(openPR) Nach neun Jahren Klinikaufenthalt findet ein Mädchen endlich eine Pflegefamilie
Papenburg (KHe/GeH) – Durch die Vermittlungshilfe des Bun-desverbandes behinderter Pflegekinder konnte die neunjährige Julia endlich aus der Langzeitstation eines Klinikums in die Ob-hut einer Pflegefamilie entlassen werden. Bis zu diesem Zeit-punkt gab es für sie weder eine Mama noch Verabredungen mit Gleichaltrigen.
Julia* wurde im Jahr 2004 mit dem seltenen Undine-Syndrom geboren und hat dadurch keinen natürlichen Atemreflex. Die leiblichen Eltern konnten ihre kleine Tochter nicht selbst versor-gen und wünschten sich für Julia sehr früh eine Adoptiv- oder Pflegefamilie. Mehrere Vermittlungsversuche scheiterten. Das nur wenige Monate alte Mädchen wurde vorläufig in einer Klinik untergebracht, um die Eltern zu entlasten. Von hier aus sollten sich zeitnah Pflegeeltern für Julia finden.
Doch durch unterschiedliche Kostenträger (Krankenkasse und Sozialamt) wurde die Akte Julia von Ort zu Ort gereicht und von Zuständigkeit zu Zuständigkeit gegeben. Das Jugendamt vor Ort war zu keinem Zeitpunkt involviert, da die Eltern selbst Inhaber der elterlichen Sorge waren. So geriet das Vermittlungsvorha-ben in den Hintergrund, und der Klinikalltag wurde für Julia im-mer selbstverständlicher.
Mit ihrer Einschulung griff ein Sozialarbeiter des Sozialamts den Vermittlungsauftrag erneut auf. Zunächst wurde die Hoffnung getragen, dass jemand von Klinikpersonal das Kind bei sich auf-nimmt. Anschluss und Beständigkeit waren hier die letzte Hoff-nung für Julia, um sie nicht in eine ganz fremde Welt entlassen zu müssen. Julias Zuhause war nach so vielen Jahren eine Kli-nik, und alle Menschen, die sich um sie kümmerten, trugen weiß. Die Bemühung, das Mädchen an eine ihr vertraute Person zu vermitteln, scheiterte jedoch.
Im Frühjahr 2013 wurde dann der Bundesverband behinderter Pflegekinder um Vermittlungshilfe gebeten. Der Verband erstell-te ein Profil, was Julias Familie so alles mitbringen muss, um ein Kind mit Kanüle in der Luftröhre und Beatmungspflicht versor-gen zu können. Unter seinen registrierten Bewerbern suchte der Bundesverband nach einer Pflegefamilie, die sich vorstellen konnte, Julia ein liebevolles Zuhause zu geben.
Nach weiteren sechs Monaten des Wartens wurde Julias Traum wahr: „Ich wünsche mir, dass einmal eine Mama da ist, wenn ich aus der Schule komme.“ Seit November 2013 steht Julias Be-atmungsgerät jetzt auf einem kleinen Tisch neben dem Sofa ih-rer Pflegefamilie, und sie kann mit dem Hund auf dem Schoß ih-ren Lieblingsfilm sehen.
Als die erste Nacht in Julias neuem Zuhause anbrach und die Nachtschwester des ambulanten Pflegedienstes der Gutenacht-geschichte der Pflegemutter zuhörte, fragte Julia: „Du, Schwes-ter, wann ziehst du dich um?“ Da antwortete die Nachtschwes-ter: „Julia, du bist jetzt in einem Zuhause, da läuft das anders. Da tragen nicht alle weiß.“
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* Zum Schutz des Kindes und aller Beteiligten haben wir den Namen geändert und auf Ortsangaben verzichtet. Der Bundes-verband behinderter Pflegekinder versichert, dass sich diese Geschichte im genannten Zeitraum in Deutschland abgespielt hat.












