(openPR) Allerorten hört man Diskussionen darüber, ob dieser Winter besonders kalt war. Aber was ist an diesen subjektiven Empfinden wirklich dran? Wie haben sich die meteorologischen Wintermonate Dezember, Januar und Februar wirklich präsentiert bei uns? Darüber soll dieser Artikel von den Meteorologen des privaten Wetterdienstes meteoXpress Ltd. Auskunft geben.
Die folgenden Werte beziehen sich auf die gemittelten Monatswerte bzw. Niederschlagssummen und Gesamtsumme der Sonnenstunden in den genannten Wintermonaten, die mit den Durchschnittswerten des Referenzzeitraums des 30-jährigen Mittels von 1961-1990 in Relation gesetzt werden.
Im Norden wurde an der Station des Hamburger Flughafens ermittelt, dass der Januar zwar mit -1,3°C um 1,8°C zu kalt, aber der Dezember mit einer Veränderung um + 0,6°C und der Februar mit 1,2°C um + 0,1°C etwas über dem langjährigen Mittelwert lagen. Damit fiel der gesamte Winter im Norden um etwa 0,4°C zu kalt aus.
Den Niederschlag betreffend waren der Dezember mit 53 Litern, also 71%, und der Januar mit nur 19 Litern, was einem Mittel von 31% entspricht, unterrepräsentiert, wobei der Februar aber mit 44 Litern, 107%, wieder über dem Soll lag.
Wo mit dem Niederschlag gespart wurde, wurde mit dem Sonnenschein im hohen Norden allerdings nicht gegeizt: In den ersten beiden Wintermonaten wurden die Hanseaten mit 50 bzw. 60 Sonnenstunden im Monat verwöhnt, was sowohl im Dezember als auch im Januar einer satten Steigerung von 43% über die erwarteten Werte hinaus entsprach. Im Februar ging es dagegen mit nur 49 Sonnenstunden, 73% des Erwartungswertes, deutlich düsterer zu.
Anhand dieser Daten lässt sich also sagen, dass der Norden zwar etwas kälter war, dass aber der Überschuss bei den Sonnenstunden entschädigten konnte.
Repräsentativ für den Nordosten Deutschlands wurde die Station in Berlin-Dahlem ausgewählt.
Hier wurden vor allem im Januar und Februar negative Abweichungen bei der Lufttemperatur gemessen. Der Januar lag mit einem Durchschnittswert von -3,6°C um -3,2 °C unter dem langjährigen Mittelwert. Auch der Februar war bei durchschnittlich -0,1°C um -0,7°C kälter. Der Dezember war mit 1,4°C um unbedeutende + 0,2°C zu warm. Der Winter im Nordosten Deutschlands war somit um 1,2 °C zu kalt.
Mit 56 bzw. 38 Litern Monatssumme lagen der Dezember und der Februar im Rahmen, genau genommen mit 2% bzw. 3% über dem Soll. Dagegen war der Januar viel zu trocken: Mit lediglich 21 Litern im Monat wies er nur 49% des erwarteten Wertes auf.
Auch die Hauptstädter wurden im Dezember und Januar von der Sonne verwöhnt: Mit 38 Stunden im Dezember lag die Sonne knapp über dem Soll, doch der Januar war nicht zu toppen: Mit 107 Sonnenstunden wurden unglaubliche 238% des gemittelten Wertes erreicht. Der Februar war auch hier nicht allzu sonnenverwöhnt; mit nur 53 Stunden entsprach dies lediglich 74% des Erwartungswertes.
Der Nordosten Deutschlands war, gemessen am langjährigen Mittel, zu kalt. Der üppig gefallene Niederschlag im Dezember und Februar kam hauptsächlich als Schnee vom Himmel und bescherte sowohl Winterfreuden, als auch Winterleiden.
Wie der Südosten des Landes den Winter erlebte, soll anhand der Klimastation am Münchner Flughafen näher erläutert werden. Frösteln musste man die gesamten drei Monate lang. Der Dezember war mit -1,7 Grad um 0,4°C zu kalt, während der Januar mit -4,1°C um -1,9°C nach unten abwich. Mit einer durchschnittlichen Monatstemperatur von -1,8°C war der Februar um 1,4°C zu kalt. Bezogen auf den gesamten Winter, waren die Temperaturen in der bayerischen Landeshauptstadt also um 1,2°C zu niedrig.
Der Niederschlag erfüllte sein Soll mit 39 Litern im Dezember zu 80%, im Januar mit 27 Litern lediglich zu 60% und im Februar mit 37 Litern immerhin zu 88%. Die eisigen Temperaturen gepaart mit den fast durchweg als Schnee fallenden Niederschlägen bewirkten Schnee im Überfluss im Südosten Deutschlands.
Auch in München wurden der Dezember und der Januar überdurchschnittlich von der Sonne geküsst: 48 bzw. 92 Stunden bedeuteten 109% im Dezember und sage und schreibe 192% im Januar. Damit lag München auf der Sonnenseite. Der kleine Dämpfer kam - wie in ganz Deutschland - im Februar: Hier schien die Sonne nur 62 Stunden, was einem 81%-Anteil der sonst durchschnittlich gewohnten Sonnenstunden entsprach.
An der Station Köln/Flughafen, die repräsentativ für den Westen angesehen werden kann, war der Dezember um 0,1°C zu warm, während die letzten beiden Wintermonate mit 0,2 Grad um 1,6°C und mit 1,8 Grad um 0,6°C zu kalt waren. Dies bedeutet, dass der gesamte Winter um 0,6°C zu kalt war.
Für Niederschlag wurde vor allem im Februar reichlich gesorgt: Während im Dezember 82% und im Januar mit 25 Litern lediglich 40% des erwarteten Wertes vom Himmel kamen, lag der Februar mit 65 Litern, 135%, um 35% über dem Soll.
Die Sonne machte sich im Dezember mit 35 (80%) und im Februar mit 43 Stunden (54%) rar, doch der sonnige Januar entschädigte dafür: 99 Stunden lang war die Sonne zu genießen, was einem Wert von satten 212%, 112% über dem Normalwert, entsprach!
Die Wetterkapriolen kamen in diesem Winter deshalb zustande, weil der als Schnee gefallene Anteil des Niederschlag diesmal länger als sonst gewohnt blieb, und nicht gleich wieder, beeinflusst durch zu milde Temperaturen, von der Bildfläche verschwand.
Wenn es positive Extremwerte zu verzeichnen gab, dann vor allem im Blick auf die Sonnenscheindauer: In ganz Deutschland lagen in den ersten beiden Wintermonaten, der Dezember im Westen ausgenommen, die Sonnenstunden zum Teil erheblich über den Mittelwerten und bescherten uns einige schöne Stunden, die es wert waren, an der frischen Luft verbracht worden zu sein.
Zusammenfassend war der Dezember etwas zu mild und zu trocken bei meist leicht überdurchschnittlichem, im Westen auch unterdurchschnittlichem Sonnenschein.
Der Januar erwies sich überall, besonders aber im Osten und Nordosten als zu kalt. Dort wurde es um den 22. Januar herum rund 3 Tage eisig kalt. Im Südosten wirkte sich die hohe Schneedecke und die besonders kurze Zeit mit milderen Luftmassen stark dämpfend auf die Temperaturen aus. Überall - mit Ausnahme des äußersten Südostens - war es zu trocken mit weit überdurchschnittlicher Sonnenscheindauer.
Der Februar bot zu wenig Sonne und im Westen zu viel, sonst durchschnittlichen Niederschlag. Die Temperaturen lagen im Norden im Normalbereich, sonst leicht, im Südosten deutlich unter dem Mittel. Das Schneechaos im Osten und Südosten um den 9.2.06, in dessen Folge Dächer einstürzten, wurde von dem Chaos um den Jahreswechsel herum im äußersten Südosten Bayerns mit vielen Toten (Traunstein) noch auf traurige Weise getoppt.
Wie lange der Winter sich in den kommenden Wochen des bald beginnenden kalendarischen Frühlings zumindest in den Mittelgebirgen noch halten kann, bleibt abzuwarten. Der Winter war in jedem Fall vor allem in der Osthälfte merklich zu kalt und im äußeren Südosten sehr schneereich, sonst aber nur leicht zu kalt und zu trocken.
Mit dem Schneechaos in der Mitte am 4.3.06 und im Süden vom 4.3.06 bis 6.3.06 sowie dem reichlichen Schnee von rund 25 Zentimeter und mehr im Norden am 10.3.06 und 11.3.06 hat der Winter jedenfalls weitere - für viele Autofahrer unangenehme - Erinnerungen hinterlassen. Zudem kam das letzte Woche im Süden und in der Mitte entstandene Hochwasser hinzu. Dieser Winter hatte also so einiges zu bieten.
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Herr Florian Hirschmann
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