(openPR) 1996 wagten Bernie Glassman, Eve Marko und Andrzej Krajewski zusammen mit Ginni Stern und 150 weiteren Menschen aus zehn Nationen erstmals ein Retreat in Auschwitz-Birkenau. Seither findet es alljährlich als friedensstiftende Praxis statt. An diesem Ort, an dem millionenfacher Mord zur Maschinerie wurde, begegnen die Teilnehmenden nicht nur den Schrecken der Vergangenheit, sondern auch ihrem eigenen inneren Opfer bzw. Täter, den Grenzen der Menschlichkeit und der Fülle des gesamten Lebens in der Gegenwart, im Hier und Jetzt. Diese Praxis bewegt alle Teilnehmenden sehr tief und hat das Leben vieler verändert.
Die Bedeutung dieser Seminare beschreibt Konstantin Wecker in seinem Vorwort: „Heilung und Frieden sind nicht in der Verdrängung zu finden, sondern im Hinschauen. Nicht im Verschließen des fühlenden Herzens angesichts des auch nach zigtausend Erwähnungen noch immer Unfassbaren liegen Ansätze zu einer Lösung, sondern in einer umfassenden Öffnung. Nach Versöhnung Suchende müssen es zulassen, von Auschwitz unter Schmerzen, jedoch mit einem befreienden Ergebnis verwandelt zu werden. (…) Es ist wichtig, die Vergangenheit aufzuarbeiten, jedoch steht daneben die Pflicht für alle Lebenden die Aufarbeitung einer zunehmend kalt und bedrohlich werdenden Gegenwart. Man kann den Leserinnen und Lesern eines Buches über Auschwitz nicht ,viel Vergnügen bei der Lektüre' wünschen. Wohl aber wünsche ich – und eine solche Wirkung hat dieses tief bewegende Buch auf mich gehabt – erhellende und lehrreiche, ja transformierende Stunden. Und nicht zuletzt Impulse, selbst für Menschlichkeit, gegen Gewalt und Entwürdigung in jeder sich heute zeigenden Form aktiv zu werden.“
In diesem Buch sind persönliche Erfahrungsberichte von 80 Teilnehmenden der Retreats in Auschwitz-Birkenau aus 20 Jahren versammelt. Dabei sind insgesamt 17 Nationen vertreten, was die Reichweite der Retreats andeutet.
Im ersten Teil wird das Fundament gelegt und vermittelt, worum es geht, wie die Retreats entstanden sind und ablaufen. Hier werden auch die drei Grundsätze der Zen-Friedensstifter – Nicht-Wissen, Zeugnis ablegen und Handeln – erklärt, und wie sie dazu beitragen können, das Leiden einzelner Menschen und der Gesellschaft zu verringern und Frieden auf der Welt zu fördern.
Der zweite Teil umfasst den Großteil der persönlichen Erfahrungsberichte, die sehr berührend und auch inspirierend sind. Im dritten Teil geht es um die Zukunft und das Potenzial dieser Friedenspraxis. Dabei werden die gegenwärtigen Herausforderungen wie Klimawandel, Nahostkonflikt bis zu weiteren Schauplätzen von Völkermord in der jüngeren Geschichte wie Ruanda angesprochen und wie Versöhnungs- und Heilarbeit dafür aussehen kann.
Ein sehr aktuelles und berührendes Buch!
Edition steinrich 2015, Hardcover, 360 Seiten, zweisprachig: Deutsch-Englisch, ISBN 978-3-942085-47-2, Euro 24,90
http://www.edition-steinrich.de












