(openPR) Der 10. September ist der Suizidprävention gewidmet und somit auch Menschen, die unter einem unverarbeiteten Trauma leiden. Bei ihnen ist das Risiko, lebensmüde Gedanken zu entwickeln, um ein Vielfaches erhöht
Jedes Jahr nehmen sich etwa 10.000 Menschen in Deutschland das Leben. Zehnmal so viele versuchen es. Jeder dritte von ihnen wird es wieder versuchen. Seit den 1980er Jahren haben sich die Zahlen fast halbiert – zu viele sind es immer noch. Isolation, Schuldgefühle, Scham und Stigmatisierung können Auswege aus der Lebensmüdigkeit versperren. Das betrifft Menschen, die an den Folgen eines unverarbeiteten Traumas leiden, in besonderem Maße.
„Traumatische Erlebnisse sind eng mit dem Gefühl von Ohnmacht und Hilflosigkeit verbunden. Vor allem wenn sie 'Mensch-gemacht' sind, wie bei Missbrauchserfahrungen. Diese tiefe Verletzung der Würde erschüttert auch das Selbstwertgefühl zutiefst. Die Gefahr, in der Opferrolle verhaftet zu bleiben, sich zurückzuziehen und eine negative Lebenseinstellung zu entwickeln, ist dann sehr groß. Menschen, die sich wieder handlungsfähig und selbstfürsorglich erleben können, sind am besten vor Depression und Suizidalität geschützt“, sagt Benedikt Klauke, Leitender Psychologischer Psychotherapeut der Christoph-Dornier-Klinik in Münster.
Traumafolgestörungen, wie die Posttraumatische Belastungsstörung, können Monate bis Jahre nach einem traumatischen Erlebnis auftreten. Oft werden sie von Depressionen begleitet. Betroffene versuchen drei- bis fünfmal häufiger sich das Leben zu nehmen als depressiv erkrankte Menschen ohne Traumahintergrund. Immer wieder überrollen sie Erinnerungsbruchstücke, und häufig auch unkontrollierbar erlebte Gefühle. Das verunsichert weiter, lässt am Lebenswert zweifeln, vor allem wenn Scham und Schuldgefühle im Spiel sind. Wichtiger denn je: die soziale Unterstützung. Auch sie schützt vor Suizidalität.
Deshalb gilt es in der Therapie nicht nur das Traumagedächtnis „aufzuräumen“ und die traumatischen Erlebnisse als Teil der Vergangenheit einzuordnen, um ihnen an Macht im Hier und Jetzt zu nehmen, sondern auch den Umgang mit Gefühlen und Problemen zu schulen. Denn das verbessert den Selbstwert und das Selbstwirksamkeitserleben ebenso wie die Beziehungsfähigkeit. Und es ermöglicht, traumatische Erlebnisse neu zu bewerten und sich von Scham und Schuldgefühlen zu befreien, so der Diplom-Psychologe Benedikt Klauke. Die Gesellschaft kann ihren Beitrag dazu leisten, indem sie Unrecht als solches auch anerkennt und traumatisierte Menschen darin bestärkt, sich ihr Leben zurück zu erobern.
Beratungstelefon
Jeden Mittwoch zwischen 17 und 20 Uhr können sich Betroffene und Angehörige kostenlos über die Behandlungsmöglichkeiten von Traumafolgestörungen und Depressionen informieren. Zu erreichen sind die Experten der Christoph-Dornier-Klinik unter +49 (0)251 4810-148.













