(openPR) Freies W-Lan in der City und ein Outdoor-Fitness-Parcour sind die Favoriten
Von ca. 7.000 Jugendlichen der Stadt Fulda haben sich bisher knapp 500 Jugendliche mit ihren Ideen, Wünschen, Meinungen und Bewertungen an dem vor gut acht Wochen gestarteten Jugenddialog beteiligt.
Der Jugenddialog nutzt dabei das hybride Beteiligungsmodell „paowao“, das sowohl den öffentlichen Raum mit Ideenplakaten, Wunschboxen und Aktionsständen, als auch den digitalen Raum mit einem eigenen lokalen Sozialen Netzwerk für Community Building, Diskussionen und Bewertungen verbindet. Das Modell für eine ganzheitliche Jugendarbeit hat die Robert Bosch Stiftung und deren nachhaltigen Anspruch so sehr überzeugt, dass sie dieses Projekt über 5 Monate fördert. Auf kommunaler Ebene arbeitet der Jugenddialog mit dem Jugendbildungswerk Fulda und dem Jugendforum zusammen.
Initiator Helge Mühr (40) vom Vesta e.V. spricht von einem „bemerkenswerten Engagement und einem hohen Maß an Kreativität“. Phantasie, und da zitiert er Einstein, sei wichtiger als Wissen. Wissen sei begrenzt. Die Phantasie der Jugend jedoch habe sich als grenzenlos erwiesen.
Hier trifft sich künstlerische Intelligenz
und kreative Energie
Obwohl noch nicht alle Beiträge ausgewertet sind, scheinen sich doch die für die Jugend relevanten Themenbereiche und einzelne Favoriten abzuzeichnen. Die meisten Beiträge, die an Ideenplakate an Schulen oder Aktionsständen, auf Ideenkärtchen in Jugendtreffs oder auch auf der Online-Community-Plattform eingetragen wurden, befassten sich mit dem Lebensraum „Schule“, der individueller, kreativer und bunter sein sollte. Die Ideen reichten von organisatorischen Anregungen über Design-Vorschläge bis zu Speiseplänen.
Auch die Parkplatzproblematik an Gymnasien, Weiterführenden- und Berufsschulen hat viele bewegt. Wie die Mobilität immer wieder in der Kritik stand. Bus- und Bahnfahrpläne sollten besser auf Schüler abgestimmt sein. Und jugendliche Nachschwärmer wünschten sich öffentliche Verkehrsmittel für eine sichere Heimfahrt.
Fehlt es in Fulda an jungen Marken, Moden und Tempeln und Treffpunkten des Konsums?
Fast ein Drittel der Beiträge lassen darauf schließen. Vor allem US-amerikanische Ketten scheinen das Lebensgefühl der Jugend anzusprechen, wie die Wunschlisten vermuten lassen.
Es gibt Ideen, für die keine Haushaltsdebatte nötig wäre,
sondern Aufgeschlossenheit
Viele Ideen sammelten sich unter dem Themenbereich „Freizeitaktivitäten“ – was sowohl sportliche, spaßige als auch kulturelle Angebote und Veranstaltungen betraf. Dabei lag der Schwerpunkt dort, wo man selbst aktiv werden könnte. Wenn es denn in Fulda eine Gelegenheit dazu gäbe.
Obwohl die Phase der Diskussion und Bewertung nun erst beginnt, scheinen sich nach einer vorläufigen Übersicht schon Favoriten abzuzeichnen. Demnach stände ganz oben der Wunsch nach einem freien W-Lan in der City, in Bussen, Zügen und an Haltestellen. Platz zwei wäre ein Outdoor-Fitness-Parcour, gefolgt von einem neuen Skaterpark, einer ShoppingMall in der Innenstadt und Hängematten im Auepark nebst einem Badestrand mit Wassersport an der Fulda.
Ideen gesammelt und Meinungen angebracht wurden sowohl auf Pinnwänden und in Wunschboxen in Schulen, Organisationen und auf öffentlichen Plätzen wie auch online unter http://www.fuldabistdu.de .
Wie hat die Jugend das Projekt aufgenommen? Zwei, die es zeitweise mit ihrer Kamera hautnah verfolgt haben, sind Maike Gärtner (19) und Zehra Berber (18) vom Medienprojektzentrum Offener Kanal Fulda: „Wir denken schon, dass die Schüler, die wir in den Schulen beobachten konnten, den Jugenddialog positiv aufnahmen. Jeder hofft natürlich, dass seine Idee, so unrealistisch sie auch sein mag, umgesetzt wird. So gab es teilweise schon grübelnde Gesichter. Man muss seine Chance ja schon überlegt nutzen.“
Robert Brand (35), Lehrer an der Winfriedschule, stellt fest, dass es den Jugendlichen erst einmal gar nicht leicht fällt, ganz konkrete Wünsche, Vorstellungen und Erwartungen an ihre Umwelt zu formulieren. „Wenn dann aber doch einmal Ideen ihren Weg auf das Plakat gefunden haben, werden sie in den Klassen teils mit Ausdauer diskutiert und liefern Anregungen für weitere Ideen. So hat das Projekt interessante Impulse gesetzt.“
Eine Idee, die nicht wenigstens einen Funken Absurdität enthält,
ist wahrscheinlich nicht wert, weiter verfolgt zu werden
Es habe aber auch skeptische Blicke gegeben. „Viele denken sich auch, dass ihre Idee sowieso nicht umgesetzt wird, berichtet Maike.“
Um etliche Ideen, selbst wenn sie keine Mehrheit auf sich vereinen, wäre es schade. Dichter- und Songwettbewerbe wie Poetry Slam und Music Battle am Uniplatz zum Beispiel. Oder ein Kletterpark im Wald, eine Ereignis-App für die Domstadt, ein Badestrand an der Fulda oder mehr Bäume und Grünanlagen in der City.
Was nicht kontrovers ist, ist auch nicht der Rede wert.
Nun ist ein Dialog eine mündlich oder schriftlich zwischen zwei oder mehreren Personen geführte Rede und Gegenrede. Die Gegenrede, besser: ein Feedback, so Helge Mühr, werde es ab sofort online geben. Mittels der E-Partizipations-Software paowao, diskutieren bereits zahlreiche Jugendliche über wichtige Ideen und bewerten die für ein Ranking, auch mobil. Danach wird es im Jugendforum des Jugendbildungswerkes bei der abschließenden Präsentation und Diskussion der TOP 10 Ideen darum gehen, Anträge zu formulieren, die abschließend in den Gremien, Ausschüssen und der Stadtverordnetenversammlung zu einer demokratischen Abstimmung führen sollen..
Nicht Wenige, und nicht nur Jugendliche, warten gespannt darauf, was dabei herauskommt. Und vielleicht gibt es eine Fortsetzung dieses Projektes. Wenn es sich für Fuldas Jugend lohnt, wenn dieser erste Jugenddialog wirklich Neues hervorbringt.
Das Neue kommt nur aus der Auseinandersetzung mit dem Bestehenden. Das hat die Jugend getan. Sich auseinanderzusetzen um Neues zu entdecken, sich faszinieren lassen, das geschieht nicht nur mit dem Kopf, sondern mit Herz, individuellem Engagement und Phantasie. Und auch das kann man der Jugend beim Jugenddialog unterstellen.














