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Forensische Psychiatrie: "Es scheint, als sollten Patienten bekämpft und nicht behandelt werden ..."

23.04.201209:40 UhrWissenschaft, Forschung, Bildung

(openPR) "Mancher forensische Neubau in Deutschland hat größere Ähnlichkeit mit einem Gefängnis als mit einer psychiatrischen Klinik. Es scheint, als sollten hier Patienten bekämpft und nicht behandelt werden. Das verwundert, nachdem es seit den 1980er Jahren große Bestrebungen gab, die Rückstände in der forensischen Psychiatrie nicht nur personell auszugleichen", kritisieren Professor Dr. Klaus Hoffmann und Dr. Dirk Hesse in ihrem Editorial zu Forensische Psychiatrie und Psychotherapie 3/2011.

In der Zeitschrift kommen Klinikdirektoren zu Wort, die sich mit ihren Strukturen offensiv und skeptisch auseinandersetzen. Dr. Herbert Steinböck aus München-Haar zeigt dies auf der Basis der Überlegungen von Michel Foucault und Fritz Haug; Jutta Muysers schildert ihre besonders auf intelligenzgeminderte Patienten ausgerichteten Strukturen in Langenfeld, Friedhelm Schmidt-Quernheim und seine Mitarbeiter zeichnen die Entwicklungen im einst als Modell gerühmten forensischen Dorf in Düren nach. In allen drei Aufsätzen spielt die zunehmende gesellschaftliche Anforderung eine Rolle, mehr Macht über die Patienten auszuüben, ihnen nicht zu viel Freiheit zu lassen, damit die Gesellschaft nicht von ihnen bedroht wird. Dabei wird es immer schwieriger, den Patienteninteressen gerecht zu werden.

Kritisch sehen Hoffmann und Hesse: "Gerade Nordrhein-Westfalen hat die Empfehlungen über Mindeststandards in den Einrichtungen aus ökonomischen wie Sicherheitsgründen reduziert und sogar in großem Stil schwer kranke Patienten über Nacht eingeschlossen. In der Broschüre des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe über den Maßregelvollzug wird dies offensiv und beschönigend zugleich bekräftigt: ´Wir optimieren Dienstpläne, passen Stationsgrößen an oder weiten den Nachteinschluss der Patienten aus.... Die Sicherheit der Bevölkerung steht dabei immer im Vordergrund.´

Nordrhein-Westfalen hat mittlerweile doppelt so lange Verweildauern bei den nach §63 StGB Untergebrachten wie Baden-Württemberg ..."


Forensische Psychiatrie und Psychotherapie 3/2011

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