(openPR) Warum über neue Auswechslungs-Regeln nachgedacht werden sollte
Die Fans sind heiß – heiß auf die Fußballweltmeisterschaft in Brasilien. Schon jetzt fiebern die Deutschen dem ersten Spiel von Jogis Jungs entgegen. Doch die Vorfreude wird bei dieser Weltmeisterschaft besonders getrübt. Philip Lahm, Manuel Neuer, Bastian Schweinsteiger und Marcel Schmelzer sind angeschlagen. Sami Khedira ist nach seiner langen Verletzungspause noch lange nicht fit. Ilkay Gündogan, Lars und Sven Bender fahren gar nicht erst mit zur WM. Jogi Löw plagen so heftige Verletzungssorgen wie noch nie und so rückt der Traum vom Finale und dem Titel in weite Ferne.
Unsere Bundesligaspieler leisten Großartiges. Sie spielen einen Fußball, der die Fans begeistert und erstaunt. Nicht selten hat ein Spitzenteam nach 90 Minuten 120 Kilometer zurückgelegt. Die Kehrseite der Medaille, die Verletzungsstatistik der letzten Jahre ist verheerend und entwickelt sich von Jahr zu Jahr dramatischer.
„Der moderne Fußball opfert die Gesundheit seiner Spieler dem neuen High-Speed-Fußball“, sagt der Sportphysiotherapeut Marco Congia. Congia hat verschiedene Profifußballer betreut. Er kann seine Behauptung auch statistisch belegen. So hat sich die Zahl der verletzten Erst- und Zweitbundesliga-Spieler im letzten Jahrzehnt laut dem Portal Statista mehr als vervierfacht. 2012 gab es mit 1.142 registrierten Verletzungen in den beiden ersten Ligen, den bisher traurigen Höchststand. Und auch im Breitensport ist König Fußball die ungeschlagene Nummer eins bei den Sportverletzungen.
Der hohe Krankenstand hat vor allem bei Borussia Dortmund in der abgelaufenen Saison ein ernstes Kräftemessen mit dem FC Bayern verhindert. Die Folge, die Liga wurde langweilig. Bayern wurde so früh wie noch nie zuvor Deutscher Meister. Gilt das auch für die bevorstehende WM?
„Nur fitte Teams werden ernsthaft um den Titel mitspielen“, ist sich Congia sicher. Die verantwortlichen Sportfunktionäre müssen handeln, findet der Sportphysiotherapeut aus Bad Driburg, der jüngst in den USA beim Fitness-Guru Mark Verstegen mit Profisportlern aus der ganzen Welt schwitzte. „Es ist doch ein Witz“, empört sich Congia, „dass die Gesundheit unserer Fußballelite so leichtfertig aufs Spiel gesetzt wird. Bei einer Belastung wie sie heute im Spitzenfußball stattfindet, kommt es fast zwangsläufig zu muskulären Verletzungen oder zu Sprunggelenk- und Knieverletzungen, wenn der Fußballer erschöpft ist, zumal wenn das Training so ist, wie es in Deutschland nun mal zumeist leider ist.“
Die meisten Verletzungsvorfälle, so zeigen Untersuchungen, ereignen sich während der letzten Viertelstunde der ersten und zweiten Halbzeit. Für einen Großteil der Verletzungen ist eine Überlastung der Muskulatur verantwortlich. Stabilisiert diese bei plötzlichen Stopp-, Dreh- oder Beschleunigungsbewegung nicht mehr ausreichend die Bänder und Gelenke, kommt es nicht selten zu folgeschweren Verletzungen.
Seit rund 150 Jahren wird Fußball gespielt. Aber erst ab 1967 gab es für alle Spiele die Regel, dass ein verletzter Spieler pro Mannschaft ersetzt werden konnte. Seit 1995 sind drei Auswechslungen je Spiel möglich. „Das reicht heute längst nicht mehr“ sagt Congia. „90 oder gar 120 Minuten bei dem heutigen Tempo sind komplett unverantwortlich, es sei denn man möchte dem Verletzungsvoyeurismus Vorschub leisten und sich Krampforgien anschauen wie zuletzt beim Pokalfinale von Bayern München und Borussia Dortmund.“
Congia fordert deshalb mehr Auswechslungen. Auch beim richtigen Training und einer Spielersensibilisierung für Extremsituationen sieht er noch Potentiale. Und er bezieht sich auf Pep Guardiola. Der Bayern Trainer hatte bei einem internationalen Kongress in der Winterpause mehr Wechsel während eines Spiel gefordert. In vielen Sportarten wird von je her wesentlich häufiger gewechselt, beispielsweise im Eishockey oder Handball. „Die Vereinsverantwortlichen und Funktionäre sollten besser und behutsamer mit ihren Spielern umgehen“, fordert Congia.










