(openPR) Die Ergebnisse einer großen wissenschaftlichen Studie der Charité - Universitätsmedizin Berlin in der präklinischen Notfallversorgung von Schlaganfallpatienten mit über 7000 eingeschlossenen Patienten wurde am 03. Juni 2013 in Berlin vor Pressevertretern vorgestellt. Fazit: Mit Unterstützung des Stroke-Einsatz-Mobil (STEMO) konnten eine erhebliche Zeiteinsparung zwischen Notruf und Beginn der Lysetherapie erzielt und wesentlich mehr Schlaganfall-Patienten effektiv therapiert werden. Grundlage des Erfolges war die Entwicklung eines neuen medizinischen Versorgungskonzeptes, bei dem die Schlaganfall-Akutbehandlung mit Diagnostik und Behandlungseinleitung bereits vor Ort in einem speziell ausgestatteten Rettungsfahrzeug durchgeführt wird. Bestandteil des Konzeptes war der Einsatz modernster Medizin-, Labor- und Telemedizintechnik.
05.06.2013, Berlin. Nachdem die Hauptergebnisse der Studie PHANTOM-S (Prähospitale akut neurologische Therapie und Optimierung von Schlaganfällen) zum Stroke-Einsatz-Mobil (STEMO) in der vergangenen Woche auf der European Stroke Conference in London erstmalig vorgestellt wurden, präsentierte der Leiter des STEMO-Projektes, Prof. Heinrich Audebert, Klinik für Neurologie der Charité, am 03.06.2013 vor zahlreich erschienenen Berliner Journalisten auch in Berlin die Forschungsergebnisse.
„Das STEMO steht für die erstklassige Zusammenarbeit zwischen der Charité, der Berliner Feuerwehr und den beiden Brandenburger Technologie-Firmen, die das Rettungsfahrzeug gemeinsam entwickelt haben“, sagt Prof. Karl Max Einhäupl, Vorstandsvorsitzender der Charité zu Beginn der Präsentation der Studienergebnisse. Die Senatorin für Wirtschaft, Technologie und Forschung, Cornelia Yzer, gratulierte dem gesamten Team für die nationale und internationale Anerkennung des Projekts. Cornelia Yzer weiter: „Die Förderung des STEMO aus dem Berliner Zukunftsfonds ist eine hervorragende Investition in Medizin, Technik und Forschung. Das Stroke-Einsatz-Mobil zeigt, was Technologieförderung zusammen mit Forschergeist und medizinischem Know-how in der Hauptstadt bewegen kann. Auch hier zeigt sich wieder ein Referenzobjekt Berlins, das internationales Interesse auslöst.“
Beim Schlaganfall zählt jede Minute, denn kein Gewebe wird bei einer Unterbrechung der Blutzufuhr so rasch unwiderruflich geschädigt wie das Hirngewebe. In der repräsentativen Vergleichsstudie werteten die Forscher um Prof. Heinrich Audebert von der Klinik für Neurologie und Leiter des Projekts, die Daten von 7.000 Patienten über einen Zeitraum von 21 Monaten aus. Dabei wurde das STEMO im wöchentlichen Wechsel mit einem regulären Rettungsfahrzeug eingesetzt. „Im Wissen, dass beim akuten Schlaganfall pro Minute 1,9 Millionen Nervenzellen absterben, freuen wir uns, dass im Rahmen des neuen Versorgungskonzepts eine relevante Verbesserung der Schlaganfallversorgung in Berlin erreicht werden konnte“, stellte Prof. Heinrich Audebert fest.
Im Vergleich der Kontrollwochen ergab sich eine Verkürzung der Zeit vom Notruf bis zur Einleitung der Behandlung sowie eine deutliche Erhöhung der Lyse-Häufigkeit. Bei der Lyse-Therapie wird ein Blutgerinnsel, das eine Schlagader im Gehirn verstopft, medikamentös aufgelöst. Wurde das STEMO alarmiert, erhielten im Vergleich zur herkömmlichen Versorgung im Krankenhaus 50 Prozent mehr Schlaganfallpatienten eine solche Lyse. Die Behandlungsrate stieg damit von 21 auf 33 Prozent. Die Zeit vom Notruf bis zur Therapie reduzierte sich dabei um 25 Minuten. Die Behandlung war dabei genauso sicher wie im Krankenhaus.
Das am Forschungs- und Entwicklungsprojekt beteiligte Konsortium bestand aus der Charité – Universitätsmedizin Berlin und der Berliner Feuerwehr sowie den Firmen MEYTEC GmbH Informationssysteme und Thermo Fisher Scientific BRAHMS GmbH aus Brandenburg. Im Ergebnis wurde ein neues Versorgungskonzept entwickelt, bei dem die Leitstelle des Rettungsdienstes eine Filterfunktion übernimmt. Die Neuentwicklung einer mobilen Schlaganfallbehandlungseinheit ermöglicht es, die Lysetherapie nach dem Ausschluss von Gegenindikationen bereits in der frühen Phase der präklinischen Notfallversorgung zu beginnen. Die Herausforderung für die Ingenieure der Berliner Feuerwehr und der MEYTEC GmbH bestand darin, mit den zu integrierenden technischen Systemen und Lösungen auch den permanenten physikalischen Belastungen standzuhalten, denen das Fahrzeug durch den häufigen Einsatz ausgesetzt ist. Eine besondere Aufgabe bestand darin, ein mobiles CT-Röntgengerät einerseits extrem stabil und – im Falle eines Unfalls – sicher unterzubringen und andererseits für die Notfallanwendung schnell verfügbar zu machen. Außerdem mussten die hohen Strahlenschutzanforderungen erfüllt werden. Der verwendete CT-Scanner CereTom® wird von der Firma NeuroLogica Corporation aus den USA produziert. Die MEYTEC GmbH ist ein Vertriebs- und Servicepartner von NeuroLogica. Neben der Ausstattung des Rettungsfahrzeuges mit Medizintechnik wurde eine komplette telemedizinische Infrastruktur entwickelt und hochverfügbar bereitgestellt. Dazu gehörten eine Teleradiologielösung nach RöV, eine Behandlungsdokumentation und eine audiovisuelle Kommunikation zwischen Ärzten des STEMO-Fahrzeuges und Ärzten der Charité. Alle medizinischen Daten wurden bei der telemedizinischen Übertragung durch neueste Verschlüsselungsverfahren gesichert. Zur sicheren und schnellen Übertragung der medizinischen Daten wurde das LTE- bzw. HSPA-Mobilfunknetz von zwei Mobilfunknetzbetreibern simultan genutzt. Das vorgestellte Forschungsergebnis zeigt, dass die präklinische Schlaganfall-Versorgungslösung sicher ist und zu einer relevanten Zeiteinsparung führt. Das Konzept wird damit auch für die Regelversorgung interessant.
Das Projekt wurde von der Technologiestiftung Berlin und dem Land Brandenburg in Kofinanzierung durch Mittel der Europäischen Union gefördert.
Quelle: Pressemeldung Charité Universitätsmedizin Berlin vom 03.06.2013 und MEYTEC






