(openPR) Eine Horrorvorstellung für jede Frau, plötzlich ist er da: ein Knoten in der Brust. Panik kommt auf, handelt es sich um eine bösartige Geschwulst oder lediglich um eine harmlose Gewebeveränderung? Die Mehrzahl, fast 80 Prozent aller Knoten in der Brust, entdecken Frauen durch Selbstuntersuchung. Jährlich sind hierzulande 50.000 Frauen betroffen, circa 19.000 überleben ihre Krankheit nicht. Traurige Bilanz: Brustkrebs gilt in Deutschland als Todesursache Nummer eins bei Frauen. Zwischen dem 45. und 70. Lebensjahr treten Brusttumore, auch Mammakarzinome genannt, am häufigsten auf, doch auch immer mehr jüngere Frauen ab 35 Jahren erkranken daran. Trotz bundesweit eingeführtem Mammographie-Screening und Brustkrebszentren, verstärkter Aufklärung, positiver Ergebnisse der Pharmaforschung und der Entwicklung neuartiger Medikamente bleibt die Zahl der Neuerkrankungen gleich bleibend hoch. Nicht selten entstehen bei Brustkrebspatientinnen neue Unsicherheiten und Ängste, durch unterschiedliche Angaben zu Diagnose und Früherkennung sowie Behandlung und Heilungschancen. Prof. Dr. Karl Reinhard Aigner, ärztlicher Direktor der Abteilung für onkologische Chirurgie an der medias Klinik in Ransbach-Baumbach, gibt Antworten auf die dringendsten Fragen zum Thema Brustkrebs.
1. Welche Frauen sind besonders gefährdet?
Ein erhöhtes Risiko besteht, wenn Familienmitglieder ersten Grades, wie die Mutter oder Schwester, bereits an einem Brusttumor erkrankten. Etwa fünf bis zehn Prozent aller Brustkrebspatientinnen weisen eine bestimmte ererbte Genmutation auf, die Brustkrebsgene BRCA1 und BRCA2, die die Entstehung von Tumoren in der Brust verursachen. Des Weiteren begünstigen Faktoren wie die erhöhte Zufuhr von fett- und zuckerreichen Lebensmitteln und daraus resultierendes starkes Übergewicht, Rauchen und Alkoholkonsum die Entstehung von Brustkrebs. Ebenso ein frühes Einsetzen der ersten Regel und eine späte letzte Regelblutung. Experten stellten fest, dass kinderlose Frauen und Frauen, die erst ab dem 30. Lebensjahr ihr erstes Kind bekommen, häufiger an Brustkrebs erkranken.
2. Wie sieht die Diagnose aus?
Bei Risikogruppen oder dem begründeten Verdacht eines Brusttumors stehen mehrere Untersuchungen zur Verfügung: die Mammographie (Röntgenkontrolle), Ultraschall (Sonographie), die Stanz-Biopsie – bei der der Arzt Gewebe entnimmt und mikroskopisch auf Krebszellen untersucht - sowie die Magnetresonanzgraphie (MRT), die häufig erst bei einem stark erhöhten Brustkrebsrisiko zum Einsatz kommt. Ebenso verhelfen Knochenszintigraphien und die Entnahme der Lymphknoten aus der Achselgegend zu einer detaillierten Abklärung. Zusätzlich geben genaue Untersuchungen des Blutes sowie des Hormonstatus und der Hormonrezeptoren Aufschluss über eine Erkrankung.
3. Ist jeder Tumor in der Brust gleich?
Ärzte unterteilen Brusttumore je nach Schwere der Erkrankung in verschiedene Stadien ein: von Stadium I bis IV. Aus ihnen leiten Mediziner die jeweilige Behandlung ab. Sehr frühe Stadien werden auch in Carcinoma in situ des Milchganges und lobuläres Carcinoma in situ unterteilt. Dieser Tumor liegt im Milchgang oder einer Milchdrüse und hat sich noch nicht auf das umgebene Fettgewebe ausgebreitet. Das lobuläre Carcinoma in situ zählt im eigentlichen Sinne nicht zu den Brusttumoren, es gibt lediglich einen Hinweis bzw. zeigt eine erhöhte Wahrscheinlichkeit an, dass sich in den nächsten 25 Jahren ein Tumor bilden könnte. Zum Stadium I zählen Tumore im Frühstadium mit einer Größe von circa zwei Zentimetern, die noch nicht außerhalb der Brust gestreut haben. Bei Stadium II misst der Tumor ebenfalls zwei Zentimeter, hat aber bereits in die Lymphknoten gestreut. Hierzu zählen auch Tumore mit einem Durchmesser zwischen zwei bis fünf Zentimetern, die sich noch nicht in die Lymphknoten ausgebreitet haben. Bei Stadium III unterscheiden Experten wiederum zwei unterschiedliche Stadientypen, die sich dadurch charakterisieren, dass der Tumor circa fünf Zentimeter misst und in die Lymphknoten gestreut hat (Stadium III-A) sowie Tumore, die in das Brust umgebende Gewebe (Haut, Rand des Brustkorbs, Rippen und Muskeln) sowie innerhalb des Brustkorbes gestreut haben (Stadium III-B). Im Stadium IV treten in anderen Organen, wie Knochen, Lunge, Leber, Haut und Halslymphknoten oder Gehirn, eine hohe Anzahl an Metastasen auf.
4. Muss die betroffene Brust in jedem Fall amputiert werden?
Nein. Früher galt die so genannte radikale Brustentfernung (auch radikale Masektomie), bei der Ärzte auch Brustmuskulatur und alle Lymphknoten in der Achselgegend entfernten, als Standard in der Krebstherapie. Heute führen Ärzte bei circa 20 bis 30 Prozent aller Fälle noch radikale Amputationen durch, häufig ab Stadium III-Tumoren. Das ist jedoch nicht immer nötig, Frauen sollten sich immer sehr gut im Freundeskreis, Selbsthilfegruppen und Verbänden informieren sowie eine zweite ärztliche Meinung einholen. In einem frühen Stadium besteht die konservative Krebstherapie aus systemischer Chemo-, Hormon- sowie Strahlentherapie und in den meisten Fällen aus einer brusterhaltenden OP. Hier wird nur der Tumor mit einem Rand gesunden Gewebes entfernt. Als schonende und brusterhaltende Therapie steht Patientinnen ebenfalls die regionale Chemotherapie zur Verfügung. Hier werden die Zellgifte direkt in den Tumor und in die tumorumgebende Region gegeben, um den Tumor zu verkleinern und ihn anschließend chirurgisch zu entfernen.
5. Treten bei Brustkrebs immer Rückfälle auf?
Brusttumore, die nach der erfolgreich durchgeführten Therapie erneut auftreten, bezeichnet man auch als Rezidive. Sie kommen häufiger vor, wenn bereits eine weit fortgeschrittene Erkrankung wie bei Stadium II, III oder IV vorlag. Rezidive treten verstärkt während der ersten zwei Jahren nach der Brustkrebstherapie auf, es können sich aber auch nach zehn oder zwanzig Jahren neue Tumore bilden.








