(openPR) 12. April 2016
Das Enzym Bromelain, das aus dem Stamm der Ananas gewonnen wird, hilft bei tiefen Verbrennungen, das durch die Hitze zerstörte Gewebe schonend zu entfernen. Die Plastischen Chirurgen des Zentrums für Schwerbrandverletzte an der BG Klinik Tübingen berichten über ihre Erfahrungen mit der neuen Therapie.
Für Patienten mit großflächigen, tiefen Verbrennungen gab es sehr lange nur eine Behandlungsmöglichkeit - die operative Entfernung des verbrannten Gewebes mit einem Skalpell durch den erfahrenen Plastischen Chirurgen und die anschließende Deckung des verbrannten Areals mit oftmals mehreren Hauttransplantationen. Seit der Einführung eines neuen enzymhaltigen Medikaments steht den Verbrennungsspezialisten eine weitere, schonendere Therapiemöglichkeit zur Verfügung.
„Wir setzten seit rund zwei Jahren ein Bromelain-haltiges Gel zur Wundreinigung bei akut brandverletzten Patienten mit tiefen und sehr tiefen Verbrennungswunden ein“, berichtet Universitäts-Professor Hans-Eberhard Schaller, Direktor des Zentrums für Schwerbrandverletzte an der BG Klinik Tübingen. „Das exakt auf die Brandwunde aufgebrachte Enzym-Gel löst alle zerstörten Gewebeanteile auf und ermöglicht so eine ganz gezielte Behandlung des betroffenen Areals.“ Gesundes Gewebe werde dadurch geschont, auch sei der Blutverlust bei dieser Behandlung deutlich geringer, als beim konventionellen chirurgischen Vorgehen mit Skalpell oder Hochdruck-Wasser-Reinigung. „Für den Fall, dass im Rahmen der weiteren Wundbehandlung Eigenhautverpflanzungen erforderlich sind, steht dem behandelnden Arzt nach der Enzymbehandlung deutlich mehr gesundes Hautgewebe zur Verfügung, als dies nach einer chirurgischen Wundreinigung häufig der Fall ist.“
Die Durchführung der neuen Behandlung klingt bestechend einfach. Professor Schaller beschreibt das Vorgehen wie folgt: „Das Gel wird unter sterilen Bedingungen auf die von der Verbrennung betroffene Haut aufgetragen. Die gesunde Haut um die Verbrennungswunde herum, wird mit einer Fettsalbe vor den Enzymen geschützt. Danach wird das Areal vier Stunden lang mit einem Folienverband wasser- und luftdicht verschlossen.“ Da die Behandlung nicht schmerzfrei ist, erhalten die Patienten zuvor ausreichend Schmerzmittel. „Nach vier Stunden wird das Gel zusammen mit dem zerstörten Gewebe vorsichtig entfernt. In der Regel ist die Wunde danach sauber und kann entweder von selbst oder nach einer anschließenden Hauttransplantation abheilen.“
Zurzeit kann das Gel nur einmal pro Wunde angewendet werden, da noch keine ausreichenden wissenschaftlichen Daten über die mehrmalige Behandlung desselben Wundareals vorliegen. „Außerdem darf die mit dem Gel behandelte Wundfläche insgesamt nicht mehr als 15% der gesamten Körperoberfläche des Patienten betragen“, ergänzt Professor Schaller. Die neuartige Behandlung darf derzeit nur in speziellen Verbrennungszentren angewendet werden.
Die Behandlung schwerbrandverletzter Patienten ist seit Jahrzehnten traditionell eine Domäne der Berufsgenossenschaftlichen Unfallkliniken. 55 Prozent aller bundesdeutschen Krankenhausbetten zur Behandlung von Patienten mit schweren Verbrennungen werden von BG-Kliniken vorgehalten. Das Zentrum zur Behandlung Schwerbrandverletzter an der BG Klinik Tübingen verfügt über vier Intensivbehandlungsbetten sowie einen Aufnahmeraum für Brandverletzte. Ein Team aus Plastischen Chirurgen mit sechsjähriger Facharztausbildung, erfahrenen Intensivmedizinern und Pflegekräften sowie Physio- und Ergotherapeuten betreut die schwerbrandverletzten Patienten rund um die Uhr auf höchstem medizinischen Niveau. Pro Jahr werden in der BG Klinik Tübingen 250 bis 300 Patienten mit Verbrennungen behandelt.












