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Psychoanalyse: In das psychotherapeutische Erstgespräch mit einer offenen Frage einsteigen

06.08.201308:11 UhrWissenschaft, Forschung, Bildung
Bild: Psychoanalyse: In das psychotherapeutische Erstgespräch mit einer offenen Frage einsteigen
Psychoanalyse. Texte zur Sozialforschung, Ausgabe 3/4, 2012
Psychoanalyse. Texte zur Sozialforschung, Ausgabe 3/4, 2012

(openPR) In der Fachliteratur über das psychotherapeutische Erstgespräch wird häufig die Perspektive des Therapeuten beleuchtet, jedoch geht es selten „um die Frage, wie die/der Ratsuchende das Anliegen formuliert“, konstatieren Valérie Boucsein, Hanspeter Mathys und Dragica Stojkovic in ihrem Beitrag zur aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift Psychoanalyse.



Der Artikel „'Was führt Sie zu uns?' - ein Plädoyer für die Erfassung des Anliegens von Ratsuchenden“ fokussiert, genau hinzuschauen, wie sich der Patient beim Erstgespräch verhält und welche Formulierungen er verwendet; denn: „die Herausforderung im Erstgespräch besteht darin, das Anliegen des Ratsuchenden, seine Sichtweise der Problematik möglichst gut zu verstehen“.

„Retrospektive Patientenbefragungen haben gezeigt, dass diejenigen Erstgespräche am besten eingeschätzt wurden, bei denen die Ratsuchenden den Eindruck hatten, die Fachperson hätte etwas von ihrem Anliegen verstanden.“

Als förderlich für eine erfolgreiche gemeinsame Arbeit hat sich ein offener Einstieg gezeigt. Dem Patienten soll die Möglichkeit eingeräumt werden, sein Anliegen adäquat darzustellen, vor allem aber soll nicht der Blick darauf verbaut werden, welche Anstrengungen mit welchem Erfolg bereits unternommen worden sind. Daher bietet sich die Frage an: „Was führt Sie zu uns?“

Schon eine geringfügige Abweichung von der Formulierung, etwa „Erzählen Sie doch mal, (...) was Ihre Probleme sind“ engt durch das Wort 'Problem' den Erwartungshorizont ein und „birgt das Risiko, eine zu problemorientierte Perspektive einzunehmen und den Patienten als kränker einzustufen, als er in Wirklichkeit ist. Zur Einschätzung der Indikation gehört aber auch, sich einen Überblick über die Ressourcen des Patienten zu verschaffen.“

Während der Eröffnungssequenz kommt dem Patienten die komplexe Aufgabe zu, sein Anliegen zu schildern. Nach einer Untersuchung von S. Wilke, die 44 Erstgespräche ausgewertet hat, tauchen dabei folgende fünf Hauptkategorien auf:
- Eine als Etikett bezeichnete Nennung der Symptome, die zum Aufsuchen des Psychotherapeuten geführt haben,
- eine problembezogene Selbstdarstellung, mit der ein Zusammenhang zwischen Lebensumständen und Krankheit hergestellt wird,
- Krisensignal: ein markanter Punkt, an dem der Patient seine Symptome nicht mehr ignorieren kann,
- möglicherweise gefolgt von einer Darstellung der Steigerung der Symptome,
- schließlich ein Kommentar, mit dem die Beweggründe, einen Therapeuten aufzusuchen, genannt werden.

Die Patienten enden ihre Darstellung in der Regel durch Sätze wie „ja, das ist so das Wichtigste“ oder durch ein starkes Seufzen und Zurücklehnen.

Nicht in allen Gesprächen finden sich alle Kategorien; allerdings: „Je mehr inhaltliche Kategorien im ersten Redebeitrag auffindbar sind, desto verständlicher wird das Anliegen des Ratsuchenden.“

Die Vollständigkeit oder das Fehlen einzelner Kategorien gibt dem Therapeuten Hinweise für die Arbeit mit dem Patienten: „Unter Umständen kann ein problematischer Einstieg ausgesprochen aufschlussreich sein. Denkbar ist dies, wenn sich die Problematik des Ratsuchenden in der Schwierigkeit, das eigene Anliegen zu schildern, verdichtet im Beziehungsgeschehen zeigt.“ M.W.

>> Valérie Boucsein, Hanspeter Mathys & Dragica Stojkovic. „Was führt Sie zu uns?“ - Ein Plädoyer für die Erfassung des Anliegens von Ratsuchenden. In: Oliver Decker (Hrsg.), Psychoanalyse. Texte zur Sozialforschung, Ausgabe 3/4, 2012, Pabst, ISSN 1615-8393.

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