(openPR) Erste Masernfälle durch versäumte Impfungen und die steigende Müttersterblichkeit aufgrund fehlender Geburtshilfe verdeutlichen die Dringlichkeit einer funktionierenden Gesundheitsversorgung in Westafrika. Dr. Gisela Schneider, Direktorin des Difäm – Deutsches Institut für Ärztliche Mission e.V. in Tübingen, war vom 28. Januar bis 9. Februar 2015 in Sierra Leone unterwegs, um gemeinsam mit lokalen Partnern nach der Ebola-Epidemie den Weg für eine langfristige Verbesserung der Gesundheitsversorgung im Land zu ebnen. Was es dafür braucht, hat sie in einem Assessment vor Ort analysiert.
Die Neuinfektionen in Sierra Leone nehmen deutlich ab, doch völlig kontrolliert ist die Situation noch nicht. "Es braucht nicht viel, um einen neuerlichen Ausbruch der Seuche zu entfachen", sagt Dr. Gisela Schneider. "Deshalb müssen die bislang angewandten Maßnahmen, wie Isolation der Infizierten, Behandlung, konsequente Nachverfolgung der Kontakte aller Infizierten und die Sensibilisierung und Mobilisierung der Gesellschaft weiter geführt werden." Zugleich müssen wir jetzt eine umfassende Gesundheitsversorgung wieder aufbauen und diese langfristig verbessern." Wie dringlich das ist, zeigen die ersten Masernfälle, die ich auf meiner Reise gesehen habe, weil monatelang nicht geimpft wurde. "Auch gibt es immer mehr Neugeborene, deren Mütter bei der Geburt verstorben sind, weil der Zugang zu guter Geburtshilfe nicht mehr gegeben ist. Das muss sich schnell ändern", sagt Gisela Schneider. "Wir brauchen dringend funktionierende und stabile Gesundheitssysteme, die für alle offen stehen, in die jeweilige Situation vor Ort passen und Epidemien, wie wir sie gerade erlebt haben, schnell erkennen und eindämmen können".
Hierfür führte die Tropenmedizinerin eine Situations- und Bedarfsanalyse in den Gesundheitseinrichtungen der Kirchen, die im christlichen Gesundheitsnetzwerk Christian Health Association of Sierra Leone zusammenarbeiten, durch. Begleitet wurde sie dabei von dem Programmkoordinator der Diakonie Katastrophenhilfe vor Ort, Christopher Dyson, und dem Team des Partnernetzwerks Christian Health Association of Sierra Leone. "Wir haben viele Fachkräfte durch Ebola verloren. Daher ist der Bedarf an gut ausgebildetem Personal in den verschiedenen Bereichen des Gesundheitswesens und die Verfügbarkeit von Schutzmaßnahmen für die Mitarbeitenden sehr groß", sagt Gisela Schneider, die langjährige Erfahrung in der Ausbildung von Gesundheitspersonal auf dem afrikanischen Kontinent hat. Zudem müssen stabile Finanzierungsmechanismen gefördert und Kommunikationssysteme entwickelt werden. "Nur wenn verlässliche Informationen vorhanden sind, können Programme auf Fakten aufgebaut werden und nicht auf Vermutungen. Die Lehren, die man aus dem Kampf gegen Ebola gezogen hat, sind wichtig für den Wiederaufbau einer funktionstüchtigen Infrastruktur im Gesundheitswesen."
Eine wichtige Rolle hierbei spielt auch das Vertrauen der Menschen ineinander und in die Gesundheitseinrichtungen. "Ebola hat die gesellschaftlichen Strukturen angegriffen. Orte, die zuvor für Hoffnung und Trost standen, wie die Familie oder Gesundheitsdienste, sind Orte des Misstrauens und Todes geworden. Vertrauen wieder zu stärken, mit Traumata umgehen, das Gemeinschaftsleben wieder aufbauen, das sind wichtige Aufgaben der Gemeinden, Regierungen und Kirchen. Sie müssen den Familien Möglichkeiten bieten, um wirtschaftlich wieder unabhängig zu werden, die Ressourcen vor Ort zu nutzen, um die Landwirtschaft und die Möglichkeit zur Selbsthilfe in der Gemeinschaft zu stärken", sagt Gisela Schneider. "Dabei wollen wir ihnen helfen."
Einen Blog über die Reiseerlebnisse von Dr. Gisela Schneider finden Sie hier difaem.de/aktuelles/ebola-blog/








