(openPR) Der deutsche Weinfachhandel steht seit Jahren unter einem stetig steigenden Druck. Durch das Internet sind die Preise im Markt transparenter geworden, so dass die Kalkulationsbasis für die Produkte angegriffen ist. Gleichzeitig rüsten Discounter und auch die gehobenen Betriebe des LEH ihre Weinabteilungen auf und verkaufen immer mehr Weine in Preissegmenten, die vorher dem Fachhandel vorbehalten waren. Umso wichtiger ist es für die Wein-Fachhandelsbetriebe, dass die anhaltende allgemeine Konsumfreudigkeit der deutschen Verbraucher auch in ihrem Segment positive Effekte zeigt.
In seiner jährlich durchgeführten Befragung konnte das auf den Weinmarkt spezialisierte Beratungsunternehmen macrom Marketingresearch & Consult feststellen, dass bei fast der Hälfte (46%) der Fachhandelsbetriebe im Jahr 2013 mehr Umsatz als im Vorjahr erwirtschaftet werden konnte. Somit konnte der positive Trend aus dem Jahr 2012, in dem 37% der Betriebe eine verbesserte Umsatzsituation verbuchen konnten, noch einmal gesteigert werden. Weitere 46% der Betriebe konnten ihre Umsätze im Jahr 2013 zumindest stabilisieren.
Neben der anhaltend guten Konsumstimmung der Weintrinker profitieren die Anbieter auch von einer Konsolidierung auf der Angebotsebene, da in den letzten Jahren eine Reihe von Fachhändlern aus dem Markt ausgeschieden ist. Das freigewordene Umsatzpotential hat sich überwiegend auf die weiterhin aktiven Weinhandlungen verteilt.
Der Weinfachhandel hat durch das stark angewachsene Internetangebot bei Wein und das qualitative Up-Trading des Lebensmitteleinzelhandels eine deutliche Veränderung der Rahmenbedingungen erfahren. Gerade die für den Fachhandel wichtige Zielgruppe der Weinkenner informiert sich Online über Produkte und Preise. Für den Fachhändler stellt sich somit das Problem, dass viele seiner Weine im Rahmen dieses virtuellen Marktplatzes von einem anderen Händler günstiger angeboten werden. Zusätzlich finden sich bei Discountern und auch bei dem Typus des fachhandelsnahen Lebensmitteleinzelhandels, der Sortimente und Beratung analog zum guten traditionellen Weinhandel anbietet, aufgrund der Einkaufsmacht viele Weine mit sehr gutem Preis-Leistungsverhältnis.
Die Analyse zeigt, dass sich in den letzten Jahren die größeren Weinfachhändler und hier besonders die Gruppe der Unternehmen mit mehr als einer Million Euro Jahresumsatz besser auf das neue Marktumfeld einstellen konnte, da in dieser Gruppe die Umsatzsteigerungen überproportional waren. Die Großbetriebe profitieren zum einen von den aufgrund ihres Absatzvolumens besseren Einkaufsbedingungen. Zum anderen sind sie auch stärker bei Direktimporten von Weinen aus dem Ausland tätig, und verfügen somit über Produkte die weniger in der Vergleichbarkeit stehen. Darüber hinaus verfügen die größeren Unternehmen über größere Budgets für ein aktives Marketing, und können so die Kundenpotentiale im Umfeld leichter aktivieren.
Unabhängig von der Betriebsgröße zeigt sich, dass vor allem Weinfachhändler besonders erfolgreich waren, die durch Aktionen und Events die Attraktivität ihres Ladenlokals gesteigert haben. Durch solche Maßnahmen ist es möglich, vertiefte und damit stabilere Beziehungen zu den Kunden aufzubauen.
Auf der Produktebene hat sich der Trend zu Weinen aus Europa weiter fortgesetzt. Besonders hoch im Kurs liegen bei Weißweinen Deutschland und bei Rotweinen Spanien. Aber auch Weine aus den südlichen Anbaugebieten Italiens und Frankreichs zeigen weiter einen hohen Trendfaktor. Eine schwierige Situation erleben hingegen besonders die Weine aus den großen New-World-Ländern USA und Australien, die wie in den vergangenen Jahren stark von Auslistungen betroffen waren. Lediglich Südafrika weist in diesem Segment eine gute Positionierung auf.
Bei den weißen Rebsorten liegen aufgrund der hohen Nachfrage nach deutschen Weinen Riesling und zunehmend auch Grau- und Weißburgunder im Trend. Bei Rotweinen ist die Nachfrage nach Merlot, Cabernet Sauvignon und zunehmend auch Spätburgunder hoch.
Im Rahmen der Analyse wurden in diesem Jahr auch die Effekte des Internets auf den Weinfachhandel analysiert. 70% der Betriebe geben an, dass das Internet zu Veränderungen in ihrem Geschäftsbetrieb geführt hat. Zwei Drittel der Effekte des Internets werden dabei von den Fachhändlern als negativ für ihr Unternehmen eingestuft. An vorderster Stelle steht hier die gestiegene Preistransparenz im Markt, die die bisher etablierten Kalkulationsmodelle der Händler angegriffen hat. Auf der gleichen Ebene liegt die Einschätzung der Händler, dass durch die Online-Angebote die Konkurrenz zugenommen hat, weil es heute keine abgrenzbaren Marktgebiete mehr gibt. Die Fachhändler beklagen weiterhin, dass sich Konsumenten, wie auch in anderen Bereichen des stationären Handels, lediglich beraten lassen, um anschließend Online bei anderen Anbietern zu bestellen.
Bezüglich der Reaktion auf die Auswirkungen des Internets lassen sich klar zwei Typen von Unternehmen unterscheiden. Nahezu 40% der Befragten verhalten sich passiv und verfolgen weiter das bisherige Geschäftsmodell. Die überwiegende Zahl der Fachhändler hat sich hingegen auf das Internet eingestellt und entsprechende Maßnahmen entwickelt. 41% der befragten Unternehmen sind mittlerweile selbst als Online-Anbieter aktiv und versuchen so, den Kanal für eine Vergrößerung ihrer Absatzpotentiale zu nutzen. 14% der Fachhändler nutzen den Kanal für Werbezwecke. Ein Fünftel der Händler setzt auf verstärkte Service-Komponenten und Events.











