(openPR) Spuren des Filzens lassen sich bis in die Steinzeit zurückverfolgen. Damit zählt das Handwerk zu den ältesten Techniken der Textilherstellung. Schon die Nomadenvölker haben aus Filz Kleidung und Zelte gefertigt. Dabei ist das Verfahren an sich sehr zeitaufwendig. „Die Technik des Filzens besteht darin, gekämmte Wollfasern durch Hinzufügen von heißem Wasser und Bewegung zu einem festen Gewebe zu verbinden“, erklärt Beate Keil. Die diplomierte Bauingenieurin aus Retgendorf (bei Schwerin) hat das Filzen 2011 für sich entdeckt und bietet seitdem nebenberuflich auch Do-it-yourself-Kurse an, in denen sie so einige Kniffe verrät. „Die Zugabe von Seife beschleunigt den Prozess des Filzens.“ So ziehen sich bei Hitze die Fasern zusammen – und verhaken sich durch Reiben und Walken (Verformungsprozess durch Kneten, Drücken oder Ziehen), wenn sie kreuz und quer übereinandergelegt werden.
Vielseitiges Material
Durch die Prozedur erhält man ein sehr dichtes und festes Gewebe, das währenddessen bis zu 40 Prozent schrumpft. „Im Fachhandel werden drei Kämmarten der Wolle angeboten“, erläutert die gebürtige Rostockerin, „Kammzug, Vlies und Kardenband.“ Und welche Wolle verwendet die Expertin? „Häufig australische Merinowolle. Sie ist mit die feinste, die für Kleidung verfügbar ist.“ Aus Filz herstellen lassen sich aber auch Schmuck, Accessoires, Dekorationsartikel, Gardinen, Puschen (Hausschuhe), Taschen, Tücher, Schals, Mützen und vieles mehr. Alles ist echte Handarbeit. Das zeigt sie beispielsweise auch Kindern auf Geburtstagsfeiern. „Dazu fertige ich Auftragsarbeiten an“, sagt die Kreative, die nebenbei auch noch malt. „Am liebsten Bilder in Acryl, aber auch Collagen mit unterschiedlichen Techniken und Materialien in Pastell, Aquarell und Öl.“ Für spezielle Kundenwünsche, egal ob für Filz- oder Malarbeiten, macht Beate Keil auch gern Hausbesuche und schaut sich die individuellen Gegebenheiten vor Ort an. Oder sie ist im Laden „Formenreich“ in Schwerin (Münzstraße) anzutreffen. Weitere Infos und Kontaktdaten für Terminabsprachen: www.einzig-bea-artig.de
Merinowolle
Praktisch lassen sich alle Tierhaare verfilzen. Eine der besten und hochwertigsten Wollarten liefern jedoch Merinoschafe, die ursprünglich aus Nordafrika stammen. Die Feinwoll-Schafrasse verfügt über ein dichtes und gleichmäßig langes Haarkleid, das um die 4 Kilogramm wiegt. Die Feinwolle ist weich, pflegeleicht, atmungsaktiv sehr elastisch und trocknet schnell. Und der große Vorteil: Sie kratzt nicht! Durch diese Eigenschaften wird die Wolle bevorzugt für Bekleidungstextilien verwendet. Australien ist heute Hauptlieferant für Merinowolle.
Trocken- & Nassfilzen
Beim Trockenfilzen wird die Filzwolle auf einer Schaumstoffoberfläche ausgelegt und anschließend mehrmals mit einer Filznadel durchstochen. Je näher die Stiche beieinander liegen, desto dichter wird die Filzwolle verflochten.
Beim Nassfilzen werden Wollfasern befeuchtet und mit Seife oder Waschmittel versehen. Danach die Wolle in Form bringen und schonend trocknen lassen. Während der Trocknungsphase muss die Wolle immer wieder in Form gezogen werden.













