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»Poesie einer Ausstellung«

25.11.201312:19 UhrKunst & Kultur

(openPR) Lyrikveranstaltungen zu »UM 20/40« – Arbeiten konkreter Künstlerinnen aus Deutschland und den Niederlanden

Wer sind die Dichtungsfans?

Berlin. Leipzig. Hildesheim: Hier steppt der literarische Bär, das sind die Zentren der angesagten neuen Literatur. Sagt man. Und was sagt Frankfurt? Die Lyriker/innen Sandra Klose (*1994), Julia Mantel (*1974), Marcus Roloff (*1973) und Martin Piekar (*1990) machen sich gemeinsam mit Jannis Plastargias (*1975) auf den Weg, die Lyrik in Frankfurt neu zu verorten und Frischluft ins angestaubte Metapherngekräusel zu bringen.



Lyrik – das Stiefkind des Betriebs – soll populärer gemacht werden. Hemmschwellen sollen abgebaut, das der Lyrik anhaftende Image des Drögen konterkariert werden. Das Schicksal der Lyrik scheint besiegelt. Die auf „Verstehen“ getrimmten Schulstunden, in denen das Gedicht als Abfragethema missbraucht, nicht aber als Ort augenblicklicher (Sprach-) Schönheit anerkannt wurde, kennen wir alle. Und dabei ahnen wir, dass Gedichte hochkomplexe, verwegene und die Welt aus den Angeln hebende Sprachgebilde sein können. Wir wollen (und können) ihr das Verkopfte nicht nehmen, wollen aber das Gefühl im Gespräch über sie zu seinem Recht kommen lassen. Der subjektive Blick ist entscheidend.

Im Blauen Haus kam es im Oktober zur ersten größeren öffentlichen Veranstaltung, in der die Dichtungsfans es mit dem Format Undercover. Frankfurter Autoren und ihre Lieblingsgedichte schafften, Expert*innen und Laien der Dichtkunst in eine anregende Diskussion miteinander zu verwickeln. Das Spannende war hierbei nicht nur, dass sich das Publikum traute, seine eigene Meinung über die vorgetragenen Gedichte kundzutun, sondern dies auch mit großer Freude passierte.

Im November trafen sich dann die Dichtungsfans im ausstellungsraum EULENGASSE mit weiteren Interessierten zu einer Lyrikwerkstatt und diskutierten über das Dichten: SCHREIBEN KANN JEDE/R, MUSS ABER DURCHS LEKTORAT. Arbeit am Gedanken. Das heißt, es gibt Standards: Stimmen die Bilder? Welche Logik steckt im anything goes? Ahme ich Benn nach? Rilke? Hölderlin? Ist meine Sprache überhaupt meine? Gilt der Flow dem Gedanken oder dem Sound, den bestimmte Wörter haben? Klingt mein Gedicht vielleicht nur? Wie denke ich? Welche Form hat mein Denken?
Besonderer Schwerpunkt auf Kunst und Herkunft/ Kindheit. Herangehensweisen: wie entsteht es, das Gedicht? Wovon geht man aus? Was man sieht? Oder was man fühlt?
Wie sieht es mit der Frage aus, wie sich eine bestimmte Herkunft in den geschriebenen Texten abbildet. Tut sie es überhaupt? Inwiefern spielen Sozialisation, Erfahrungen, Erlebnisse eine Rolle in den Texten von Dichter/innen?

Der Kreis der Dichtungsfans ist durch die spannende Lyrikwerkstatt in der EULENGASSE weiter angewachsen: Almut Aue, Alexandru Bulusz, Timon Seibel, Sophie von Maltzahn sind die neuen Namen, die neben Julien Veh, Adelheid Seim und Johannes Kniott (eher Leser*innen als Verfasser*innen) an diesem Prozess teilnehmen.
Gemeinsam wurde beschlossen, noch vor dem 16.12., eine gemeinsame Lesung durchzuführen, um Timon Seibel zu verabschieden, der für längere Zeit nach Kambodscha fliegt (und danach virtuell mit den Dichtungsfans an weiteren Projekten arbeitet).

Jannis Plastargias konzipierte gemeinsam mit Harald Etzemüller vom Kunstverein EULENGASSE nun folgende Veranstaltung:

»Poesie einer Ausstellung«
Do. 05.12.2013 17.00 - 21.00 Uhr: PRAKTISCHE Lyrikwerkstatt
Do. 12.12.2013 ab 19.30 Uhr: POETISCHE Lyrikpräsentation
beides im Ausstellungsraum EULENGASSE, Seckbacher Landstraße 16, 60389 Frankfurt-Bornheim.

Bezug:
Ausstellung »UM 20 / 40« – Arbeiten konkreter Künstlerinnen aus Deutschland und den Niederlanden
siehe: http://www.eulengasse.de

Bei der ersten Lyrikwerkstatt erzählte der Lyriker Marcus Roloff davon, dass er gerne von Kunstwerken inspiriert werde, Rijneke Dijkstra nannte er genauso wie seine Arbeit bei der Staatlichen Kunsthalle in Karlsruhe. Martin Piekar erzählte kurz von seinem Gedicht, das er in Anlehnung an ein Werk im MMK geschrieben hat.
Hier nun soll es darum gehen, die Werke der ausgestellten Künstlerinnen in der EULENGASSE als Ausgangspunkt zu nehmen, Gedichte zu verfassen.
Der 5.12. ist so gedacht: Die Dichtungsfans treffen sich in der Eulengasse zum genaueren Betrachten der Werke und zum SCHREIBEN. Also alles ganz produktionsorientiert. Dabei wird vor allem Lyrik geschrieben, aber wer einen kleinen Essay, einen Stimmungsbericht oder auch eine kleine Geschichte schreiben möchte, kann dies natürlich genauso tun.
Zwei leitende Themenstellungen, an denen man sich entlang hangeln kann, sollten in den Blickpunkt genommen werden:
a) Beschäftigung mit den Werken - Was ist konkrete Kunst? Lässt sie sich auch in Worten abbilden? Werden wir uns in der konkreten Poesie bewegen? Was sagen die Werke aus? Wie kann ich sie in Worte fassen?
b) Beschäftigung mit der Geschlechtlichkeit in Gedichten - hat das lyrische Ich ein Geschlecht? Hat das überhaupt eine Bedeutung? Schreiben Lyrikerinnen anders als Lyriker? Ist dieses Mann/Frau-Ding nicht vielleicht ein überholtes Konzept? (Hintergrund ist ja, dass es im Titel der Ausstellung heißt "Die Zukunft heißt Frau".
Im besten Fall versuchen sich jeweils mehrere Dichter*innen an einem Werk der Ausstellung, zum Beispiel drei.
Was soll nun am 12.12. geschehen?
Die Dichtungsfans simulieren eine Führung, wie sie ja in Museen und Ausstellungshallen üblich sind. Einer ist der Kunstführer (Jannis Plastargias), die anderen das Publikum. Aber es gibt noch mehr Akteure: die drei Dichter*innen, die über das Werk geschrieben haben, vor dem die Gäste stehen werden. Jede*r liest sein Ergebnis vor. Und dann folgt eine Diskussion mit dem Publikum. Welches Gedicht entspricht der eigenen spontanen Sichtweise am ehesten und warum? Welche Sprachbilder findet das Publikum. Und dann wird noch über die zwei anleitenden Themenstellungen diskutiert.
Danach stellt man sich vor die anderen Werke und macht das gleiche.

„Konkrete Kunst ist in ihrer letzten Konsequenz der reine Ausdruck von harmonischem Maß und Gesetz. Sie ordnet Systeme und gibt mit künstlerischen Mitteln diesen Ordnung das Leben.“ (Max Bill)
Anfang der 1950er Jahre begründete Eugen Gomringer, ein Experte für konkrete Kunst, die "konkrete Poesie". Die Aussage sollte unmittelbar aus dem sprachlichem Material und losgelöst aus syntaktischen Zusammenhängen gestaltet werden. Man unterscheidet die visuelle Poesie (z. B. Reinhard Döhls Apfelgedicht) von der phonetischen Poesie (z. B. die akustischen Sprechgedichte Ernst Jandls).
Die Frage, die die Dichtungsfans nun beschäftigt: Wie geht man an die konkreten Werke der konkreten Künstlerinnen in dieser Ausstellung heran? Im Frankfurter Raum gibt es nur eine Dichterin, nämlich Safiye Can, die konkrete Poesie (insbesondere visuelle Poesie) verfasst.
Wird man durch die Werke, durch die man sich inspirieren lässt, automatisch zur konkreten Poesie kommen – oder wird man seinen eigenen Stil, seinen eigenen Ton finden? Wie lassen sich die Flächen, Linien und geometrischen Figuren, die Farbe in Worte fassen? Farben sibd keine Worte, das darf man nie vergessen.
„Mir scheint, die Konkrete Poesie unterscheidet sich von traditioneller Poesie vor allem durch ihre hohe Dialogizität. Konkrete Poesie stellt immer Dialoge her, allein schon von der Struktur her – erst kürzlich habe ich in einem Artikel noch einmal darauf hingewiesen.“ Das sagte eins Eugen Gomringer. Werden die Dichtungsfans trotzdem Gedichte schaffen, die dialogisch sind? Werden sie es erneut schaffen, einen wahren Dialog mit den Besucher*innen der Veranstaltung am 12.12. zu führen?

Alle Interessierten sind eingeladen, am 5.12. (17.00 – 21.00 Uhr), und am 12.12. (ab 19.30 Uhr), teilzunehmen, egal ob man Leser*in oder Dichter*in ist – Hauptsache, man begreift sich als Dichtungsfan und möchte an diesem Prozess teilnehmen.

Do. 05.12.2013 17.00 - 21.00 Uhr: PRAKTISCHE Lyrikwerkstatt
Do. 12.12.2013 ab 19.30 Uhr: POETISCHE Lyrikpräsentation

Ort: Ausstellungsraum und Atelierhaus EULENGASSE, Seckbacher Landstraße 16, Frankfurt-Bornheim
Verkehrsverbindungen: U4 Seckbacher Landstraße, Bus 38, Bus 43
ÖFFNUNGSZEITEN: Do 17-21 Uhr · Fr 15-18 Uhr · So 15-19 Uhr u.n.V. (Tel: 069. 56005910)
www.eulengasse.de

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