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Wachstum mit Weitblick: Häfen im „echten Norden“ festigen ihren Kurs

29.08.201411:03 UhrLogistik & Transport
Bild: Wachstum mit Weitblick: Häfen im „echten Norden“ festigen ihren Kurs
v.l.n.r. Dr. Dirk Claus, Frank Schnabel, Uwe Beckmeyer, Dr. Frank Nägele
v.l.n.r. Dr. Dirk Claus, Frank Schnabel, Uwe Beckmeyer, Dr. Frank Nägele

(openPR) Hafenhinterlandanbindungen und Energieversorgung im Fokus des dritten Schleswig-Holsteinischen Hafentags. Infrastrukturmaßnahmen erfordern Priorisierung. Politik profitiert vom Hafenentwicklungskonzept.
Über 200 Teilnehmer folgten der Einladung zum dritten Schleswig-Holsteinischen Hafentag im neuen Kreuzfahrtterminal im Kieler Ostuferhafen. Der Gesamtverband Schleswig-Holsteinischer Häfen (GvSH) begrüßte Vertreter aus Politik, maritimer Logistik und Hafenwirtschaft aller Küstenbundesländer. Hauptaugenmerk galt den erforderlichen Infrastrukturmaßnahmen zur Optimierung der Hafenhinterlandanbindungen. Im Hinblick auf die bevorstehenden neuen Umweltanforderungen an Schiffstreibstoffe in Nord- und Ostsee thematisierten die Experten die alternative Energieversorgung von Schiffen und den weiteren Nutzen für Industrie und Region.


Als Ehrengast begrüßten die Veranstalter Uwe Beckmeyer, Maritimer Koordinator der Bundesregierung und Parl. Staatssekretär beim Bundesminister für Wirtschaft und Energie. In seinen Ausführungen stellte er heraus, dass Schleswig-Holsteins Häfen als Knotenpunkt zwischen Nord- und Ostsee einen wichtigen Beitrag für den internationalen Güterverkehr leisten. Die Notwendigkeit einer funktionierenden Infrastruktur im Hafenhinterland stehe auf der politischen Agenda weit oben. „Die Verkehrsprognosen sagen uns steigende Gütermengen voraus, für die wir uns rüsten müssen. Dies gilt für Transporte über Wasser- und Landwege gleichermaßen. Der Neubau der fünften Schleusenkammer in Brunsbüttel ist dabei ein wichtiger Schritt für die weitere Modernisierung des Nord-Ostsee-Kanals. Sein reibungsloser Verkehr muss dauerhaft gesichert werden“, erklärt Beckmeyer.

Dr. Frank Nägele, Staatssekretär im Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Technologie Schleswig-Holstein, betont: „Die Häfen in Schleswig-Holstein, im echten Norden, sind ein bedeutender Wirtschaftsfaktor für unser Land. Deshalb haben wir ein Hafenentwicklungskonzept, das gemeinsam mit dem GvSH erarbeitet wurde, vorgelegt, um auch für die Zukunft gut gerüstet zu sein. Von entscheidender Bedeutung sind die Hafenhinterlandanbindungen: Wir brauchen diese Infrastruktur, damit es weiterhin in unseren Häfen brummt. Die norddeutschen Länder haben vereinbart, hierbei eng zusammen zu arbeiten. Sie werden diese Infrastrukturprojekte gemeinsam vertreten und beim Bund für den Bundesverkehrswegeplan 2015 einfordern. Unsere Botschaft gegenüber dem Bund muss ganz klar sein: Nach vielen Jahren, in denen der Süden der Republik gut bedient wurde, muss nun der Norden dran sein.“

Frank Schnabel, Vorstandsvorsitzender des GvSH, ergänzt: „Das Hafenkonzept zeigt gezielt Wachstumschancen und Bedarfsfelder in sechs maritimen Clustern auf. Der Politik ist es eine strategische Entscheidungshilfe, um nach Wirtschaftlichkeitsaspekten zu fördern und zu handeln. Wir setzen darauf, dass auch die Bundespolitik diesen Stellenwert erkennt und entsprechend der bundesweiten Bedeutung unserer Häfen handelt.“ Schon heute ist der Hafenstandort Schleswig-Holstein mit über 50 Millionen Tonnen Ladung, 15 Millionen Passagieren und rund 50.000 Arbeitsplätzen von hoher nationaler und internationaler Bedeutung und hat sich mit kontinuierlichem Wachstum nach Hamburg und Bremen zum bundesweit drittgrößten Hafenstandort entwickelt. Das Hafenkonzept zeigt die Entwicklungspotenziale bis zum Jahr 2025 auf, die über die Fokussierung auf sechs Kernbereiche erreicht werden sollen. Neben den Ro/Ro- und Fährhäfen, Universalhäfen,

Projektladungshäfen und Inselhäfen wurden hier neu die Kreuzfahrthäfen und Off- und Onshore-Häfen definiert. Mit dieser Aufteilung können einzelne Geschäftsfelder gezielt gesteuert und Investitionen priorisiert werden.

Die vom Journalisten Eckhard Arndt moderierte Podiumsdiskussion beleuchtete die Forderungen nach einer verbesserten Infrastruktur aus verschiedenen Perspektiven. Neben dem Maritimen Koordinator Uwe Beckmeyer und GvSH Vorstandsvorsitzender Frank Schnabel, nahmen Jörg Rudolph, Geschäftsführer Color Line GmbH, Peter Guttenberger, Gesamtleiter Transport und Logistik der Unternehmensgruppe Max Bögl, und Marco Lütz, Sprecher der Geschäftsleitung Bruhn Spedition, an ihr teil. Die Beteiligten repräsentieren in dieser Zusammensetzung die Vielfalt der maritimen Wirtschaft. Politiker, Hafenbetreiber, Spediteur und Reeder unterstrichen gleichermaßen die Bedeutung von optimierten Hafenhinterlandanbindungen über Norddeutschland hinaus. So beweist die Ansiedlung von Max Bögl bei Rendsburg die wichtige Rolle der Seehäfen. Die Kombination von funktionierender Infrastruktur und freier Industriefläche war maßgebliches Entscheidungskriterium für den Windkraftanlagenhersteller.
Ein weiterer Schwerpunkt der Diskussion waren die neuen und ab Januar 2015 geltenden Schwefelgrenzwerte für Schiffsabgase in Nord- und Ostsee. Sowohl Häfen als auch Reedereien sehen sich ab dem kommenden Jahreswechsel mit der Einhaltung der neuen Grenzwerte konfrontiert. Was für die Reedereien eine Umstellung auf alternative Treibstoffe oder die Installation von Abgasreinigungsanlagen (Scrubber) zur Folge haben wird, bedeutet für Hafenbetreiber die nötige Infrastruktur zur Schiffsversorgung mit alternativen Treibstoffen zu stellen. Herausforderungen die aus Sicht der maritimen Wirtschaft mit politischer Unterstützung bewältigt werden sollen.
Neue Potentiale für die schleswig-holsteinischen Häfen bietet auch die industrielle Energieversorgung. Die Industrieunternehmen sind auf eine dauerhafte und zuverlässige Gasversorgung angewiesen. Aufgrund der aktuellen Ukraine-Krise und der damit verbundenen wachsenden Unsicherheit hinsichtlich der langfristigen Gasversorgung werden Rufe nach einer unabhängigeren Gasversorgung lauter. Deshalb sollten ebenfalls alternative Gasversorgungskonzepte wie LNG verfolgt werden. Dies hätte auch bundesweite Bedeutung. Der Vorteil in Schleswig-Holstein: Es stehen ausreichend notwendige hafennahe Industrieflächen zur Verfügung und der regionale Gasbedarf durch Industrieunternehmen ist hoch, so dass eine Grundauslastung in Schleswig-Holstein gewährleistet wäre.
Abschließend gelang es mit dem dritten Hafentag nicht nur eine Veranstaltungstradition in Schleswig-Holstein initiiert zu haben, sondern auch die Bedeutung und Positionierung von Deutschlands drittgrößtem Hafenstandort zu untermauern. Seine Rolle als Logistikdrehscheibe und Wertschöpfungsmotor zu fördern, zu festigen und nachhaltig zu vermitteln, bleibt weiterhin eine wesentliche Aufgabe des Verbands.

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