(openPR) „Wir wollen uns berühren lassen“
Vor 35 Jahren wurde die deutsche Hilfsorganisation Cap Anamur / Deutsche Not-Ärzte e.V. gegründet. Humanitäre Hilfe in Kriegs- und Krisengebieten.
Am Anfang war die Tat. „Nicht die Gründung eines Vereins, nicht der Aufbau einer Bürostruktur, nicht der Seerechtsreferent“, erinnert sich Rupert Neudeck, 75, der Anfang August 1979 mit seiner Frau Christel und Freunden, darunter Heinrich Böll, die Hilfsorganisation ins Leben rief. Damals noch unter dem Namen ‘Ein Schiff für Vietnam‘. „Am Anfang war nur das bebende und klare Bewusstsein, dem Ertrinken der Flüchtlinge im südchinesischen Meer einen Riegel vorzuschieben.“ Über 1,6 Millionen Vietnamesen suchten nach dem Vietnam-Krieg vor dem kommunistischen Regime den Weg in die Freiheit – oft auf altersschwachen oder völlig überladenen Booten. Für ihre erste Rettungsaktion charterte das Ehepaar Neudeck spontan einen Frachter namens ‘Cap Anamur‘. Bis 1986 konnten so fast 11.400 boatpeople gerettet und weitere rund 35.000 Menschen an Bord medizinisch versorgt werden. Der große Zuspruch in der deutschen Bevölkerung ermöglichte es ihnen, weiterzumachen. „Nie mehr feige sein, Mut haben, nicht aufgeben – Leben helfen: Dieser Geist trägt und prägt die Organisation bis heute“, sagt Dr. Werner Strahl (70), der seit zwei Jahren Vorsitzender des Vereins ist.
In den vergangenen 35 Jahren hat Cap Anamur Projekte in über 50 Ländern realisiert – auch an Orten, an denen das Medieninteresse längst abgeebbt ist. „Unser Ziel sind die medizinische Versorgung sowie der Zugang zu Bildung – und das nachhaltig“, sagt Bernd Göken, 47, der heutige Geschäftsführer, der nach dem Rückzug der Neudecks im Jahr 2002 die Projektkoordination übernahm. Derzeit sind Ärzte, Krankenschwestern, Zimmerleute und Bauingenieure in neun Ländern tätig. Die Projekte umfassen unter anderem die Betreuung einer Kinderklinik in Sierra Leone, die Ausbildung von Frauen in Afghanistan im Beruf der Hebamme und Krankenpflegerin sowie die Unterstützung syrischer Bürgerkriegsopfer. „Wir schaffen Strukturen, die das Leben der in Not geratenen Menschen dauerhaft verbessern. Danach gilt: Je schneller wir ein Projekt in die Hände der lokalen Mitarbeiter geben könne, desto besser. Denn das heißt: Wir können an weiteren Orten Leben retten“, so Göken.
Dabei erlaube gerade die Kleinheit der Organisation – in Deutschland umfasst Cap Anamur vier hauptamtliche Mitarbeiter, international zurzeit 23 – besonders flexibel und schnell auf Notsituationen reagieren zu können. „Wir arbeiten völlig unabhängig von staatlichen Einrichtungen, da wir unsere Projekte ausschließlich durch private Spendengelder finanzieren“, erklärt Göken. In den vergangenen fünf Jahren flossen davon durchschnittlich lediglich knapp acht Prozent in die Verwaltung, mehr als 90 Prozent gingen direkt in die Projekte. „Wir entsandte Fachleute erhalten für unseren Einsatz kaum mehr als ein Taschengeld, doch die Motivation, mit unserem Engagement viel bewegen zu können, lässt zahlreiche von uns ihren Einsatz verlängern“, so Sabine Ndukwu, die als Hebamme für Cap Anamur in Liberia, im Sudan und im Kongo geholfen hat.
„Das Menschenretten hat Cap Anamur bekannt und stark gemacht“, sagt Strahl, „und es wird auch die Stärke der Organisation bleiben. Alle, die bei uns mitmachen – angefangen vom Fünf-Euro-Spender bis hin zum Chirurgen, der für uns ein halbes Jahr ins Ausland geht – verbindet das Bewusstsein, dass die Not Anderer uns etwas angeht. Wir wollen uns davon berühren lassen.“
Zitate
• „Ich möchte nie mehr feige sein. Cap Anamur ist das schönste Ergebnis des Verlangens, Mut zu haben und nicht aufzugeben.“
Rupert Neudeck, Gründer von Cap Anamur
• „Das Bewusstsein, dass uns alle etwas angeht, hat Ärzte, Krankenschwestern, Zimmerleute und Ingenieure zum Mitmachen bewegt. Schweigen bringt uns nur noch mehr in die Scham.“
Rupert Neudeck, Gründer von Cap Anamur
• „Ungerecht und unerträglich ist die Teilung unserer Welt in Reichtum und Armut, Verschwendung und Hunger, exzellente Bildungsmöglichkeiten auf der einen Seite und das Fehlen jeglicher Bildung auf der anderen, der Zugang zu medizinischer Vollversorgung und die Hilflosigkeit bei Krankheit und Verletzung. Wir erleben die Freude vor Ort über unsere Hilfe und kehren stets bewegt zurück. Unser Dank gilt allen Spenderinnen und Spendern!“
Dr. Werner Strahl, Kinderarzt im Ruhestand und Vorstandsvorsitzender von Cap Anamur
• „Der Name ‘Cap Anamur‘ steht für radikale und kompromisslose Menschlichkeit. Auf die Ungerechtigkeiten einer mehr und mehr globalisierten Welt antwortet Cap Anamur mit selbstloser, menschlicher Hilfe vor Ort, direkt bei den Menschen. Das macht diesen Verein einzigartig in einem Umfeld, in dem humanitäre Hilfe zunehmend strategischen Überlegungen und Sicherheitsbedenken für die eigenen Mitarbeiter unterworfen ist.“
Raphael Veicht, Krankenpfleger und langjähriger Mitarbeiter bei Cap Anamur
• „Cap Anamur ist eine Organisation, die klein genug ist, um anders zu sein.“
Volker Rath, Projektleiter und langjähriger Mitarbeiter von Cap Anamur











