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Ich verstehe dich … wieder!

17.09.201514:33 UhrGesundheit & Medizin

(openPR) Cochlea-Implantat ermöglicht Sprachverstehen bei Gehörlosen

Bremen im September 2015. Nach Einschätzung des Deutschen Gehörlosen-Bundes e. V. leben in Deutschland an die 80.000 gehörlose und circa 16 Millionen schwerhörige Menschen. Dabei gibt es viele verschiedene Abstufungen von Hörverlusten: von Schwerhörigkeit über Resthörigkeit bis zu absoluter Taubheit. Bei gehörlosen Erwachsenen und Kindern, bei denen noch ein intakter Hörnerv vorliegt und andere schallverstärkende Hörgeräte kein Sprachverstehen mehr ermöglichen, kommen sogenannte Cochlea-Implantate zum Einsatz. „Hierbei handelt es sich um eine elektronische Innenohrprothese, die mit einem externen Sprachprozessor verbunden ist“, sagt Dr. Andrea-Mareen Behr, Fachärztin für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde in der SternKlinik in Bremen.



Sensibles Sinnesorgan

Gehörlosigkeit kann eine Vielzahl von Ursachen haben. Bei einigen Betroffenen liegt eine familiäre Veranlagung für diese Erkrankung vor und sie besteht von Geburt an, eine weitaus größere Zahl von Menschen hat jedoch ihren Gehörsinn im Laufe des Lebens verloren. Bereits bei der Geburt kann durch Sauerstoffmangel oder andere Probleme eine Hörschädigung beim Neugeborenen entstehen. Später führen Hirnhautentzündungen, Schädelfrakturen oder Virusinfektionen wie Masern oder Mumps bei einigen Patienten zu irreversiblen Schäden und einer Innenohrschwerhörigkeit bis zur Taubheit. Zunächst helfen in vielen Fällen entsprechende Hörhilfen weiter. Erzielt man hierbei keine ausreichende Hörverbesserung, besteht die Möglichkeit eines Cochlea-Implantates. Ein wichtiges Kriterium für die Auswahl dabei: Bei einer erworbenen Taubheit unterscheiden Ärzte zwischen einer vor der Sprachentwicklung erworbenen, also prälingualen Gehörlosigkeit und einer nach der Sprachentwicklung ab dem dritten Lebensjahr erworbenen, sogenannten postlingualen Gehörlosigkeit. „Cochlea-Implantate eignen sich besonders für Kinder und Erwachsene, die nach dem Spracherwerb ihr Gehör verloren haben, da wir in diesen Fällen in Zusammenarbeit mit verschiedenen Experten ihre bereits bestehende Kommunikationsfähigkeit wieder aufbauen und trainieren können“, erklärt Dr. Behr.

Fein abgestimmte Technik

„Ein Cochlea-Implantat kommt bei einem intakten Hörnerv zum Einsatz und wenn beschädigte Haarzellen im Innenohr vorliegen. Dann helfen gängige schallverstärkende Hörgeräte nicht mehr weiter und ein Cochlea-Implantat übernimmt die Funktion“, so Dr. Behr. Möglich machen dies zwei miteinander verbundene Bestandteile: ein externer Sprachprozessor, den der Patient hinter dem Ohr trägt, und eine implantierte Elektrode. Letztere setzt der Arzt in einer Operation unter Vollnarkose direkt in die Gehörschnecke, genannt Cochlea, ein. Schallwellen werden über ein Mikrofon aufgenommen und im Sprachprozessor in elektrische Impulse umgewandelt. Am Sprachprozessor befindet sich eine Spule, die ein Magnet am Kopf hält und die Informationen durch die Haut ans Implantat weiterleitet. Nach der Implantation erfolgt eine Rehabilitation, in deren Verlauf Ärzte, Ingenieure und Hörgeräte-Akustiker das Implantat anpassen. Patienten erhalten ein intensives Sprach- und Hörtraining, verbessern dadurch Schritt für Schritt ihre individuelle Hörleistung und gewöhnen sich an die neue, veränderte Wahrnehmung. Sie nehmen wieder akustische Reize wahr, können sich verständigen oder sogar telefonieren – ganz ohne Gebärdensprache. „Um langfristig die optimale Funktion zu gewährleisten, müssen Träger des Cochlea-Implantats in regelmäßigen Abständen sowohl Gerät wie auch Ohren vom Facharzt untersuchen lassen“, sagt Jochen Keibel, Hörgeräte-Akustiker-Meister von der SternKlinik in Bremen.
Erfolgsaussichten nach einer Operation richten sich nach der Dauer der Gehörlosigkeit, der jeweiligen Sprachkompetenz, dem Zustand von Hörnerv und Haarzellen und natürlich der Bereitschaft von Betroffenen, sich auf das anschließende Hörtraining einzulassen. In vielen Fällen ermöglicht dieses Implantat dann wieder eine aktive Teilnahme am sozialen Leben.

Weitere Infos unter www.sternklinik.net

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