(openPR) Sie sind nur wenige Zentimeter dick und tragen doch eine große Last: unsere Bandscheiben. Mit ihrem gallertigen Kern und harten Faserring liegen die 23 Platten wie kleine Stoßdämpfer zwischen den Wirbelkörpern. Ihre Aufgabe ist es, Druck gleichmäßig auf die Wirbelsäule zu verteilen und zu verhindern, dass die Knochen aneinander scheuern. Hakt das System, schmerzt der Rücken - im schlimmsten Fall kommt es zu einem Bandscheibenvorfall.
„Mit zunehmendem Alter, bei Fehlhaltungen, schwerer körperlicher Arbeit oder Übergewicht werden die Bandscheiben weniger elastisch“, sagt Orthopädin Ulrike Laupichler. Sie leitet das Wirbelsäulenzentrum Oberpfalz an der Asklepios Klinik Lindenlohe und kennt die verschiedenen Arten von Bandscheibenproblemen. „Weil sie über die Jahre immer weniger Flüssigkeit speichern, trocknen die Bandscheiben ein und der Faserring um sie herum wird spröde und rissig.“ Bei entsprechender Belastung drückt der weiche Kern dann so gegen den Faserring, dass dieser über seine normale Position herausspringt. Bleibt er geschlossen, spricht man von einer Vorwölbung; reißt er aber ein und der weiche Kern tritt aus, entsteht ein Bandscheibenvorfall. Die verschiedenen Abschnitte der Wirbelsäule sind dabei unterschiedlich anfällig. „In circa 90 Prozent der Fälle tritt ein Bandscheibenvorfall im Bereich der Lendenwirbelsäule oder am Übergang zwischen Lenden- und Brustwirbelsäule auf; an der Halswirbelsäule kommt er nur bei ungefähr zehn Prozent der Patienten vor“, weiß Laupichler.
Warnsignale wahrnehmen
So wie die betroffenen Stellen variieren auch die Symptome. Sie reichen von Rückenbeschwerden über Schmerzen in den Armen oder Beinen bis zu Taubheitsgefühlen oder Kribbeln in den Gliedmaßen. Auch die Schmerzstärke ist nicht bei jedem Patienten gleich. Ein starkes Ziehen im Rücken kann genauso gut ein Warnzeichen für einen Bandscheibenvorfall sein wie ein heftiger, stechender Schmerz. Dann drückt der ausgetretene Kern auf einen Nerv. „Kommen dazu noch Lähmungserscheinungen, sollte der Betroffene schnellstmöglich einen Arzt aufsuchen“, rät Laupichler. Der könne durch gründliche Untersuchungen und mit Hilfe einer Magnetresonanztomographie, kurz MRT, die richtige Stelle und den Schweregrad feststellen. Danach gilt es, die passende Therapie zu finden.
OP als letzte Lösung
„Bei einem Bandscheibenvorfall denken viele gleich an eine Operation. Das muss aber oft nicht sein“, so die Spezialistin. „Gerade bei frischen oder leichten Krankheitsbildern erzielt man mit einer konservativen Behandlung durch schmerz- und entzündungshemmende Medikamente oft in Kombination mit Physiotherapie gute Erfolge.“ Auch ein gezieltes Training der Rückenmuskulatur könne helfen, die Beschwerden zu lindern. Erst wenn eine intensive konservative Therapie keinen Erfolg erzielt hat, oder der Bandscheibenvorfall die Nervenfasern abdrückt und gefährdet, ist eine Operation unumgänglich.
Den Spezialisten am Wirbelsäulenzentrum Oberpfalz stehen dabei verschiedene Behandlungsansätze zur Verfügung, wie die Expertin erklärt: „In vielen Fällen operieren wir mikrochirurgisch oder endoskopisch, also mit Hilfe eines Operationsmikroskops oder einer Kamera, um den vorgefallen Teil des Kerns sowie Stücke des Faserrings zu entfernen und so den Nerv zu entlasten.“ Eine andere Möglichkeit sei zum Beispiel die Bandscheibe durch eine bewegungserhaltende Prothese zu ersetzen. Welche Methode die beste für den jeweiligen Patienten ist, wird aber erst nach gründlich Voruntersuchungen und Gesprächen mit dem Betroffenen entschieden.
Nach einer erfolgreichen Operation liegt es dann am Patienten, aktiv zu werden. Verschiedene Sportarten oder spezielle Rückenschulen helfen, stützende Muskulatur aufzubauen und die Beweglichkeit zu fördern. Denn nur mit einem starken Rücken werden die Bandscheiben langfristig entlastet.





