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Alles in Öl - Ursachen der jüngsten Preisentwicklung und Ausblick

19.05.201511:04 UhrWerbung, Consulting, Marktforschung

(openPR) Seit Juli vergangen Jahres haben sich die Rohölpreise der Sorten Brent (Europa) und WTI (USA) in etwa halbiert. Was zunächst als ein erstes Anzeichen für eine drohende Abschwächung der Weltwirtschaft angesehen wurde, stellt sich nun als eine massive Veränderung der Angebotsbedingungen dar.



Weltweites Überangebot – keine konjunkturelle Nachfrageschwäche:
Derzeit sind die Weltrohölmärkte von einem erheblichen Überangebot gekennzeichnet. Schon in der ersten Hälfte des Jahres 2014 zeichnete sich ab, dass die weltweite Nachfrage nach Rohöl – saisonüblich zum Ende der Heizperiode der nördlichen Hemisphäre – um rund 1 Mio. Barrel Rohöl pro Tag sank. Gleichzeitig weitete sich das weltweite Angebot – anders als in vergangenen Jahren – um mehr als eine Mio. Barrel pro Tag kontinuierlich auf 94 Mio. Barrel pro Tag aus.

Trotzdem waren die Preiseffekte noch gering, da man von einem vorrübergehenden Phänomen ausging. Wie üblich, stieg bereits im dritten Quartal 2014 die globale Rohölnachfrage wieder auf 93 Mio. Barrel pro Tag an. Allerdings kletterte nun auch das Ölangebot im gleichen Zeitraum noch mehr nach oben. Da der Rohölmarkt sehr preisunelastisch ist – die Nachfrage steigt bei Preissenkungen kurzfristig nur sehr schwach – kam es zu einem Einbruch des Rohölpreises.

Produktionsanstieg in Nord- und Südamerika:
Seit 2011 ist die Rohölforderung auf dem amerikanischen Kontinent mit einem jährlichen Wachstum von 8,2 % auf heute 19 Mio. Barrel pro Tag angestiegen. Zeitgleich blieb jedoch die amerikanische Nachfrage mit etwa 24 Mio. Barrel konstant, so dass sich die Importabhängigkeit reduzierte. Die USA verzeichnen seit dem Jahr 2013 sogar einen geringen Exportüberschuss. Grund für die Zunahme ist die Bedeutung von Ölsanden (Kanada), Schieferölen (USA) und Tiefseeöl (Brasilien). Produzierten zum Beispiel die USA im Jahr 2011 noch 0,8 Mio. Barrel nicht konventionelles Erdöl pro Tag, waren es im Jahr 2014 bereits 3,4 Mio. Barrel (39 % der Gesamtförderung). Die EIA (US Energy Information Administration) schätzt, dass die Schieferölproduktion der USA bis zum Jahr 2020 auf ein Maximum von bis zu fünf Mio. Barrel Rohöl pro Tag (etwa 5 % der Weltrohölförderung) ansteigen könnte. Allerdings wird das gegenwärtige niedrige Preisniveau für Erdöl Spuren hinterlassen, so dass fraglich ist, ob dieses Niveau in fünf Jahren tatsächlich erreicht werden kann.

Uneinigkeit der OPEC:
In der Vergangenheit wurde der Rohölpreis stark von den OPEC-Staaten gestützt, die etwa jedes dritte Fass weltweit fördern und über nennenswerte Reservekapazitäten verfügen. Ihr Anteil an den konventionellen globalen Öllagerstätten liegt sogar bei über 75 %. Aktuell verfolgen einzelne OPEC-Staaten aber unterschiedliche Interessen, was die Macht der Organisation schwächt. Danach befinden sich Saudi-Arabien, Kuwait und Irak in einem regelrechten Preiskampf, um durch niedrigere Erdölpreise ihren Marktanteil in Asien (gegenüber Russland) zu behaupten und um auf dem Nordamerikanischen Markt nicht vollends in die Bedeutungslosigkeit abzusinken: Saudi-Arabiens Exporte in die USA sanken etwa von 1,5 Mio. Barrel pro Tag im Januar 2014 auf unter 0,9 Mio. im August 2014. Momentan fördert der Golfstaat mit etwa zehn Mio. Barrel pro Tag fast auf historischem Rekordniveau.

Bedeutung von Rohölexporten für den Staatshaushalt:
Der Staatshaushalt von Ländern wie Russland, Iran oder Venezuela hängt zu einem großen Teil von Einnahmen aus Erdölexporten ab. Das Ziel dieser Länder ist, gegenwärtig „um jeden Preis“ möglichst viel Erdöl zu exportieren. Dies widerspricht den Zielen von Staaten wie Saudi-Arabien, den langfristigen Ertrag aus der Erdölförderung zu maximieren und somit strategischer zu agieren.

Ausblick:
Die zwei wesentlichen Einflussfaktoren für die weitere Entwicklung des Erdölangebots in diesem Jahr werden die Reaktionen der Schiefergasproduzenten in den USA und das Angebot der OPEC-Staaten sein. Der Mindestpreis zur Kostendeckung der Produktion von Fracking-Öl in den USA liegt bei USD 50 bis 70. Seit dem Beginn des Preisverfalls in den USA wurden offensichtlich schon mehr als 40 % vormals der vormals aktiven Förderstätten stillgelegt. Allerdings sinken beim Fracking die Fördermengen eines erschlossenen Feldes bereits im zweiten Jahr drastisch ab, so dass eine Stilllegung so oder so sinnvoll ist. Sicher ist aber, dass schon jetzt ein deutlicher Rückgang der Erschließung neuer Förderstätten zu beobachten ist, so dass allgemein eine Stagnation der Ölförderung in den USA für die zweite Jahreshälfte 2015 erwartet wird.

Von Seiten der OPEC darf mittlerweile erwartet werden, dass sie sich bei ihrem kommenden Treffen im Sommer nicht auf eine spürbare Verringerung der Produktion einigen wird. Saudi-Arabien spricht dafür im Moment mit der Aussage, mit einem Preis von USD 60 pro Fass leben zu können, eine zu deutliche Sprache. Außerdem erwartet man vom Iran, dass bei einer Lockerung der Sanktionen im Laufe dieses Jahres etwa eine Mio. Fass zusätzlich auf den Weltmarkt fließen.

Jenseits von OPEC und den USA sind ebenso keine Produktionskürzungen zu erwarten. Zwar wurden mittlerweile zahlreiche weitere Erdölprojekte – zum Beispiel in der Nordsee – auf Eis gelegt, dies wirkt sich aber nicht kurzfristig aus.

Wegen des unverändert hohen Angebotsniveaus ist es realistisch, dass der Rohölpreis – entgegen den Einschätzungen der vergangenen Monate – auch bis zum Jahresende bei USD 50 bis 60 verharren könnte. Das obere Ende der Bandbreite sieht Schlegel und Partner für das laufende Jahr unverändert bei USD 80.

Der derzeitige „Ölpreisschock“ wird noch über das gegenwärtige Jahr hinaus seine Spuren hinterlassen. Der Rückgang der Erschließungsaktivitäten wirkt sich über mehrere Jahre aus. Außerdem werden Investoren bei neuen, riskanten Projekten in Zukunft vermutlich deutlich zurückhaltender sein. In der Folge wird vor allem das Angebot unkonventionellem Erdöls in den kommenden Jahren nicht so stark steigen wir vor kurzem noch prognostiziert.

Auch wenn der gegenwärtig niedrige Ölpreis mit der Erschließung von Schieferöl in den USA zusammen hängt, von einem nachhaltigen Paradigmenwechsel auf dem globalen Ölmarkt durch Fracking kann man momentan noch keinesfalls sprechen. Dafür ist der Anteil von Fracking-Öl aus den USA an der Weltölförderung zu gering. Außerdem wird allgemein erwartet, dass beim Ölfracking in Nordamerika bis zum Jahr 2020 das Fördermaximum erreicht wird. Anders als beim Erdgas ist Fracking in den USA für Erdöl aus globaler Sichtweise noch kein game changer.

© Schlegel und Partner 2015

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