(openPR) Rückruf des Porsche 911 GT3 wegen Motorbränden: Prüfexperte Dipl. Ing. Thomas Köhler sieht zunehmenden Bedarf an funktionsorientierten Prüfungen bei ausfallkritischen Automotive-Komponenten:
„Als Brandursache wird das Reißen eines Pleuels vermutet. Diese Verbindung zwischen Kolben und Kurbelwelle ist bei Sportwagen, wie den beiden ausgebrannten Modellen 911 GT3, besonders hohen thermischen Belastungen ausgesetzt: Die Vermutung liegt nahe, dass das sicherheitsrelevante Bauteil bereits während seiner Produktion nicht ausreichend auf seine Funktionalität unter extremen Bedingungen geprüft wurde: Denn die klassischen, von den meisten Automobilzulieferern angewandten Rissprüfverfahren etwa sind nicht in der Lage, nach Kriterien wie Funktionsrelevanz und Schadenstärke zu testen.
Vor dem Hintergrund steigender Anforderungen an Automotive-Bauteile (kleiner, leichter, günstiger) und gleichzeitig höheren Belastungen (Temperaturentwicklung, Fahrgeschwindigkeit) wird aber gerade dieses Kriterium für die Gewährleistung der Fahrzeugsicherheit immer wichtiger. Die gängigen Prüfverfahren zur Qualitätssicherung jedoch halten mit der Geschwindigkeit, in denen besonders auch ausfallkritische Teile immer komplexer und variantenreicher werden, nicht mit. Ich bin mir sicher, dass Rückrufaktionen wegen Bauteildefekten wie dereinst bei Toyota und jüngst bei Porsche weiter zunehmen, solange Komponentenhersteller ihre internen Prüfsysteme nicht auf die heute technologisch möglichen Produkteigenschaften upgraden.
Benchmark muss eine vollautomatisch in den Produktionsprozess integrierte, strukturelle Bauteilprüfung sein, die belastbare Aussagen über Schadenstärke und Funktionsbeeinträchtigung treffen kann. Die Frage für den Automobilhersteller im aktuellen, konkreten Fall sollte demnach lauten: „Schneller, heißer, anfälliger – halten meine Bauteile das auch aus?“ Für den betroffenen Zulieferer gilt entsprechend: „Schneller, heißer, anfälliger – testet mein Prüfverfahren meine Produkte auch zuverlässig auf diese Anforderungen?“
Ganz ungeachtet dessen, was nun wirklich die Ursache für die Porsche-Brände war, eines steht fest: Qualitätshersteller verkaufen nicht nur Autos, sondern auch das Vertrauen in deren Sicherheit. Und Zulieferer nicht nur Komponenten, sondern auch das Vertrauen in deren Funktion. Mit jedem Sicherheitsproblem und jeder Rückrufaktion rückt das Thema Prüfsicherheit und -qualität stärker und nachhaltiger in den Fokus der Automobilindustrie: Es ist höchste Zeit, der eigentlichen Ursache (mangelndes Prüfverfahren) für die augenscheinliche Ursache (verbautes Mängelteil) auf den Grund zu gehen.“












