(openPR) Oberursel, April 2014 – Bisphosphonate sind zur Behandlung von Osteoporose und in der Krebstherapie bei Patienten mit Knochenmetastasen kaum wegzudenken. Zahnärzte sollten jedoch frühzeitig erfahren, wenn ihre Patienten mit diesem Medikament behandelt werden.
Bisphosphonate (BP) sind Medikamente, die den Knochenabbau hemmen und dadurch die Knochenstruktur und -festigkeit erhalten. Sie werden bei der Behandlung von Osteoporose und in der Krebstherapie bei Patienten mit Knochenmetastasen eingesetzt. Im Falle der Osteoporose können Bisphosphonate innerhalb eines dreijährigen Behandlungszeitraums zu einer deutlichen Verbesserung und einem Rückgang der Knochenbruchgefahr vor allem im Wirbelbereich führen. Bei Knochentumoren können Bisphosponate die Lebensdauer der gebildeten Osteoklasten verkürzen und dem Knochenabbau entgegen wirken. BP werden sowohl oral in Form von Tabletten als auch intravenös verabreicht. Generell gelten sie als sicher. Allerdings können in Einzelfällen in Kombination mit zahnärztlichen Behandlungen Komplikationen auftreten. Dann nämlich, wenn eine Bisphosphonat assoziierte Kiefernekrose vorliegt. "Insofern ist es sehr wichtig, dass der Zahnarzt vorab über eine BP-Therapie seines Patienten informiert ist und ihn währenddessen engmaschig betreut", sagte Majke Hermann, Zahnärztin in der Praxis Schöner Mund in Oberursel.
"Geschieht dies nicht und eine Bisphosphonat assoziierte Kiefernekrose liegt bereits vor, dann muss der entzündete Kieferknochen entfernt werden, was in besonders schweren Fällen auch ganze Abschnitte des Kiefers betreffen kann", weiß die Ärztin, die in ihrer Praxis im Taunus den Behandlungsschwerpunkt Chirurgie abdeckt.
Kiefernekrosen wurden bereits im 19. und 20 Jahrhundert bei Arbeitern festgestellt, die mit der Herstellung von Zündholzköpfen betraut waren und dabei über lange Zeiträume Dämpfe von weißem und gelbem Phosphor einatmeten. In heutiger Zeit treten die Erkrankungen in den meisten Fällen mit der intravenösen Verabreichung von Amino-Bisphosphonaten auf. Doch gibt es eine Anzahl von Co-Faktoren für die Entstehung. So wird die Kombination von BP mit enossaler Infektion, Keimbesiedlung (dentogene Infektionen), Weichteil- und Knochenwunden (Druckstelle, bei Extraktion oder einem chirurgischen Eingriff), Kopf-Hals-Strahlentherapie, Knochendestruktion durch enossale Metastasen, systemische Chemotherapie, immunsuppressive Therapie und/oder Cortison-Langzeittherapie in verschiedenen Konstellationen mit einem sehr unterschiedlichen Risiko für eine Bisphosphonate-assoziierte Knochennekrosen (BONJ) gewertet.
Zahnärztliche Kontrolle vor und während der BP-Therapie notwendig
Bei dieser Aufzählung wird deutlich, dass vor einer Therapie mit Bisphosphonat eine zahnärztliche Kontrolle auf mögliche Faktoren und ein engmaschiger Recall alle drei bis sechs Monate, gegebenenfalls mit Unterfütterung vorhandener Prothesen während der Therapie notwendig ist.
So sollte vor der Therapie die Mundhygiene optimiert, vorhandene Prothesendruckstellen und entzündliche Prozesse im Mund entfernt werden. Dies gilt ebenso für Knochenkanten, welche durch mechanische Belastung nekrotisch werden könnten. Wenn operative Eingriffe in der Therapiephase notwendig sind, sollten diese ohne lange Wartezeit durchgeführt werden. Zusätzlich bedarf es einer Deckung des Defektes (z.B. Extraktionsalveole) und einer antibiotischen Abdeckung schon drei Tage im Vorfeld bis mindestens zur Nahtentfernung nach frühestens zehn Tagen postoperativ. Da die BP für einen langen Zeitraum im Kieferknochen eingelagert werden, ist ein Absetzen für den operativen Eingriff von keinem positiven Effekt begleitet. "Grundsätzlich gilt es, bei jedem Patient der BP-Typ ist, die Dosis, Darreichungsform, Grunderkrankung, Begleitmedikation, weitere Therapien und der Zahnstatus für die Beurteilung und auch für die Zahnersatzplanung mit einzubeziehen", so Herrmann. Solange Alternativen für eine suffiziente Versorgung bestehen, sollte derzeit vor allem bei intravenöser BP-Therapie von Implantaten Abstand genommen werden. Grundsätzlich ist die Prävention extrem wichtig. Ebenso eine Zusammenarbeit im Vorfeld zwischen Bisphosphonat-verschreibenden Ärzten und Zahnärzten.











