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Umweltkatastrophen: Folge normaler Gruppenprozesse

24.05.200611:02 UhrGesundheit & Medizin

(openPR) "Allgemeine Gesetzmäßigkeiten menschlichen Denkens und Handelns" führten in Tschernobyl zu Regelverletzungen und verursachten den GAU. Die entscheidenden Risikofaktoren lagen in der "normalen" menschlichen Psyche und lassen sich daher nicht grundsätzlich eliminieren, diagnostizieren Dr. Gesine Hofinger und Kollegen in der Fachzeitschrift "Umweltpsychologie" Nr. 1/2006.

Das Team im Kontrollraum fühlte sich durch äußeren Erfolgsdruck bedroht und reagierte mit klassischen Symptomen des Selbsterhalts:
- Erhöhung der Gruppenkohäsion
- Abgrenzung von Außenstehenden
- Selbstzensur, Ausgrenzung von Warnungen
- übersteigerte Selbstsicherheit
- Einengung von Wahrnehmungen und Entscheidungsmöglichkeiten

Die - in Tschernobyl häufige - Mißachtung von Sicherheitsstandards schien geeignet, zügiger zum Erfolg zu kommen und sich vom Druck zu entlasten.

"Im normalen Alltag wird das Verletzen von Sicherheitsvorschriften nicht - etwa durch einen Unfall - bestraft." Im Gegenteil, Zeitersparnis oder andere Vorzüge sind die Folge. "Diese Lernerfahrung determiniert zukünftige Gefahreneinschätzungen; die Regeln selber werden als übertrieben oder nur für Anfänger nötig bewertet.

Diese Haltung gegenüber Sicherheitsregeln wird sozial tradiert; schließlich muß sich ein Teammitglied, das die (umständlichen) Regeln einhalten will, implizit vor der Gruppe für diese Erschwernis rechtfertigen. Die Folge ist, daß Regelübertretungen in Organisationen normal werden ..."


Gesine Hofinger, Ute Rek, Stefan Strohschneider:
"Menschengemachte Umweltkatastrophen - psychologische Hintergründe am Beispiel Tschernobyl"
Umweltpsychologie 1/2006, S. 26-45

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