des Tages zugutekommt, zwei Damen von Jan Hampe zum Thema Ehrenamt interviewen lassen, hat noch der Kindergarten „Arche Noah“ aus Bad Münder seinen großen Auftritt auf der Hochzeitshausbühne. Und auch diese vielen quirligen Kinder begeistern die Menge mit ihrer musikalischen Vorstellung.
„Ohne ehrenamtliches Engagement“, bringt es dann Silvia Büthe auf den Punkt, „säßen heute wohl kaum ein paar wenige Leute hier zusammen!“ Ohne Ehrenamt funktioniere unser ganzes Sozialwesen nicht und sie sei dankbar für die vielen Menschen, darunter auch viele Jugendliche, die sich meist nicht nur in einem Bereich ehrenamtlichen einbringen. Jedoch wünsche sie sich, dass das Ehrenamt mehr Würdigung erfahre. Oftmals sei es schwierig, für das Ehrenamt Verständnis im Beruf, von Arbeitgebern und Kollegen, entgegengebracht zu bekommen. Das und vieles andere sollte eigentlich ein Selbstverständnis sein, so Büthe. Irina O´Dell arbeitet als Koordinatorin im Netzwerk Nordstadt und kann diese Erfahrungen nur bestätigen. Auch das Netzwerk ist auf ehrenamtliche Hilfe dringend angewiesen und es ist doch nur im Interesse aller, auch der leitenden Gremien, dass sich bürgerschaftliches Engagement insofern auszahlt, dass sich der Mehrgewinn nicht nur in sozialer Hinsicht in Stadt und Region wiederspiegelt sondern dem Ehrenamtlichen auch entsprechend würdigend gedankt werden muss.
Nachdrücklicher kann man den gelungenen Nachmittag der Diakonie nicht ausklingen lassen. Oder doch? Natürlich mit der Trommelgruppe der Lebenshilfe! Doch die Trommler und Trommlerinnen läuten nun nicht minder als zu Beginn den feierlichen Abschluss des Willkommensfestes ein, der fulminanter nicht sein kann: mit einem Flashmob gehen, nein tanzen, die Menschen hinter Heiko Fuhrmann über den Pferdemarkt zu Klängen von Michael Jacksons „Man in the Mirror“ in die Marktkirche zur Abschlussandacht hinein.
Und wieder treffen die Gottesdienstbesucher auf das Swing-Duo Meyer/Vanselow vom Beginn des Festes. Die Pastorin, zugleich Diakoniebeauftragte und somit Organisatorin des Diakonietages, Dagmar Knackstedt-Riesener, und Pastor Gerold Lange-Kabitz lassen gemeinsam mit Mitarbeitenden der Diakonie den Tag und die Arbeit in der Diakonie Revue passieren. Und mit einem ganz eigen interpretierten „Bewahre uns Gott“ werden die Festbesucher unter Saxophon- und Orgelklängen stimmungsvoll mit Gottes Segen hinaus geleitet.
Und draußen regnet es wieder in Strömen. Nach den vielen Sonnentagen brauchen wir dringend den Regen, wie Lachen das Weinen eben. Doch wie schön ist es, dass scheinbar der Himmel ein Einsehen hat an diesem einzigen Regentag weit und breit – exakt die wenigen Stunden zum Willkommensfest der Diakonie in Hameln!

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