(openPR) Eine Ausstellung von Thomas Klingberg, die Fotografien eines durch Bürger organisierten Kulturfestes zeigte, stieß auch außerhalb der Stadt Gelsenkirchen auf reges Interesse. Aber nicht alleine der Fotos wegen. Das Engagement der Gelsenkirchener Huseyin Erdogan und Erdinc Nas, die gemeinsam mit vielen Mitstreitern ein mehrtägiges multikulturelles Happening selbst organisiert auf die Beine gestellt haben, erhält große Respektbekundungen. Es ist der Wunsch des Teams gewachsen, die Ausstellung auf die Reise zu schicken und Organisationen, Verbänden oder Gemeinden außerhalb Gelsenkirchens im Rahmen von Infoveranstaltungen oder Diskussionsrunden an ihren Erfahrungen teilhaben zu lassen.
Freitagmorgen in einem italienischen Café in Gelsenkirchen-Horst. Die Initiatoren der Fotoausstellung 'Wir in Horst' treffen sich zur Nachbesprechung. Huseyin Erdogan vom Organisationsteam bestellt ein Frühstück. Die Kellnerin ruft in Richtung Theke: „ein türkisches Frühstück an Tisch 8“. Erdogan muss nicht erwähnen, dass seine Religion ihm gebietet, bestimmte Lebensmittel nicht zu essen. Man kennt sich inzwischen gut. Und das hat einen Grund. Vor zwei Jahren hat zum ersten Mal das Stadtteil- und Kulturfest „Wir in Horst“ stattgefunden. Ein privates, selbst organisiertes Bürgerfest. Während der drei Festtage präsentierten auf einer großen Hauptbühne sowie in Ausstellungszelten auf dem Marktplatz des bunten Stadtteils Horst in Gelsenkirchen unzählige Kulturvereine, Künstler, Jugendgruppen, Schulen, Kindergärten, soziale Einrichtungen und Bürger landesspezifische Traditionen wie Tanz, Gesang, Handwerk, Kulinarisches und Kunst. Einige Zehntausend Besucher erlebten an drei Tagen ein fröhliches und informatives Fest. Im vergangenen Sommer gab es eine Wiederholungsveranstaltung. Die Zahl der Aussteller und Besucher ist sogar angestiegen.
„Wir haben Menschen aus allen Kulturkreisen die Möglichkeit gegeben, sich in unserem Stadtteil zu präsentieren und zudem den entsprechenden Rahmen dafür geboten, sich zu informieren. Unverkrampft und ungezwungen. Das wurde sehr gut angenommen“, sagt Huseyin Erdogan, Initiator und Organisator des Kulturfests. Der Gelsenkirchener Dokumentarfotograf Thomas Klingberg hat das Fest fotografisch begleitet und unterstreicht mit seiner berührenden Serie in 140 Schwarz Weiß Aufnahmen das Resümee Erdogans . „Multikulti hat hier eben nicht auf einer politischen, theoretischen Ebene stattgefunden, sondern war lebendig und greifbar“, erläutert Klingberg einem interessierten Betrachter während der sehr gut besuchten Fotoausstellung am 19. November 2013 im Schloss Horst in Gelsenkirchen.
Auch über die Stadtgrenzen hinaus fand das Engagement der Gelsenkirchener großen Anklang. Der Fotograf Peter Zenker beispielsweise reiste extra aus Berlin an um die Fotoserie zu betrachten. „Klingbergs Fotografien sind eindringlich, direkt und derart unmittelbar, dass ich am Ende der Ausstellung selbst ein Teil des Kulturfestes war“. Der Berliner fügt hinzu: „Das Organisationsteam von 'Wir in Horst' hat solch intensive Aufnahmen durch die Schaffung eines „bunten Marktplatzes der Kulturen“ erst möglich gemacht“.
Der Literaturwissenschaftler und Fotograf Dr. Rainer Strzolka von der Universität Hannover wurde durch die überregionale Presseberichterstattung auf die Ausstellung aufmerksam. „Was die Organisatoren dieses Kulturfestes auf die Füße gestellt gaben, hat regelrecht Vorbildcharakter, weil es zeigt, dass das Nebeneinander von Kulturen zu einem Miteinander werden kann. Thomas Klingbergs Fotografien sind von einem tiefen Humanismus getragen.“
Für den Stadtverordneten und Mitglied des Kulturausschusses der Stadt Gelsenkirchen, Reinhold Adam, ist Klingberg mit seiner Fotoserie ein visueller Botschafter für Toleranz und Menschlichkeit, der die Frucht der Arbeit von Huseyin Erdogan und dem gesamten 'Wir in Horst'-Team bildlich in kunstvoller Weise festhält und vor allem transportierbar gemacht hat. Und so ist auch die Idee entstanden, die Ausstellung „Wir in Horst“ auf die Reise zu schicken, um für ein Miteinander der Kulturen zu werben. Die Initiatoren sind auf der Suche nach Ausstellungsräumen außerhalb Gelsenkirchens, um im Rahmen von Informationsveranstaltungen und Diskussionsrunden interessierten Bürgern und Gemeinden Rede und Antwort zu stehen.
Reinhold Adam zeigte im Rahmen der Ausstellung eine DVD Präsentation mit dem Titel „Horst – Schmelztiegel der Nationen“, die den Zuzug ausländischer Mitbürger nach Horst dokumentierte und auch unverblümt die Problematik von einst darstellte. „Noch in den 60er Jahren fand man Schilder an Türen von Krämerläden und Kneipen, die zugezogenen Menschen den Eintritt verweigerten“, erklärte Adam den Zuschauern. Die Präsentation war dramaturgisch in einer Weise aufgebaut, dass die Entwicklung von totaler Ablehnung bis hin zu einem friedlichen Miteinander abbildete, so etwa bei gemeinsamen Demonstrationen gegen die Schließung von Zechen und sich entwickelnde Freundschaften in den Horster Wohnsiedlungen. Am Ende der Präsentation verwies Adam auf das Kulturfest und sprach von einem Idealzustand friedlichen Beisammenseins von Menschen unterschiedlichster Kulturen, Herkunft, Glaubensgemeinschaften und gesellschaftlichen Schichten. „Auf unsere Gemeinsamkeiten müssen wir uns besinnen, unsere Unterschiedlichkeiten respektieren und Andersartigkeit als einen Gewinn begreifen, nicht als etwas Bedrohliches“.
In Gelsenkirchen-Horst hat man etwas Großartiges geleistet. Aber auch wenn auf Klingbergs Fotografien alles so leicht und selbstverständlich erscheint – im Hintergrund wurde richtig harte Arbeit geleistet. „Die Durchführung des Kulturfestes war kein Selbstgänger“, sagt Erdogan. „Bürokratische Herausforderungen, Selbstdisziplin, organisatorische und menschliche Rückschläge – wir haben all das durchgemacht und Erfahrungen sammeln können, die wir gerne weitergeben möchten“. Am Ende aber hat sich die Mühe gelohnt. „Es sind viele Freundschaften entstanden und vor allem aber ist das Bewusstsein vieler Menschen dahingehend gestiegen, welchen kulturellen Reichtum unser bunter Stadtteil bietet“, so Huseyin Erdogan. Wir möchten auch anderen Stadtteilen und Gemeinden Mut machen, dass es möglich ist, in Eigenregie etwas auf die Beine zu stellen, was Menschen näher zueinander führt, ein Wir-Gefühl schafft. So wie wir in Gelsenkirchen Horst.
Der Fotograf Thomas Klingberg stellt den Ausstellungskatalog „Wir in Horst – das Freundschaftsfest in Bildern“ für Interessierte kostenlos zum Download zur Verfügung unter http://www.thomas-klingberg.de/ausstellungskatalog-wih
Galerien, Gemeinden oder Organisationen, die Interesse daran haben, die Fotografien auszustellen und sich mit den Organisatoren des Kulturfestes auszutauschen, können Ihre Anfrage an die eMail Adresse horst[at]thomas-klingberg.de richten.
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