(openPR) Notfall in der Intensivmedizin: "Das Bild einer akuten Intoxikation mit Kokain kann dem Bild einer Hyperthyreose recht ähnlich sein und zur Verwechslung Anlass geben," warnt Professor Dr. Enno Freye in seinem aktuellen Handbuch "Kokain, Ecstasy, Amphetamine und verwandte Drogen". Bei der Vergiftung mit Kokain wie bei der Hyperthyreose "führt die starke Sympathikusaktivierung zu einem Glanzauge mit Pupillenerweiterung, einer deutlichen Tachykardie, einer Rötung des Gesichtes, einer Hyperhydrosis, einer Hyperventilation sowie einem feinschlägigen Tremor der Hände."
"Die letale Dosis von Kokain variiert stark, beträgt allerdings im Mittel bei einer 70 Kg schweren Person - wenn keine Gewöhnung vorliegt - bei oraler Aufnahme ein bis zwei Gramm. Bei intravenöser oder subkutaner Anwendung sowie bei der Inhalation beträgt die Dosis, bei der schwere Nebenwirkungen zu erwarten sind, 200 bis 300 mg/70 Kg; bei einer Gewöhnung steigt diese Dosis auf 750 bis 800 an. Die individuelle Reaktion ist jedoch sehr unterschiedlich. Die Toxizität nimmt insbesondere dann zu, wenn Pharmaka, die das kardiovskuläre System beeinflussen, dem Kokain zusätzlich als Verschnitt zugegeben worden sind. Besonders dann, wenn bei einem Mangel an metabolisierenden Esterasen in der Leber eine relative Überempfindlichkeit vorliegt, können schon Dosen von intravenös 20 mg für einen Menschen tödlich sein."
"Kokain wird bei oraler Aufnahme im Magen rasch hydrolisiert und ist deshalb bei oraler Aufnahme auf mg-Basis weniger toxisch als bei einer Resorption über die Schleimhäute, über die Lungen oder über den intravenösen Weg. Fatale Nebenwirkungen können schon durch geringe Dosen von 25 mg geschnupften Kokain auftreten ..." Zusätzlich kompliziert werden Risiken, Diagnostik und Therapie dadurch, dass das Kokain meist durch verschiedenste, teils neuartige Substanzen angereichert und u.U. in seiner Wirkung verstärkt wurde.
Professor Dr. Enno Freye liefert zum Thema das aktuelle Wissen für die Diagnostik und Therapie von Vergiftungen mit alten und neuen Drogen. Auf die Intensivmedizin kommen immer komplexere Vergiftungen zu.
>> Enno Freye: Kokain, Ecstasy, Amphetamine und verwandte Designerdrogen. Pharmakologie, Wirkmechanismen und Vorgehen bei Intoxikationen. Pabst 2014, 188 Seiten, ISBN 978-3-89967-843-7












