(openPR) Wenn ein Weltstar von sich selbst behauptet, er habe keine besonders schöne Stimme, dann kann das zweierlei bedeuten: entweder Koketterie oder unverbesserlichen Perfektionismus. Letzteres trifft wohl auf ihn zu: Joe Dassin, die Chansonstimme des letzten Jahrhunderts. Wie kein zweiter hat er in Frankreich wie in Deutschland dieses Genre vertreten und beeindruckende Erfolge gefeiert. Sein Spazierganz über die "Champs-Elysées" vermittelt seit 36 Jahren (ja, so lange ist das schon her) in einem gerade mal zweieinhalbminütigen Lied ein stilbildendes Paris-Gefühl, wie es der Duft von Croissants, das Rauschen der Seine und der Anblick des Eifelturms nicht besser schaffen könnten.
Dassin war nie ein politischer Liedermacher, und das genau unterschied ihn von vielen Zeitgenossen seines Formats. Er war ein Unterhalter der Spitzenklasse, der nie das Ziel verfolgte seine Zuhörer zu erziehen. Und dennoch - oder gerade deshalb - hat er es geschafft das seinerzeit eher beataffine Deutschland für die Feingesponnenheit seiner außergewöhnlichen Musik zu sensibilisieren und so seine Botschaften zu vermitteln. Andere Sänger brauchen dafür Aggressivität, Rebellion oder künstlerische Attitüden - "Dieser Sänger braucht nur ein Chanson"...
Quelle: Tobias Reitz
2 CD 82876736592 - VÖ am 05.09.2005
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Albuminfo:
„Ein Chanson ist nicht dafür da, irgendjemandem irgendetwas beizubringen“
Als Interpret von politischen Liedern oder als Verfechter der in den 60er und 70er Jahren angesagten Liedermacherszene fühlte er sich nicht berufen. Seine Arbeit gut zu machen, war das wichtigste Ziel für den Sänger und Schauspieler Joe Dassin. In Deutschland gehört er zu den bekanntesten Vertretern des französischen Chansons.
Als hartnäckig, ehrgeizig und zielstrebig beschrieben ihn Zeitgenossen und Weggefährten. Er selber bezeichnete sich als introvertiert. Seine Schüchternheit, sagte er einmal, sei er nie losgeworden. Trotzdem gelang dem „Amerikaner aus Paris“ in seinem viel zu kurzen Leben eine bemerkenswerte internationale Karriere.
Joseph Dassin wird am 5. November 1938 in New York als Sohn des bekannten Filmregisseurs Jules Dassin und der Geigerin Béatrice geboren. Seine frühe Kindheit verbringt er in Los Angeles. Als sein Vater wenig später als angeblicher Moskau- Sympathisant auf die „Schwarze Liste“ des Senators McCarthy geriet und Berufsverbot befürchten musste, verlässt die Familie die USA und findet in Paris eine neue Heimat. Joe Dassin verbringt seine Schulzeit in der Schweiz, in Italien und in Frankreich. 1955 kehrt er mit seiner Mutter nach Kalifornien zurück; seine Eltern haben sich inzwischen scheiden lassen. Sein Vater lebt nun mit der griechischen Schauspielerin und späteren Kulturministerin Melina Mercouri zusammen, mit der er den Kinowelterfolg „Sonntags nie“ realisiert.
Während sein Vater Weltruhm erlangt, studiert Joe Dassin zunächst in den USA Medizin, wechselt dann aber das Fach, weil er beim Sezieren von Leichen ohnmächtig wird. Die Universität verlässt er als Doktor der Anthropologie. Musikalisch schwimmt er zu der Zeit bereits gegen den Strom: während die amerikanische Jugend vom Rock’n’Roll elektrisiert ist, singt er Lieder des Chansonniers George Brassens zur Gitarre. Seine berufliche Zukunft sieht er deshalb auch in Europa, wo er zunächst mit seinem Vater den Film „Topkapi“ realisiert. Sänger will er damals gar nicht unbedingt werden.
Entdeckt wird er eher zufällig: Seine damalige Freundin und spätere Ehefrau Maryse will ihm zum 26. Geburtstag eine Schallplatte schenken, auf der er das Lied „Freight Train“ singt, mit dem er auf einem gemeinsamen Wochenende ihr Herz erobert hat. Sie knüpft Kontakte zur Schallplattenindustrie und man ist interessiert. Von „Freight Train“ werden 1000 Platten hergestellt, für die sich aber kaum einer interessiert.
Nun hat Joe Dassin aber Blut geleckt: weitere Aufnahmen entstehen. Ende 1965 erzielt er erste Achtungerfolge. Schließlich wird Jacques Plait, der bereits mit Charles Aznavour, Johnny Hallyday und Serge Gainsbourg zusammengearbeitet hat, sein Produzent und Baumeister seiner Karriere. Joe Dassin avanciert zum Star. Ende der 60er Jahre knüpft er Hit an Hit: „L’équipe de Jojo“, La bande à Bonnot“, „Ma bonne étoile“, „Le petit pain au chocolat“ und nicht zuletzt „Les Champs-Elysées“, eine Coverversion von Smacka Fitzgibbon’s „WaterlooRoad“, die Joe Dassin auch in Deutschland populär machte.
In zahlreichen europäischen Ländern sowie in der Sowjetunion und sogar in Japan belegt er Spitzenplätze. Eine Konzerttournee führt ihn auch durch 10 afrikanische Länder.
Zwei Fernsehauftritte, 1969 in der TV-Unterhaltungsreihe „Musik aus Studio B“ und 1970 in der „ZDF-Starparade“, sichern Joe Dassin, der von sich selbst sagte, er habe keine schöne Stimme, auch in Deutschland Plätze in den Bestenlisten, und er nimmt einige seiner französischen Hits in deutsch auf: so wird z. B. aus „La fleur aux dents“ „Es gibt Mädchen so zum Träumen“ und aus „Le cadeau de papa“ „Meines Vaters Sohn“.
Christian Bruhn schreibt für ihn das Lied „Das sind zwei linke Schuh’“, aus der Feder von Hans Blum stammt „In Versailles in dem großen Garten“. Der weiße Anzug und der silberne Gürtel werden zu seinem Markenzeichen.
Immer wieder muss Joe Dassin seine Karriere aus gesundheitlichen Gründen unterbrechen, Herzprobleme begleiten ihn seit seiner frühen Jugend, er wurde deshalb auch vom Militärdienst freigestellt. Häufigere Herzattacken zwingen ihn, kürzer zu treten, was dem Künstler, der 150 bis 200 Auftritte pro Jahr absolviert, schwer fällt. In den Jahren 1973/74 erleidet seine Karriere einen Einbruch, auch Probleme in seiner Ehe mit Maryse machen ihm zu schaffen. Der gemeinsame Sohn Joshua stirbt 1973 fünf Tage nach der Geburt. Tahiti wird sein Refugium. Dort schöpft er neue Kraft und erwirbt sogar ein Haus.
Ende 1974 geht es wieder aufwärts. Mit „Si tu’t’appelles mélancholie“ schafft Joe Dassin ein Comeback. 1975 überrascht er mit seiner Version der italienischen Canzone „Africa“ aus der Feder von Toto Cotugno. Daraus wird der Charterfolg „L’été indien“, dessen deutsche Version „Septemberwind“ ebenfalls ein Bestseller wird. Das Lied wird der größte Erfolg in Joe Dassins Karriere und erscheint in 25 Ländern.
Nachdem er sich 1977 von seiner Frau Maryse getrennt hat, heiratet er 1978 Christine. Er bekommt zwei Söhne, aber auch diese Ehe zerbricht. Mittlerweile hat er seinen Lebensmittelpunkt wieder nach Kalifornien verlegt. Doch sein Wunsch, auch in seiner Wahlheimat USA künstlerische Anerkennung zu finden, erfüllt sich nicht mehr. Am 20 August 1980 erleidet er auf Tahiti eine Herzattacke, die er nicht überlebt.
Joe Dassin ist tot, aber seine Lieder leben weiter. Noch bis in die 90er Jahre hinein erzielen seine Platten Rekordumsätze.
Quelle: Sony BMG
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