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Vom Computer in den Wald – wie (Online-)Rollenspiele real erlebt werden können

04.04.200609:01 UhrFreizeit, Buntes, Vermischtes

(openPR) Welches Elternpaar kennt dies nicht: Die ersten Frühlingsstrahlen locken die vom Winter gebeutelten Deutschen ins Freie, und nur der eigene Spross ignoriert den aufkeimenden Sommer und verbringt die Zeit viel lieber vor dem PC bei einem Online-Rollenspiel. Müßig sind die Diskussionen, mit denen versucht wird das Kind von seiner Fantasie-Welt loszureißen und ins Freie zu bringen. Die Sorge um Tocher/Sohn wird dabei noch durch diverse Zeitungsartikel und Fernsehberichte, die über die vermeintliche Vereinsamung der Spielenden berichten, geschürt. Aber auch die positiven Aspekte der Online-Spiele – z.B. dass die Jugendlichen wichtige soziale Erfahrungen sammeln können und gemeinsam zusammen mit anderen spielen - helfen nicht bei dem Wunsch, dass Sohn oder Tochter einer Aktivität im Freien nachgehen, wo Sie auf reale Menschen treffen und mit wirklichen Personen interagieren.



Jugendliche und Eltern, die diesem Problem eine Abhilfe schaffen wollen, finden dazu die Möglichkeit im Larp (Life Action RolePlay = Liverollenspiel). Larp ist dabei eine Mischung aus einer fantastischen Rollenspiel-Welt mit realen Personen, in der Abenteuerdrang und Spieltrieb an realen Schauplätzen und unter körperlichem Einsatz ausgelebt werden können. Wie am Computer wird von findigen Organisatoren eine fantasievolle Welt erschaffen, in der der Spieler seinen Charakter darstellen und Abenteuer bestehen kann. Nur gibt es hier keine Virtualität, sondern ein „echtes“ Spiel mit realen Menschen, freier Natur und wirklicher Interaktion. Das Larp verbindet dabei klassisches (Online-) Rollenspiel mit den Vorzügen realer Begebenheiten, einer Erlebniswelt im Freien, viel Bewegung und einem der Online-Welt fehlenden Möglichkeit zur erlebbaren Erfahrung. Der Verlauf ist dabei fast genauso, wie bei einem Online-Spiel. Zuerst erschafft der Spieler durch eigene Fantasie und Kreativität innerhalb eines vorgegebenen Regelwerks einen Charakter, den er im Liverollenspiel spielen möchte. Er stattet ihn mit Stärken, Schwächen und einer eigenen Geschichte aus, die er danach auf den Veranstaltungen ins Leben umsetzt. Dieser Prozess ist sehr kreativ und bietet dem Spieler die Möglichkeit sich über seine eigenen Stärken, Schwächen und Vorlieben klar zu werden. Ob Magier, Krieger, Elf oder Zwerg, fast alle gängigen Charakterklassen finden sich auch im Larp wieder. Der erschaffene Charakter hat dabei die Möglichkeit, durch regelmäßiges Spielen (auf sogenannten Cons = Conventions) aufzusteigen und Erfahrung zu sammeln. Die Handlungsgeschichte und die Welt, die der Charakter betritt, ist für jedes Con durch die Organisatoren vorgegeben. Der Ausgang der Geschichte ist dann von der Interaktion und den Entscheidungen der Spieler abhängig.

Neben der Rahmenhandlung haben die Organisatoren (Spielleitung) auch ansonsten alle Hände voll zu tun. Diese kümmern sich auch um den Handlungsort des Spiels (meist Jugendherbergen oder Burgen), instruieren die zur Geschichte gehörenden Charaktere (sogenannte Nicht Spieler Charaktere - NSCs; z.B. der König, der auf seinen Ball einlädt) und sorgen für einen reibungslosen Ablauf des Spiels. Die Spielleitung wirkt dabei stets im Hintergrund und reagiert auf das Verhalten der Spieler, beantwortet Fragen und gibt Hilfestellungen. Dies ist eine verantwortungsvolle Aufgabe, zur der einiges an Organisationsmanagement gehört, da bis zu 250 Personen über 3 Tage wohl koordiniert sein wollen.

Innerhalb der Geschichte wird der Spieler mit den NSCs in Kontakt treten, von Ihnen Aufgaben und Informationen bekommen, und Stück für Stück die Geschichte erleben. Manchmal sind es nur einfache Botengänge, die zu erledigen sind, dann eine Schatzsuche im Wald oder die Verteidigung der Burg gegen Orks. Hierbei wird jede Aufgabe vollständig ausgespielt und zu einem Erlebnis. Wer sich, um um das Lager der Räuber herum zu schleichen, durch das Unterholz schlägt, kann sein Herz in der Brust pochen hören und das Adrenalin in den Adern fühlen. Wen der Schlachtenlärm ertönt und 100 Spieler gegen 100 NSCs im ungefährlichen Kampf aufeinander treffen, fühlt man sich wirklich mittendrin statt nur dabei. In den Kämpfen werden gepolsterte Schaumstoffwaffen verwendet, und es wird darauf geachtet, die Schläge gezielt auf Arme und Beine zu verteilen. Zusätzlich zu den Aufgaben, die durch die Geschichte vorgegeben sind, entwickelt sich ein Spiel der Spieler untereinander. Man kommuniziert, tauscht Gegenstände aus und hilft sich gegenseitig bei eigenen Quests (Aufgaben). So lernt man sehr schnell viele unterschiedliche Personen kennen, und verabredet sich danach gemeinsam für das nächste Con.

Der eigentliche Reiz des Larps liegt somit neben dem wirklichen Erleben der Abenteuer, in den Menschen, die dieses Hobby ausüben und der immer vorhandenen Kommunikation der Spieler untereinander. Liverollenspieler sind eine sehr kommunikative Gemeinschaft, die gerne und offen auf andere Menschen zu gehen. Der Einstieg in das Hobby ist daher sehr leicht, denn, auch wenn man sich am Anfang nicht traut direkt in das Handlungsgeschehens einzugreifen, werden andere Spieler auf einen zugehen und einen mit in die Handlung ziehen. Neulingen wird gerne geholfen und Hilfestellungen und Tipps werden bereitwillig gegeben. Dies liegt vor allem daran, dass Larp ein gemeinsames Spiel ist, in dem es den Spielern darum geht, die Handlung gemeinsam zu lösen. Denn alleine ist im Liverollenspiel fast nichts zu bewerkstelligen. Die räuberische Orktruppe irgendwo im Unterholz ist zu gefährlich, so dass eine Schatzsuche im Wald nur mit der Unterstützung vieler möglich ist. Daher wird viel geredet, verhandelt und gelacht, denn nur über die Kommunikation werden Freunde und Unterstützung gewonnen. Die gewonnenen kommunikativen und sozialen Fähigkeiten bereichern die Spieler über die Fantasiewelt hinaus und können im realen Leben gleich umgesetzt werden. Denn wer im Spiel lernt, dass Offenheit und Kommunikation die Bewältigung von Aufgaben erleichtern, wird dies auch im realen Leben zu nutzen wissen.

Organisatorisch ist der Einstieg ins Larp relativ einfach – wobei für die meisten Veranstaltungen ein Mindestalter von 16 Jahren gilt. Gebraucht wird eine Gewandung (Verkleidung), die zum entsprechenden Charakter passt (es gibt günstige Einsteigersets bei verschiedenen Larphändlern) und eine Veranstaltung in der Nähe. Sowohl die Händler als auch die Veranstaltung findet man in Deutschlands umfangreichsten Liverollenspiel-Kalender auf www.larpevents.de .

Über die komfortable Suchfunktion nach Datum und Umkreis und bei über 500 Veranstaltungen pro Jahr, sollte für die kommende Saison leicht ein Con in der Nähe gefunden werden. Der hilfsbereite Con-Veranstalter kann sicher gute Tipps zum Einstieg geben und vielleicht auch die nötige Ausrüstung für das erste Con ausleihen. Wer sich die Ausrüstung lieber gleich selbst kauft, schaut einfach in der Händlerliste auf www.larpevents.de/dach/haendler.html nach einem Larp-Laden in seiner Nähe. Auch dort findet man neben hochwertigen Schaumstoffschwertern (für den gespielten Kampf), und den nötigen Rüstungen und Gewandungen auch viele Einsteigertipps und Hilfestellungen.

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