(openPR) Lohmar. Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus: Während in Mackenbach der frisch bebaute Hang oberhalb von Wahlscheid abrutscht und die Schlammmassen die B484 überschwemmen, so dass der kleine Ort von der Außenwelt abgeschnitten ist, diskutiert der bis ins Mark verknöcherte Stadtrat über neue Brückenbauprojekte. Eine Gruppe neureicher, durch die Naturkatastrophe wieder in ihre Armut zurückgeworfener Bürger rebelliert gegen die ihnen von Seiten der Obrigkeiten zugedachten Rolle am Rande der Gesellschaft, während Jugendliche die Jabachhalle anzünden und Frauen sich emanzipieren wollen. Die Fronten prallen aufeinander, Jeder gegen Jeden scheint die Devise.
Allen, aufgrund dieser Situationsbeschreibung in Angst und Schrecken versetzten Lohmarern sei zur Beruhigung gesagt, dass es sich bei dem Szenario um einen Teil des in der Lohmarer Jabachhalle ab dem 13.Juli präsentierten Spektakels „Welttheater“ handelt. Das Stück geht der Frage nach, welche Rolle wir in der Gesellschaft spielen. Wie sehr unser Weg vorbestimmt ist und was passiert, wenn wir diesen vorgeschriebenen Weg mit aller Macht verlassen wollen. Auf Grundlage Caldérons mittelalterlichen Mysterienspiels werden dabei die Rollen des Allmächtigen Lenkers, der Welt und der Moral diskutiert und hinterfragt. Für die Zeit des Spiels wird die Lohmarer Jabachhalle zu den Brettern, die die Welt bedeuten. Ein Gesicht bekommt die Bühne durch eine resolute Hausmeisterin. Die moralische Instanz ist in der Lohmarer Fassung eine fassungslose Souffleuse, während sich der Schöpfer in der Person des Regisseurs als teils machtlose oder vielleicht doch übermächtige, in jedem Fall aber undurchschaubare Figur darstellt.
Damit das Großprojekt nicht, wie die im Stück gezeigte Handlung, aus dem Ruder läuft, hat die Stadt Lohmar einen erfahrenen Theatermann verpflichtet. Lajos Wenzel, stv. Intendant des Jungen Theaters Bonn und seit mehreren Jahren Coregisseur des Divertissementchens der Cäcilia Wolkenburg übernimmt die künstlerische Leitung.
„Langsam aber sicher wird es ernst“, gesteht Wenzel ein. „Aber wir sind gut vorbereitet, schließlich läuft das Projekt seit 2010.“ Derzeit wird an vielen verschiedenen Enden aufeinander zu gearbeitet. In Lohmarer Schulen und Kindergärten werden Paletten gestaltet, die später in das Bühnenbild integriert werden. Lichtdesigner Markus Friele entwickelt die aufwendige Lichtinstallation und tüftelt an Lösungen für sehr spezielle technische Effekte. Die Bühne wird mit einem großen Laufsteg, Mittelbühne und Hublift in den Raum hineingebaut. Die ganze Halle, auch zwischen den Zuschauern wird bespielt werden. Überall in Lohmar sind derzeit Vorbereitungen zu spüren.
Ballettschülerinnen der Tanzschule Schuster Weber arbeiten an ihren Choreografien. Männerchor, Kindergärten, Jugendgruppen, viele tragen unter dem wachen Blick des Regisseurs ihren Teil zum Gelingen des Projektes bei. „Wir versuchen mit dem Stück Lohmarer Themen mit gesamtgesellschaftlichen zu verbinden“, sagt Wenzel. „Die Autorengruppe hat fleißig gearbeitet. Da sind gute Dialoge rausgekommen und ich denke, für jeden und jede Zuschauerin ist etwas dabei.“ Nicht umsonst fahren viele Autos in Lohmar mit einem Aufkleber „Lohmarer Welttheater, ich bin dabei“ herum. Dieses Projekt ist wirklich in der Mitte der Bevölkerung angekommen. Verbindet Menschen jeden Alters durch eine gemeinsame künstlerische Aufgabe. Aktuelle Entwicklungen und viele Bilder der Proben finden Sie auf www.Welttheater-Lohmar.de.
Das alleine ist eine Riesenfreude, die sicher nachhaltig bestehende Strukturen schafft. Der Vorverkauf für die insgesamt 5 Vorstellungen ist sehr gut angelaufen. Karten gibt es für 5€ und 12€ an allen bekannten Vorverkaufsstellen und bei Bonn Ticket.













