(openPR) In feierlichem Rahmen wurde am 21.5.2016 in der Union Halle in Frankfurt der Balthasar-Neumann Preis 2016 verliehen. Umrahmt durch Musik des Tenero Quartetts führte Burkhard Fröhlich, Chefredakteur der DBZ, durch das Programm.
Durch einstimmiges Urteil der achtköpfigen Jury wurde dem Neubau der Propsteikirche St. Trinitatis in Leipzig der erste Preis verliehen. Laut Jury wird das Projekt den Anforderungen an den Balthasar-Neumann Preis in höchstem Maße gerecht. Dabei überzeugten nicht nur die innovativen technologischen Lösungen sondern auch die herausragende baukulturelle Qualität des Entwurfs. Die Materialwahl prägt dabei gleichzeitig Entwurf wie Nachhaltigkeitskonzept des Gebäudes. Mit der Wahl besonders langlebiger Baustoffe konnte die beabsichtigte, sehr lange Nutzungsdauer unter-strichen werden. Der generelle Verzicht auf Verbundwerkstoffe lässt gleichzeitig einen leichten späteren Austausch als auch eine sortenreine Trennung der verwendeten Materialien zu. Dabei wurde in der Lebenszyklusbetrachtung besonders die hohe Unterschreitung der Ökobilanz in Bezug auf die Referenzwerte der Deutsche Gesellschaft Nachhaltiges Bauen (DGNB) als auch der hohe Anteil erneuerbarer Energien im Betrieb hervorgehoben.
Ausgezeichnete für das Projekt St. Trinitatis, Leipzig
Bauherr
Katholische Propsteipfarrei St. Trinitatis, Leipzig
Architekten
Schulz und Schulz, Leipzig
Fachplaner
Akustik: Müller-BBM, Dresden
Bauphysik: Michael Lange, Berlin/ee concept, Darmstadt
Brandschutz: Brandschutz Consult, Leipzig
Freianlagen: r+b landschaft s architektur, Dresden
HLS-Planung: MLT Medien Licht Technik, Leipzig
Lichtplanung: Peter Andres Lichtplanung, Hamburg
Tragwerk: Seeberger Friedl, München/Büro für Baustatik, Leipzig
Nachhaltigkeitsberatung
ee concept, Darmstadt
Hintergrundinformationen zum Wettbewerb
Im Rahmen des international ausgelobten Balthasar-Neumann Preis 2016 wurden insgesamt 73 Wettbewerbsbeiträge aus fünf Ländern eingereicht. Der Preis wird vom Bund Deutscher Baumeister, Architekten und Ingenieure e. V. (BDB) und der Deutschen BauZeitschrift (DBZ) verliehen, ist mit 10.000 Euro dotiert und richtet sich insbesondere an integrale Planungen. Er würdigt beispielhafte, innovative und über technisch etablierte Standards hinausgehende Zusammenarbeit verschiedener Fachdisziplinen an einem Bauwerk, das aufgrund dieser Zusammenarbeit, ganz im Sinne Balthasar Neumanns, herausragende baukulturelle und technische Qualitäten aufweist. Die gewürdigte Zusammenarbeit bezieht sich auf Bauherrn, Architekten und planenden Ingenieuren aus verschiedenen Fachdisziplinen.
Hintergrundinformationen Nachhaltige Umsetzung
Die Propsteikirche wurde von Beginn im Sinne einer nachhaltigen Umsetzung entwickelt, geplant und umgesetzt. Dazu wurden z.B. eine nachhaltige Wettbewerbsbetreuung, integrale Planung mit Forschungsbegleitung, detaillierte energetische Berechnungen, Ökobilanzen und Schadstoffprüfungen durchgeführt. Maßgeblich für das Projekt war die gemeinsame Zielformulierung von Bauherrn und Planern, die sich in 6 Schwerpunkten (Energie, Material, Wasser, Versorgungssicherheit, Instandhaltungsfähigkeit, Komfort + Gesundheit und Energie) unter dem Leitgedanken der Langlebigkeit abzeichnen. Alle Aspekte mündeten in die umfassende Lebenszyklus-Betrachtung. Mit der zeitlosen Gestaltung und optischen Einbindung von Alterung in den Gebäudeentwurf wurde hierzu der Grundstein gelegt. Ferner wurde das TGA-Konzept über eine Lebenszyklusbetrachtung gewählt. Besonders aufwändige und austauschrelevante Bauteile wurden mittels Ökobilanzen optimiert. So ermöglicht z.B. die Entscheidung für eine Schaumglasdämmung an der Fassade eine signifikante Verringerung der Umweltwirkungen, da damit langfristig Austausch- und zusätzliche Herstellungsprozesse eingespart werden können. Im Gegensatz zu bauüblichen Lösungen kann dabei eine Nutzungszeit von weit über 100 Jahren erreicht werden.
In der Betriebsenergie unterschreitet das Gebäude den zulässigen Energiebedarf nach EnEV um mehr als 70 Prozent. Die auf Geothermie basierende Wärmeversorgung wird im Sommer auch zur Kältebereitstellung genutzt. Sie wird unterstützt durch zwei Photovoltaikanlagen. Die Turmanlage transportiert dabei sichtbar PV als energetisches Image. Mit zwei Zisternen wird das gesamte lokale Regenwasser für den Betrieb des Gebäudes genutzt. Im Katastrophenfall könnte das System auch autark betrieben werden. Durch die instandhaltungsoptimierte Planung wurden gewohnte Standards der Langlebigkeit sowie des Komforts hinterfragt und für den Bedarf individuell neu bewertet. Über die Strategien der „Vermeidung von Instandhaltungsbedarfen“ durch erhöhte Materialleistung konnten z.B. an der Fassade durch den Naturstein und die hochdauerhafte Schaumglasdämmung langfristig hohe Umweltwirkungen gemindert werden. Eine ökologische Amortisation tritt hier nach ca. 70 Jahren ein. Die Nutzung von Reststoffen für die lokale Steingewinnung der Fassade erfolgte über den Dachkies. Im Bereich von Innenausbau und TGA wurde weitgehend die Strategie der „Vereinfachung von Instandhaltungsmaßnahmen“ favorisiert. Damit die langfristige „Mehrleistung“ des Gebäudes auch genutzt werden kann, wurde gleichzeitig die Mängel- und Schadstofffreiheit des Gebäudes planerisch sichergestellt.
Das Ergebnis ist eine auf vielen Ebenen nachhaltige Kirche. Um die erreichten Qualitäten des Gebäudes auch einem breiten Publikum bekannt zu machen, wurden zwei auf Nachhaltigkeitsaspekte zugeschnittene Broschüren verfasst.
Katholische Propsteipfarrei St. Trinitatis (Hrsg.): Ein nachhaltiges Haus dem Schöpfer zur Ehre; Darmstadt/Leipzig 2015
Katholische Propsteipfarrei St. Trinitatis (Hrsg.): Dauerhaftigkeit kirchlicher Bauten am Beispiel der katholischen Propsteikirche St. Trinitatis Leipzig, Darmstadt/Leipzig 2016
Das Projekt St. Trinitatis ist durch das Unternehmen unter http://www.ee-concept.de/projektgalerie/Propsteikirche.html dokumentiert.







