(openPR) In den letzten Monaten wurde in den Medien wiederholt über Fälle von Gewalt- und Pornodarstellungen auf Handys von Schülern und Jugendlichen berichtet – und über mögliche Konsequenzen von Politik und Lehrerverbänden diskutiert.
Da wir die bisherige Diskussion als nicht umfassend genug betrachten, wollen wir versuchen, mit der Forderung nach einem Jugendhandy neue Impulse zu setzen.
Der Arbeitskreis Mobilfunk Ingolstadt (AMINGO) beschäftigt sich seit nunmehr fünf Jahren mit elektromagnetischer Strahlung. Dabei stand bislang stets die von Mobilfunksendeanlagen ausgehende Strahlenbelastung im Vordergrund unserer Arbeit. Mit der Forderung nach einem Jugendhandy äußert sich AMINGO erstmals explizit zum Themenbereich Handy.
Dass AMINGO dem Jugendhandy nun eine so hohe Aufmerksamkeit zukommen lässt liegt wesentlich mit daran, dass hier mehrere Lehrkräfte aktiv mitarbeiten, vor allem auch Lehrkräfte, welche die Entwicklung an Hauptschulen aus eigener täglicher Beobachtung seit vielen Jahren aufmerksam und mit mancherlei Besorgnis registrieren.
Arbeitskreis Mobilfunk Ingolstadt (AMINGO)
Vorsitzender Franz Hofmaier
Willibaldstr. 5b
85055 Ingolstadt
Tel. 0841/59626
Nachstehend: Unser Schreiben an Bundeskanzlerin Angela Merkel und mit der Bitte um Unterstützung an unseren Bayer. Kultusminister Siegfried Schneider.
===> Schreiben an Bundeskanzlerin Angela Merkel
Sehr geehrte Frau Bundeskanzler,
kaum ein Spielgerät hat Kinder und Jugendliche in den letzten Jahren derart beeinflusst, ja verändert, wie das Handy. Ursprünglich erdacht, um überall erreichbar zu sein, bietet es heute eine schier unbegrenzte Fülle von Funktionen und Möglichkeiten. Begeistert von den technischen Finessen dieser Fast-Alles-Könner rückt oftmals die Frage in den Hintergrund, ob bzw. in welchem Umfang ein solches Angebot wirklich notwendig ist – und mit welchen negativen Begleiterschei-ungen diese neue Technik für Kinder und Jugendliche verbunden sein könnte.
Dabei sind mit einem solchen Gerät sehr wohl Gefahren verbunden:
· Gesundheitliche Gefahren durch häufige Handynutzung
(Mahnung des Bundesamtes für Strahlenschutz: „Gerade Kinder und Jugendliche sollten vor zu viel Strahlung geschützt werden“)
· Schuldenfalle Handy (Schuldnerberatungsstellen berichten: „Oftmals Rechnungen von mehreren hundert Euros pro Monat“)
· In Schulen Beeinträchtigung des Schulunterrichts
(Störung, Ablenkung, Betrugsmöglichkeit bei Prüfungen,
Ab- und Mithören oder auch Aufnahme des Unterrichts)
· Videoclips mit jugendgefährdenden Inhalten können sich mit Hilfe von Handys ungehindert verbreiten
· Gewaltattacken werden per Handy gefilmt und per Internet verbreitet („Happy Slapping“)
· Handy als Statussymbolfunktion
· Spielsucht
(Exzessives Spielen, Wettangebote via Internet oder Handy /
Mobile Glücksspiele, Handy-Sportwetten, Casino-Spiele)
Zum Schutz unserer Jugend fordern wir daher ein Handy, das sich durch folgende Eigenschaften auszeichnet:
· Niedrigstmögliche Handystrahlung
· Absolut gesundheitsverträglich
· Nur Kernfunktionen, die jegliche Jugendgefährdung vollständig ausschließen
· Mit „Blauem Engel“ als Qualitätssiegel
Handys, die dieses Anforderungsprofil nicht erfüllen, sollen künftig nicht in Schulen mitgenommen werden dürfen. Nur so kann der Schule als Tauschbörse zwielichtiger Videoclips der Nährboden entzogen werden. Aus diesem Grund werden wir dieses Schreiben auch an unseren Bayerischen Kultusminister Herrn Siegfried Schneider senden, und ihn um Unterstützung bitten.
Wesentliche Argumente für das Jugendhandy:
· Das Bundesamt für Strahlenschutz mahnt: „Gerade Kinder und Jugendliche sollten vor zu viel Strahlung geschützt werden“. Auch auf internationaler Ebene (u.a. aus Großbritannien, Frankreich und Dänemark) haben sich namhafte Organisationen mit Statements wie „Kinder unter 16 sollten nur in dringenden Fällen und dann nur kurz telefonieren“ zu Wort gemeldet. Wie brisant letztlich selbst Landesumweltministerien diese Problematik sehen wird an Info-Flyern für Jugendliche deutlich wie z.B. „Coole Tipps für Handykids“ des Bayer. Umweltministeriums mit Tipps für strahlungsarmes Telefonieren.
· Die SAR-Werte von Handys sind in den letzten Jahren zurückgegangen: Immerhin ein Drittel der heute am Markt angebotenen Handys gilt entsprechend als „strahlungsarm“. Dass es dabei Handys gibt, die selbst diesen Wert mühelos um das Fünffache unterbieten und trotzdem qualitativ keine Wünsche offen lassen, zeigt, dass hier massiv Spielraum nach unten besteht. Allerdings gibt es berechtigte Kritik an der Aussagekraft des SAR-Wertes: Ziel muss sein, aus Vorsorgegründen die tatsächliche Leistungsabgabe eines Handys auf ein absolut machbares technisches Minimum zu reduzieren.
· Laut einer Studie des Bundesamtes für Strahlenschutz ist nur etwa einem Drittel der Handykäufer bekannt, dass der SAR-Wert Auskunft über die Strahlungsintensität eines Handys gibt. Dies zeigt die dringliche Notwendigkeit für ein Qualitätssiegel wie dem „Blauen Engel“ auf, mit dem der Verbraucher bereits vertraut ist. Dieser ist deutlich sichtbar auf der Vorderseite des Handys anzubringen.
Leider boykottieren die Handyhersteller seit Jahren diese verantwortungsbewusste Verbraucherinformation. Wir möchten Sie deshalb bitten, im Interesse der Eltern und letztlich einer ganzen Gesellschaft mit Nachdruck ein solches, deutlich erkennbares Jugendhandy einzufordern.
Zugleich wollen wir die Gelegenheit nutzen, auf die wachsende Verantwortung der Zugangsanbieter (Provider) im Internet zu verweisen, deren Inhalte jetzt mit wenigen Klicks direkt auf die Handys geholt werden können.
Sehr geehrte Frau Bundeskanzler,
die überaus rasante Entwicklung unserer Medien war für uns vor zehn Jahren nicht vorstellbar. Auch die weitere Entwicklung ist nicht vorhersehbar, aber Schule darf nicht zum Forum und Umschlagplatz multimedialer jugendgefährdender Inhalte werden.
Mit freundlichen Grüssen
===> Schreiben an Bayer. Kultusminister Siegfried Schneider
Sehr geehrter Herr Kultusminister,
mit beiliegendem Schreiben hat sich heute der Arbeitskreis Mobilfunk Ingolstadt (AMINGO) bei unserer Bundeskanzlerin für ein spezielles Jugendhandy eingesetzt, das auf alle potentiellen Gefahren dieser Technologie eingeht und daher folgenden Anforderungen gerecht werden muss:
· Niedrigstmögliche Handystrahlung
· Absolut gesundheitsverträglich
· Nur Kernfunktionen, die jegliche Jugendgefährdung vollständig ausschließen
· Mit „Blauem Engel“ als Qualitätssiegel
Unsere Bundeskanzlerin haben wir als ersten Adressaten für unser Anliegen auserkoren, da hier doch mehrere, letztlich verschiedenen Ressorts zuordenbare Bereiche angesprochen sind. Dabei ist uns bewusst, dass auch die Kultusminister der Länder als Zuständige für unsere Schulen hier eine wesentliche Rolle spielen müssen: Handys, die obigem Anforderungsprofil nämlich nicht genügen, sollen künftig auch nicht in Schulen mitgenommen werden dürfen. Nur so kann aus unserer Sicht der Schule als Tauschbörse zwielichtiger Videoclips der Nährboden wirkungsvoll entzogen werden. Gänzlich trockenlegen lässt sich dieser Sumpf, über dessen echte Verbreitung es nur Mutmaßungen gibt, ohnehin nur schwerlich.
Ganz allgemein muss bei Gewalt in den Medien künftig genauer hingesehen werden, um die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen gegenüber reinen Geschäftsinteressen zu wahren. Und es ist neben der bei den Eltern liegenden Hauptverantwortung und der Schule auch der Anteil Mit-verantwortung zu hinterfragen, der bei Netzbetreibern und Handyherstellern liegt, die mit dieser Technologie gutes Geld verdienen.
Sehr geehrter Herr Kultusminister,
