(openPR) In den Augen der Senioren hat die Wirtschaft vollends versagt. Dabei sind die über 50jährigen längst die heimlichen Könige unter den Kunden. Mehr als 30 Millionen Deutsche haben diese Altersgrenze bereits überschritten und die Gesellschaft altert weiter im rasanten Tempo.
Dass die Wirtschaft ihre alternde Kundschaft vernachlässigt, ist grob fahrlässig. Denn das Konsumverhalten der Generation 50plus wird über die Zukunft vieler Unternehmen entscheiden. Tatsächlich könnten die Senioren der Konjunktur einen ordentlichen Schub geben - wenn man sie nur ließe! Das Einkommen der über 60jährigen liegt in diesem Jahr bei 400 Milliarden Euro. Das entspricht knapp einem Drittel der Kaufkraft in Deutschland.
Schon heute liegt die Hälfte des Geldvermögens auf Konten der über 50jährigen. Allerdings mit der sparsamen Kriegsgeneration haben die neuen Alten aber kaum noch etwas gemein. Fast jeder zweite der Generation 50 plus macht sich lieber ein schöneres Leben, als immer nur zu sparen. Dem Konsum steht eigentlich nichts mehr im Weg: Oft sind die Hypotheken abbezahlt und die Kinder haben das Haus verlassen.
Doch die heimlichen Könige wollen endlich ernst genommen werden. Viel zu lang hat die Wirtschaft die 14- bis 49jährigen verhätschelt. In der Konsumflaute dämmert es den Unternehmen langsam, dass sie etwas falsch machen. Doch ihre Annäherung an die alternden Kunden ist ungelenk.
Nur langsam nimmt die Werbebranche den wachsenden Markt der "Best Ager" (50 bis 59 Jahre) und "Generation Silber" (60plus) ins Visier. "Werbung für ältere Menschen muss ehrlich und authentisch sein", sagt Agentur-Chef Reidl. Denn nach 30 bis 40 Jahren Werbe- und Konsumerfahrung sind Senioren äußerst erfahren und misstrauisch. Grundsätzlich sollten nicht die Senioren, sondern vielmehr ihre Bedürfnisse angesprochen werden.
Empirische Untersuchungen bestätigen diese Genussfreude: 65 Prozent der befragten Senioren reisen regelmäßig, 46 Prozent schätzen ein modische Outfit, mehr als 70 Prozent gehen regelmäßig ins Restaurant und zur Schönheitspflege. Sie investieren in Kosmetik, gesunde Ernährung und Wohnungsinstandsetzung; sie stürmen die Reisebüros, und Trendsportarten wie Golfspielen, Mountainbikern oder Nordic Walking.
Selbst "SevenOne Media", der Werbezeit-Vermarkter des auf junge Zuschauer fixierten Privatsender ProSieben, entdeckte die Oldies als Zielgruppe. In einem Trendreport über die Anti-Aging-Gesellschaft stellte man fest, dass das Bild vom passiven, zurückgezogenen Rentner überholt ist. Die neue Ruhestands-Generation sei mobil, aufgeschlossen und lebensfreudig. Folglich sollten sich auch Fernsehprogramme mehr an den Interessen des älteren Publikums ausrichten.
Über 50jährige sind heute einfach mobiler, gesünder und reicher. „Mit 17 hat man noch Träume, mit 50 erfüllt man sie sich“. Beispielsweise den von einer ledergepolsterten Harley-Davidson. Das Durchschnittsalter der Käufer dieser chromblitzenden 20.000-Euro-Maschine liegt bei 52. Auch jeder dritte Porsche geht an einen Turbo-Senior von durchschnittlich 57 Jahren. Getreu dem Werbeslogan für den 911 Carrera 4S: "20 Jahre nach dem Schulabschluss könnten Sie sich wieder mit der Kurvendiskussion befassen."
Aber insbesondere der klassische Handel geht nach wie vor kaum auf diese Zielgruppe ein, die deutlich mehr Beratung verlangt als andere. Gerade der Fachhandel verpasst hier seine Chance. Vor allem kleine Geschäfte profitieren von den betagten Konsumenten. Im Vergleich verwenden sie viel Zeit aufs Einkaufen. Die "Geiz-Ist-Geil-Mentalität“ ist ihnen weitestgehend fremd.
Mehr als ein vorsichtiges Vortasten ist das allerdings nicht. All die Mühen lohnen am Ende nicht, wenn die Produkte der Hersteller für Senioren praktisch unbrauchbar sind. Die Entwickler (meistens Jüngere) in den Unternehmen können sich größtenteils nicht in die Denkstruktur der älteren Menschen hineinversetzen. Ältere Menschen probieren technische Geräte nicht einfach aus wie die Jungen. Sie lesen erst einmal die Bedienungsanleitung durch. Und daran scheitern viele (meistens in Englisch und zu kompliziert!). Senioren wollen keine Geräte mit eingeschränkten Funktionen. Ein Handy mit nur drei großen Tasten hat bei ihnen keine Chance.
Viele Unternehmen kennen ihre Schwachstellen, wissen aber keinen Ausweg. Zwar sind sich alle einig, die Bedienung zu vereinfachen. Doch scheuen sie davor zurück, offen auf die Senioren zuzugehen. Zu groß ist die Angst, das junge und dynamische Image zu verlieren. Doch spätestens, wenn die Umsätze zurückgehen, müssen die Hersteller reagieren.
In der bbw-Studie „Senioren-Trend-Märkte - eine Herausforderung an die deutsche Wirtschaft- 2005/2006“ wird das Altern der Gesellschaft als produktive Kraft für Innovationen und als Motor der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung herausgestellt. Es ist an der Zeit das die deutsche Wirtschaft den „Demographischen Wandels“ nicht mehr beklagt, sondern endlich die Chancen erkennt.










