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Forensische Psychiatrie: Wer seine Straftat leugnet, wird seltener rückfällig

16.09.201612:00 UhrWissenschaft, Forschung, Bildung
Bild: Forensische Psychiatrie: Wer seine Straftat leugnet, wird seltener rückfällig
Forensische Psychiatrie und Psychotherapie 2/2016
Forensische Psychiatrie und Psychotherapie 2/2016

(openPR) Forensische Psychiatrie: Traditionell wird in deliktorientierten Psychotherapien großes Gewicht auf das Bekenntnis zum und die Verantwortung für das Tatgeschehen gelegt. Demgegenüber stellt Oliver Kliesch in der Fachzeitschrift "Forensische Psychiatrie und Psychotherapie" dar: Ein fehlendes Tateingeständnis dient häufig als Selbstschutz. "Es gibt ernstzunehmende Hinweise, dass die Tat ganz oder teilweise zu leugnen eher vor Rückfälligkeit schützt, als dieser Vorschub zu leisten."



Im Grunde gilt es im Einzelfall zu entscheiden, ob ein Hinwirken auf ein Tateingeständnis nötig oder entbehrlich oder sogar schädlich ist. Dies gilt insbesondere, wenn Leugnen als Schutzfaktor und und nicht als Risikofaktor einzuschätzen ist. "Denn moderne deliktpräventive psychotherapeutische Behandlung richtet sich ausschließlich nach den erhobenen Risiken bzw. der Wahrscheinlichkeit für weitere Straftaten. Sei das Ausmaß der Behandlung nicht dem Risiko angepasst, könne sich die Rückfälligkeit erhöhen anstatt erniedrigen, z.B. durch Intensivbehandlung von Probanden mit niedrigem Rückfallrisiko ..."

Der Autor kennt keine Studie aus den zurückliegenden 20 Jahren, die einen Zusammenhang zwischen Leugnen und höherer Rückfälligkeit gefunden hätte. Hingegen belegen mehrere größere Studien, "dass Leugner häufiger ein niedrigeres statistisches Rückfallrisiko als Geständige haben, insbesondere bei hoher Risikostufe."

Eingehend und relativ befremdet diskutiert Kliesch die Frage: "Warum ist dennoch in der kriminalpräventiven Psychotherapie die Erwartung so weit verbreitet, es müsse ´mehr kommen´ von den Verurteilten - das Bekenntnis zur Tat, die Übernahme von Verantwortung, echte Reue, Einsicht, sog. Delikt-Aufarbeitung, einschließlich dezidierter Erörterung des Tatgeschehens?"

Kliesch sieht das "Leugnen als quantitatives Phänomen und nicht als qualitatives Unterscheidungskriterium. Teilweises oder vollständiges Leugnen ist eher keine Besonderheit, die außerordentlicher Maßnahmen bedürfe. Aus dimensionaler Perspektive ist es im Gegenteil eher der Regelfall in deliktorientierter Therapie, dem man routiniert begegnen darf." In diesem Kontext entwirft der Autor ein dreidimensionales Modell: das Ausmaß, die Motivation/Funktion und Typ/Entwicklungsstufe des Leugnens. Die Analyse der drei Dimensionen kann Anhaltspunkte für die Therapie und die Rückfallprognose liefern,

>> Oliver Kliesch: Die dimensionale Erfassung des Leugnens - Einräumen von Straftaten als Defizit und Ressource in deliktorientierter Psychotherapie. In: Forensische Psychiatrie und Psychotherapie 2/2016, S. 145-176
http://www.psychologie-aktuell.com/fpp

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