(openPR) Motivation und Verhalten unserer Mitarbeiter
Unmotivierte Mitarbeiter, destruktive Mitarbeiter, renitente Mitarbeiter – wer kennt sie nicht? Die meisten Führungskräfte können eine Menge negative Erfahrungen erzähhlen, die sie täglich im Führungsalltag sammeln. Da denken Mitarbeiter auch nicht für 5 Cent mit, machen einen nine-to-five-Job, fordern nur, leisten aber nicht. Wir beklagen uns oft über das Verhalten anderer.
Überhaupt sehen wir in anderen Menschen viel schneller die negativen Aspekte. Sie springen uns förmlich an. Wir regen uns auf und reklamieren, dass der andere, der Mitarbeiter, der Kollege oder Vorgesetzte nicht den gleichen Werten und Prinzipien folgt, wie wir selbst.
Diese Situation hatte ich neulich in einer Coaching-Sitzung. Mein Coachee, ein Vertriebs-Direktor eines größeren Konzerns, beklagte sich über seine Mitarbeiter. Er verstehe gar nicht, wie die Mitarbeiter so reaktiv und unmotiviert sein können. Teilweise verhalten sie sich sogar destruktiv. Dieser Direktor war fünf Monate zuvor auf Wunsch seines Vorstands auf diese Position gewechselt. Keine wirkliche berufliche Entwicklung, mehr ein sidestep, aber eine echte Herausforderung, wie er fand.
Aber irgendwie schaffte er es nicht, die Mitarbeiter zu motivieren. Egal was er tat, sie wirkten eher lethargisch bis phlegmatisch. Wir sprachen im Coaching über all die Dinge, die er bereits unternommen hatte, um diesen Zustand zu verändern. Da waren wirklich gute Ideen dabei. Nach einer ganzen Zeit des Beklagens fragte ich ihn: „Was hat es eigentlich mit Ihnen zu tun?“ – Und ich sah ihm an, dass diese Frage gesessen hatte.
Projektion und Spiegel: Was hat es mit mir zu tun?
In der Psychologie wird dieses Phänomen als „Projektion“ beschrieben: Wir beklagen in anderen nur Dinge, die wir bei uns selbst – unbewusst – als Defizit erleben. Also hat es immer auch etwas mit uns zu tun. Sobald uns dies bewusst wird, können wir aktiv gestalten und fühlen uns nicht mehr als Opfer unserer Umgebung. Der andere, Beklagte, wird also zum persönlichen Entwicklungs-Coach.
Dieses Phänomen geht allerdings nach neueren Erkenntnissen auch noch weiter: Wir beklagen bei Anderen auch Verhaltensweisen, die wir uns selbst nicht zugestehen. Da betritt in meinem Lieblingsbistro ein älterer Herr mit weißem Hut das Lokal sehr lautstark, grüßt quer durch den Raum, geht an fremde Tische und beginnt das halbe Restaurant zu unterhalten. Meine Gedanken waren sofort: „Was für ein Chauvi. Der fühlt sich wohl auch unwiderstehlich.“ Die nächsten Gedanken waren: „Was hat es mit mir zu tun? Möchte ich vielleicht auch so sein, ich habe aber gelernt, das ‚man‘ das nicht macht?“
Hier generalisieren wir unsere eigenen Werte und Normen. Dabei sind Werte und Normen niemals „richtig“ sondern allenfalls „üblich“ oder „akzeptiert“.
Ich möchte das Verhalten unseres „Entwicklungs-Coaches“ keinesfalls als richtig etikettieren. Unmotivierte Mitarbeiter sind ein Graus, belasten das Unternehmensergebnis und gefährden die Existenz ganzer Organisationen. Das Verhalten meines Chauvi will ich nicht als angemessen darstellen. Immerhin fühlten sich viele Gäste offensichtlich belästigt. Und vermutlich würden wir viele Menschen finden, die uns in dieser Meinung bestätigen.
Allerdings hilft es uns auch nicht, dies zu beklagen, da wir es in den seltensten Fällen ändern können. Unser Entwicklungs-Coach hält uns also einen Spiegel vor die Nase. Und jeder Mensch ist klug beraten, dass er gelegentlich in den Spiegel schaut, bevor andere ihn darauf hinweisen.
Mein Coachee dachte über diese Frage sehr intensiv in den nächsten Tagen nach. Er stellte fest, dass er durch die Versetzung selbst die Motivation verloren hatte. Er sollte die Abteilung umorganisieren. Aber eigentlich wollte er verkaufen, Vertriebsstrategien entwickeln und umsetzen, gestalten und seinen Produktbereich im Markt erfolgreich präsentieren. Jetzt hatte er neue Mitarbeiter, neue Produkte, neue Kunden – alles war neu. Und er war überwiegend mit internen Themen beschäftigt. Und dazu hatte er verständlicherweise keine Lust.
Folgen eines neuen Denkens
Nach dieser Erkenntnisse änderte er seine Denkhaltung. Er versuchte, die positiven Aspekte zu sehen, Möglichkeiten zu erkunden und neue, motivierende Ziele zu stecken. Er versuchte, selbst wieder neue Motivation zu finden. Und was dann passierte, war nahezu fantastisch: Plötzlich drehte sich die Stimmung in seiner Abteilung, neue Motivation kam auf und Mitarbeiter engagierten sich plötzlich von sich aus. Zwei enorm unmotivierte Mitarbeiter kündigten binnen weniger Tage, nachdem er zu der neue Erkenntnis gekommen war. Sie hatten ihre Arbeit als persönliche Entwicklungs-Coaches getan. Gerade dieser letzte Aspekt ist immer wieder zu beobachten, obgleich ich dafür keine rationale Erklärung finde.
Was hat es mit Ihnen zu tun?
Ja, ich gebe zu, dass diese Frage ungewohnt ist und auch schmerzhaft sein kann. Aber hier liegen ungeahnte Entwicklungspotenziale. Wir selbst entwickeln uns weiter, wir helfen unseren Mitarbeitern, sich weiter zu entwickeln und oft verändern sich auch Situationen – manchmal wie von Geisterhand – zum Positiven. Das kann ich Ihnen allerdings nicht versprechen, das müssen Sie selbst erlebt haben.













