(openPR) Miracle Goodnight
Nina Maria Küchler und Malgorzata Neubart
20.03.-18.04.2015
Vernissage am Donnerstag, 19.03.2015, 19 Uhr
Zusätzlich zeigt Bea Winkler permanente Wandmalereien im UG der Galerie.
In der Doppelausstellung „Miracle Goodnight“ bringen Nina Maria Küchler und Malgorzata Neubart ihre Arbeiten in einen ungewohnten Dialog. Spannend ist dieses Experiment, weil auf den ersten Blick keinerlei Verbindung zwischen den Positionen bestehen mag.
Die Malerin Malgorzata Neubart legte das Fundament für ihre künstlerische Arbeit während ihres Studiums in Polen und später an der HfBK in Hamburg. Sie konzentriert sich seit längerem auf zwei Bildthemen: Sie malt wiederholend Menschen und Landschaften, mit denen sie eng verbunden ist. Nicht realistische Genauigkeit interessiert sie, sondern die sorgsame Annäherung an das Sujet. Im langsamen malerischen Prozess in Öl auf Leinwand oder Holz werden Spannungsbögen und feine Kontraste innerhalb der nahezu monochrom gehaltenen Farbverläufe reduziert und schließlich abstrahierend heraus gearbeitet.
Eine Verbindung finden Neubarts Themen aber nicht nur farblich und in den feinen Stimmungen, sondern auch, wenn die Künstlerin Horizontalität fokussiert, die sich in den Landschaften an spiegelnden Wasserflächen zeigt und ihre Fortführung in den geschlossenen Mündern der Porträtierten findet, die immer en face dem Betrachter zugewandt ernste Konzentration und Kontemplation vermitteln. Unausgesprochenes liegt unter den stillen Oberflächen, die unsere Vorstellungskraft herausfordern. Die fast schon spirituelle Ausstrahlung, die eigentümliche Typologie der Gemälde, ist kein Zufall.
Die Hamburgerin Nina Maria Küchler, die in Braunschweig studierte, befasst sich dagegen nicht mit Motiven ihrer privaten Umgebung. Sie stellt ihren Fokus auf eine konzeptuelle Auseinandersetzung mit Bildern unseres kollektiven „Bildgedächtnisses“ u.a. der Kunst- und Medienwelt ein und arbeitet dabei in den unterschiedlichsten Medien und Techniken. In der Ausstellung sehen wir mehrere Papierarbeiten aus der Reihe „Ghosts“ und im Untergeschoss der Galerie die farbige plastische Arbeit „Vertigo".
Mit „Ghosts“ referiert Küchler frei „Urbilder“ unseres Bildgedächtnisses, als seien sie Artefakte, die formal bereits zu Typologien innerhalb unseres Bildgedächtnisses geworden sind. Dabei reichen die „Urbilder“ nicht weiter zurück als in das frühe 20. Jahrhundert. Dennoch haben sich die überwiegend geometrischen Motive innerhalb einer unüberschaubaren Masse an Zeichen und Bildern bereits wie Ankerpunkte in unserem Gedächtnis disponiert.
Der Betrachter empfindet Küchlers Motive daher als vertraut, was eingängige Bildtitel wie „Star“ zu bestätigen scheinen, die nach den ursprünglichen Bildtiteln benannt sein können. Aber Material und Technik befremden, weil die „Urbilder“ freilich nicht kopiert, sondern verändert sind. Küchler zeichnet in Grautönen mit Graphit auf Papier Adaptionen, und das sehr bewusst zum Teil recht grob, damit die Striche die Oberflächen brechen. Auf Holz montiert entsteht eine für den Bildträger Papier untypische Massivität. Aber was ist es eigentlich, das Küchlers Arbeiten gegenüber den „Urbildern“ so anders macht? Norbert Bauer, der bereits einige hervorragende Texte über Küchlers Arbeit formulierte, trifft es in seinem Essay „I like your shoes“ im Katalog „double“ in einem anderen Kontext: „(…) Auch diese abstrakten Arbeiten sind Nachbilder, Gespenster. Sie zeigen Reformulierungen. (…)“.
Mit oft grobem Duktus betont Küchler das Imperfekte und ein Scheitern im Verhältnis zu cleanen Abstraktionskonzepten, wie wir sie z.B. aus der Minimalkunst gewohnt sind. Die bewusst als Reihe angelegten Arbeiten entwickeln dabei ihr formales und künstlerisches Eigenleben, während sie mit der Kunstgeschichte ihrer „Urbilder“ korrespondieren.
In den Biografien der Künstlerinnen gibt es eine Gemeinsamkeit: Sie studierten bei Norbert Schwontkowski, wenn auch deutlich zeitversetzt. Bei genauem Hinsehen zeigt sich an ihren Arbeiten, dass beide Kontexte zu Grunde legen, die mit Rückbesinnung auf Historisches und einer respektvollen, aber freien Haltung dazu zu tun hat.
Bea Winkler erarbeitet pünktlich zur Eröffnung Wandmalerei, die den Raum im Untergeschoss der Galerie durch Farbenspiel und Brüche innerhalb der für Winkler typischen halbabstrakten Malerei verändern wird. Mittels Airbrush-Tuschen entsteht eine Farbigkeit, die zwischen klaren, harten Kontrasten und aquarellartiger Zartheit changiert. Die Künstlerin befasst sich bereits seit einigen Jahren mit Korrespondenzen zwischen Architektur, Licht und Malerei. In letzter Zeit tauchen figürliche und ornamentale Elemente auf, die teils in ihrer Seltsamkeit beunruhigend anmuten, teils fast naiv mit der Abstraktion korrespondieren.
Text: Sandra Kramer, 2015












