(openPR) Stadt Torgau zeichnet Sonja Brogiato, Sprecherin des Flüchtlingsrates Leipzig e.V. mit dem Katharina-von-Bora-Preis aus
Torgau, 29. Juni 2013. Heute Nachmittag wurde zum dritten Mal von der Stadt Torgau eine Frau mit dem Katharina-von-Bora-Preis für herausragendes gemeinnütziges Engagement prämiert – in diesem Jahr in einem Projekt zum Thema „Toleranz“, dem Jahresmotto der Lutherdekade. Oberbürgermeisterin Andrea Staude verlieh Sonja Brogiato, Sprecherin des Flüchtlingsrates Leipzig e.V., vor geladenen Gästen im Festsaal des Torgauer Rathauses den Titel „Katharina-Botschafterin“. Damit würdigt die Stadt Frau Brogiato und das von ihr initiierte Projekt „Integration durch Bildung“. Die Laudatio hielt Angelika Kell, Vorstandsvorsitzende der Stiftung „Bürger für Leipzig“, die das Projekt in den letzten drei Jahren unterstützte und Frau Brogiato für den Preis nominierte. Dieser ist mit 3.000 € dotiert, die dem Projekt zugutekommen. Außerdem wurden vier Anerkennungspreise vergeben. Die Auszeichnung steht unter der Schirmherrschaft der renommierten Politikwissenschaftlerin Gesine Schwan.
Die Jury bildeten Vertreter aus Kultur, Kirche und Gesellschaft sowie die Gleichstellungsbeauftragte des Freistaates Sachsen, Petra Eisfeldt. In der Juryentscheidung heißt es: „Die Wahlleipzigerin Sonja Brogiato beeindruckt uns durch ihre herausragenden Erfolge bei der schulischen Förderung von Kindern und Jugendlichen aus Migranten- und Flüchtlingsfamilien. Seit neun Jahren setzt sie sich zusammen mit ihren Mitstreitern in vorwiegend ehrenamtlicher Arbeit für mehr interkulturelle Kompetenz und soziale Aktionsfähigkeit ein. Sie regt den Dialog zwischen den Kulturen an und wirkt der Bildung von Parallelgesellschaften entgegen.“
Bis zum Bewerbungsschluss am 15. März waren 30 qualitativ hochwertige Nominierungen aus der gesamten Bundesrepublik eingegangen. Aus ihnen wählte die Jury am 10. April fünf Kandidatinnen aus, darunter die diesjährige „Katharina-Botschafterin“. Anerkennungspreise gingen an Clara Groß (Jugendprojekt Pfadfinder Laucha als Gegengewicht zu NPD-nahen Angeboten), Jacqueline Hofmann (Projekt Seehaus Leonberg für straffällig gewordene Jugendliche), Doris Krieg (Projekt für HIV-infizierte Menschen in Tansania) und Eunike Zobel (Verein „Different People“ in Chemnitz), die zuvor ihre Projekte auf dem aktuell stattfindenden Katharina-Tag, dessen Höhepunkt die Preisverleihung darstellt, präsentierten.
Hintergrundinformationen zu Sonja Brogiato und dem Projekt „Integration durch Bildung“
Sonja Brogiato (52) stammt aus Oberösterreich, studierte in Salzburg Germanistik und Geschichte und war im Kulturbetrieb tätig. 1990 entschied sie sich für ein Leben in Leipzig, einer Stadt, deren geschichtspolitische Bedeutung sie faszinierte. Geprägt von ihrem christlich-katholischen Selbstverständnis und einer schweren Zeit, in der sie drei enge Angehörige bis zu deren Tod pflegte, stellte sie sich 2004 neuen Herausforderungen. Seither engagiert sie sich als Sprecherin des Flüchtlingsrates Leipzig e.V. und besonders in dem von ihr initiierten Projekt „Integration durch Bildung“. Derzeit werden ca. 190 Migranten unterschiedlichen Alters, besonders Mädchen und junge Frauen aus stark traditionsverhafteten Familien, von 260 ehrenamtlichen Bildungspaten unterrichtet. Primäres Ziel ist, dass sie qualifizierte Schulabschlüsse erreichen, was ihnen in ein selbstbestimmtes Leben hilft. Das Projekt möchte aber auch mittels des Patenschaftsmodells, den interreligiösen Dialog fördern und zum Abbau von Vorurteilen beitragen. Frau Brogiato erhielt im Jahr 2012 für ihr herausragendes Engagement bei der Verbesserung des Miteinanders zwischen Migranten und Einheimischen in Deutschland die Integrationsmedaille der Bundesregierung – eine große Ehrung, die aber nicht mit einer Projektförderung einherging.
Hintergrundinformationen zum Katharina-von-Bora-Preis
Der „Katharina-von-Bora-Preis“ wurde 2011 von der Stadt Torgau ins Leben gerufen, um an die außergewöhnliche Frau an Martin Luthers Seite, Katharina von Bora, und ihr Wirken in Torgau zu erinnern. Die Stadt war die erste Station auf der Flucht Katharina von Boras aus dem Kloster Nimbschen 1523. Hier befindet sich ihr Sterbehaus, das heutige Museum „Katharina-Luther-Stube“, sowie ihr Epitaph in der Stadtkirche St. Marien.
Katharina von Bora war Mutter von sechs Kindern, verwaltete und bewirtschaftete umfangreiche Ländereien, betrieb eine Bierbrauerei und führte ein Haus der Gastlichkeit für Luthers Studenten. In Zeiten der Pestepidemie baute sie eine Krankenstation und ein Hospiz auf.
Bisherige Preisträgerinnen sind Edith Koch von der Frauenhilfe und Katharina-von-Bora-Stiftung Dudenhofen (2011) und Cathrin Schauer vom Verein KARO e.V. Plauen (2012), der sich gegen Zwangsprostitution und Menschenhandel einsetzt.
Bildvermerk
Bild: Sonja Brogiato (Mitte) Quelle: Faber & Marke
Weiteres Bildmaterial zur kostenlosen Veröffentlichung sowie ergänzende Informationen zum Katharina-von-Bora-Preis und den Preisträgerinnen erhalten Sie gern auf Anfrage.












