openPR Recherche & Suche
Presseinformation

FWF-Projekt liefert einmaligen Einblick in zentrale Muskelfunktionen

27.04.2015 • 19:26 Uhr • Wissenschaft, Forschung, Bildung

(openPR) Die Funktionsweise von Muskeln kann dank der ersten hochauflösenden Röntgenstrukturanalyse des Muskelproteins ?-Actinin besser verstanden werden. Die Analyse liefert wesentliche Informationen zur Struktur und Funktion des komplexen Muskelproteins und damit auch zu möglichen neuen Behandlungsansätzen für wichtige Muskelerkrankungen. Dieser Output eines Projekts des Wissenschaftsfonds FWF wurde vor Kurzem im renommierten Fachmagazin Cell publiziert.



Muskeln bewegen so einiges – zunächst aber sich selbst. Stränge spezieller Proteine verschieben sich gegeneinander, damit der Muskel Kraft ausüben kann. Dies gelingt nur, wenn es im Muskel einen Fixpunkt gibt, der diesen Strängen Halt bietet. Diese Stellen werden als Z-Scheiben bezeichnet – und bestehen zu einem großen Teil aus dem Protein ?-Actinin. Letzteres hat sich ein internationales Team um Kristina Djinovic-Carugo von den Max F. Perutz Laboratories der Universität Wien und der Medizinischen Universität Wien nun näher angesehen.

Funktion folgt Form
"Nicht nur konnten wir erstmals die genaue Struktur des Proteins aufklären", erklärt Djinovic-Carugo, "sondern auch die Regulierung seiner Funktion – und damit eine lang gehegte Vermutung bestätigen." Tatsächlich zeigte sich, dass ?-Actinin als ein Dimer vorlag, das heißt als ein Komplex aus zwei identischen Molekülen. Dieses zylindrisch geformte Dimer hat eine Länge von 360 Å (1Å = 10 hoch -10 Metern) und eine Breite von 60Å. Jedes einzelne Molekül des Dimers besitzt eine kopf- und eine halsähnliche Struktur, die in eine vierteilige stäbchenförmige Fortsetzung übergeht.

Als besonders interessant stellten sich zwei Proteinbereiche heraus, die am Ende der stäbchenförmigen Fortsetzung L-förmig herausragten: "Diese L-förmigen Bereiche binden an den Hals des jeweils anderen Moleküls. So erhält das Dimer seinen Zusammenhalt", sagt Djinovic-Carugo. "Doch unsere wirklich spannende Entdeckung bezüglich dieser Domäne kam, als wir das Fettsäuremolekül PIP2 zufügten."

Tatsächlich gab es schon seit Jahren die Hypothese, dass PIP2 einen maßgeblichen Einfluss auf die Funktion des ?-Actinin’s im Muskel hat. Doch erst die Arbeit von Djinovic-Carugo und ihren internationalen Kolleginnen und Kollegen in Deutschland, Großbritannien, Norwegen, Russland, der Schweiz und Slowenien bestätigen nun die Hypothese durch folgende Beobachtung: Solange kein PIP2 vorhanden ist, bleibt die L-förmige Domäne an den Hals des zweiten ?-Actinin gebunden. Ist PIP2 vorhanden, öffnet sich diese Bindung und die Domäne fixiert sich an einem anderen Muskelprotein, dem Titin. Dieses macht nach einer Kontraktion den Muskel wieder aktionsbereit. Doch dazu muss es sowohl an die kontraktilen Filamente als auch an die – aus ?-Actinin bestehende – Z-Scheibe binden. Der Clou bei der Sache ist – das zeigen die Strukturdaten aus diesem FWF-Projekt –, dass die Halsregion des ?-Actinin strukturell dem Titin ähnelt. Die Anwesenheit von PIP2 reicht dann aus, um die Bindungsparameter so zu verändern, dass das eine dem anderen vorgezogen wird.

Röntgenblick in die Kristallkugel
Zur Methodik meint Djinovic-Carugo: "Um die Funktionsweise eines Proteins aus der Struktur abzulesen, muss man Milliardstelmeter erkennen können. Das schafft eigentlich nur die Röntgenstrukturanalyse, bei der Röntgenstrahlen sich an den feinen Strukturen eines als Kristall vorliegenden Proteins brechen." Doch mit der Wahl dieser Technik begann auch eine Geduldsprobe: Die Herstellung ausreichender Mengen von ?-Actinin zur Züchtung von Protein-Kristallen dauerte Jahre. Um aufzuklären, wie ?-Actinin durch PIP2 reguliert wird, bedurfte es weiterer komplizierter Analysemethoden, bei denen die Expertise der internationalen Kolleginnen und Kollegen essenziell war. Dass sich der gemeinsame und kontinuierliche Einsatz gelohnt hat, zeigen die umfassenden Ergebnisse, die vor Kurzem mit einer Publikation in Cell anerkannt wurden.

Die Bedeutung der Ergebnisse geht dabei weit über die grundlegende Erkenntnis hinaus. Tatsächlich ist ?-Actinin an den Ursachen lebensbedrohlicher Muskelerkrankungen wie Dystrophien und Kardiomyopathien beteiligt. Die neuen Erkenntnisse über Struktur und Funktion dieses Proteins könnten nun auch neue Behandlungsansätze ermöglichen.

Prof. Kristina Djinovic-Carugo gilt als internationale Expertin für Röntgenstrukturanalysen von Proteinen. Sie ist Leiterin des Department of Structural and Computational Biology der Max F. Perutz Laboratories an der Universität Wien und steht dem Laura Bassi Center for Optimized Structural Studies vor.

Zur Arbeitsgruppe von Djinovic-Carugo: http://www.mfpl.ac.at/djinovic

Originalpublikation: E. d. A. Ribeiro, N Pinotsis, A Ghisleni, A Salmazo, P. V. Konarev, J. Kostan, B. Sjoeblom, C. Schreiner, A. A. Polyansky, E. A. Gkougkoulia, M. R. Holt, F. L. Aachmann, B. Žagrovic, E. Bordignon, K. F. Pirker, D. I. Svergun, M. Gautel und K. Djinovic-Carugo: The structure and regulation of human muscle ?-actinin. Cell 158, 1447 – 1460, Dec. 04, 2014 DOI: http://dx.doi.org/10.1016/j.cell.2014.10.056

Link zur Publikation: http://www.cell.com/cell/abstract/S0092-8674(14)01428-7

Bild und Text ab Montag, 27. April 2015, ab 10.00 Uhr MESZ verfügbar unter:
http://www.fwf.ac.at/de/wissenschaft-konkret/projektvorstellungen/2015/pv2015-kw18

Diese Pressemeldung wurde auf openPR veröffentlicht.

Verantwortlich für diese Pressemeldung:

News-ID: 850960
 469

Kostenlose Online PR für alle

Jetzt Ihren Pressetext mit einem Klick auf openPR veröffentlichen

Jetzt gratis starten

Pressebericht „FWF-Projekt liefert einmaligen Einblick in zentrale Muskelfunktionen“ bearbeiten oder mit dem "Super-PR-Sparpaket" stark hervorheben, zielgerichtet an Journalisten & Top50 Online-Portale verbreiten:

PM löschen PM ändern
Disclaimer: Für den obigen Pressetext inkl. etwaiger Bilder/ Videos ist ausschließlich der im Text angegebene Kontakt verantwortlich. Der Webseitenanbieter distanziert sich ausdrücklich von den Inhalten Dritter und macht sich diese nicht zu eigen. Wenn Sie die obigen Informationen redaktionell nutzen möchten, so wenden Sie sich bitte an den obigen Pressekontakt. Bei einer Veröffentlichung bitten wir um ein Belegexemplar oder Quellenennung der URL.

Pressemitteilungen KOSTENLOS veröffentlichen und verbreiten mit openPR

Stellen Sie Ihre Medienmitteilung jetzt hier ein!

Jetzt gratis starten

Weitere Mitteilungen von FWF - Der Wissenschaftsfonds

Von der Angst zur Annäherung
Von der Angst zur Annäherung
Eine Salzburger Forschergruppe um die Psychologin Eva Jonas untersucht die neuropsychologischen Mechanismen, die hinter existenziellen Ängsten stecken. Was genau in dem Prozess zwischen Bedrohung und Verteidigung passiert, steht im Fokus einer aktuellen Studie, die vom Wissenschaftsfonds FWF gefördert wird. Es ist ein interessantes Phänomen: Der Klimawandel wird immer deutlicher, die Bedrohung wächst und eigentlich wäre aktives Handeln gefragt. Tatsächlich legen aber die meisten Menschen Vermeidungsverhalten an den Tag, wenn es um große und…
Solidarität in Zeiten der Krise
Solidarität in Zeiten der Krise
Ein Team von Soziologinnen und Soziologen in Österreich und Ungarn untersucht mit Unterstützung des Wissenschaftsfonds FWF, wie die fortgeschrittene Wirtschaftskrise die Motive hinter Solidarität beeinflusst. Denn diese kann inklusiv im Sinne sozialer Gerechtigkeit und exklusiv für die eigene nationalistisch-ethnische Gruppenzugehörigkeit gewährt werden. Solidarität ist ein Wert, den sich viele auf die Fahnen heften. Stets geht es um Zusammenhalt, Gerechtigkeit und Gegenseitigkeit in einer Gruppe. Aber wer zu der Gruppe gehört und wer außen …

Das könnte Sie auch interessieren:

Die unterschätzte Rolle des Zufalls
Die unterschätzte Rolle des Zufalls
… die Unsicherheit abzuschätzen. "In der Finanzmathematik werden solche Gleichungen bereits intensiv verwendet", sagt Hausenblas. Fehlende Werkzeuge für den Druck Das von ihr geleitete FWF-Projekt dreht sich konkret um einen Teil der Navier-Stokes-Gleichungen, der den Druck beschreibt. Der Druck strömender Flüssigkeiten ist etwa wichtig für das Verständnis …
Warum Nierenerkrankungen dem Gefäßsystem schaden
Warum Nierenerkrankungen dem Gefäßsystem schaden
… beobachtenden Urämie, also einer stark erhöhten Harnstoffkonzentration im Blut, und entzündlichen Reaktionen her. Von der Erkenntnis zur Therapie Die Erkenntnisse aus diesem FWF-Projekt sind dringend notwendig, denn mit zunehmendem Altersdurchschnitt der Gesamtbevölkerung steigt auch die Anzahl chronisch Nierenkranker. Deren Mortalität ist insbesondere …
Britischer Geheimagent vor der Nase der Habsburger
Britischer Geheimagent vor der Nase der Habsburger
… (1762–1820) spielte zahlreiche Rollen als Mönch, Diplomat, Geheimagent und Realien-Händler. Diese unterschiedlichen Identitäten von Maurus (Alexander) Horn werden aktuell im Rahmen eines FWF-Projekts erstmals in ihrer Gesamtheit erforscht. Dadurch soll geklärt werden, welche Rolle Horn in den Netzwerken der Mächtigen spielte und welchen Handlungsspielraum …
Social Media im Einsatz für die Kunst
Social Media im Einsatz für die Kunst
… Auseinandersetzung mit Themen, die sie bewegen, angeregt werden können. Soziale Medien als Ankerpunkt Um ihr Zielpublikum zu erreichen, hat Lüneburg "Identität" als künstlerisches Thema für das FWF-Projekt vorgegeben. – "Ein Thema, das jeden betrifft", so die Musikerin. Die Frage an die "Community" lautet also, was Identität ist und was es für sie …
Peter Handke jetzt auch online: Einzigartiger Zugang zu den Werkmaterialien des Schriftstellers
Peter Handke jetzt auch online: Einzigartiger Zugang zu den Werkmaterialien des Schriftstellers
… der aktuell verfügbaren Forschungsliteratur. Der Projektfortschritt bis in das Jahr 2015 wird für eine weitere Vertiefung der Seiten-Inhalte sorgen. Doch schon jetzt hat dieses FWF-Projekt dank der öffentlich zugänglichen Inhalte nicht nur bei ExpertInnen und WissenschafterInnen viel Interesse geweckt, sondern auch bei Personen, die ganz allgemein an …
Dschihadismus online: Kriegerische Kommunikationsstrategen
Dschihadismus online: Kriegerische Kommunikationsstrategen
… Betrachtet man die aktuellen Entwicklungen, die von einer dschihadistischen Online-Subkultur zusehends in einen Online-Propagandakrieg münden, greift das sicherlich zu kurz. Mit dem FWF-Projekt konnte nun eine Forschungslücke geschlossen werden, indem der Fokus der Untersuchungen auf die sozialen Aspekte der radikalen Gruppierungen und ihrer Online-Auftritte …
Gefäßverengung in neuem Licht
Gefäßverengung in neuem Licht
… Beurteilung einer gegebenen Körperregion am besten geeignet sind und stellt diese so dar, dass die Signifikanz für die Diagnose sofort erfasst werden kann. Wie wichtig und hilfreich diese im FWF-Projekt entwickelten Methoden im Klinikalltag geworden sind, zeigt, dass sie bereits jetzt bei über 600 Fällen pro Jahr Anwendung finden – und helfen Leben zu retten.
Kommunizieren statt Kollidieren: Interaktion zwischen Rad- und AutofahrerInnen im Forschungsfokus
Kommunizieren statt Kollidieren: Interaktion zwischen Rad- und AutofahrerInnen im Forschungsfokus
… eigenen Rolle im Verkehr. Insgesamt werden die erhobenen Daten aus der systematischen Verhaltensbeobachtung und -analyse und den Interviews einen ersten Einblick in die Kommunikationsprozesse zwischen Radfahrenden und Autofahrenden bei Kreuzungssituationen ermöglichen. Die Ergebnisse des Projekts des Wissenschaftsfonds FWF können für Empfehlungen zur …
Gehirntraining statt Medikamente gegen Schlaflosigkeit
Gehirntraining statt Medikamente gegen Schlaflosigkeit
… 'Konsolidierung von Gedächtnisinhalten', also das nächtliche Einmeißeln von Informationen, sodass tags darauf der Abruf leichter fällt", erklärt Schabus. Das im Rahmen des FWF-Projekts eingesetzte Neurofeedbacktraining, ein Biofeedbacktraining für das Gehirn, führt die betroffenen Personen in den Schlaf. Genutzt werden dabei sogenannte "Schlafspindeln", also in …
Fördern Handelsmessen kulturelle Globalisierung?
Fördern Handelsmessen kulturelle Globalisierung?
… des Wissenschaftsfonds FWF widmet sich der empirischen Betrachtung dieses zentralen Einflussfaktors der kulturellen Globalisierung: der Kultur des Handels mit kulturellen Mediengütern.Einblicke in die Kultur des globalen Handels Als zentral werden in diesem Projekt internationale Content-Handelsmessen gesehen. Sie sind nicht nur Umschlagplätze für die …
Sie lesen gerade: FWF-Projekt liefert einmaligen Einblick in zentrale Muskelfunktionen