(openPR) Das Netz der Jakobswege in Europa wurde 2008 mit dem wiedererstandenen Zittauer Jakobsweg enger geknüpft. Die 280 Kilometer lange Route verbindet seither auf historischen Pfaden die Stadt Görlitz an der Neiße mit der tschechischen Hauptstadt Prag. Was bisher fehlte, war ein Ort der Rast und Besinnung speziell für Pilger. Am 21. April 2013 hat ein Gebäude im Zittauer Ortsteil Hirschfelde feierlich den kirchlichen Segen erhalten, das im Oktober dieses Jahres als „Pilgerhäusl Hirschfelde“ seine Pforten öffnen wird.
Pilgerherberge im regionaltypischen Umgebindehaus
Seit 2010 wird ein rund 300 Jahre altes, regionaltypisches Umgebindehaus denkmalgerecht für die neue Bestimmung zur Herberge und Begegnungsstätte unmittelbar im Dreiländereck von Deutschland, Polen und Tschechien umgebaut. Die in diesem Raum verbreitete Umgebindebauweise ist einzigartig in Europa. Die ländlichen Umgebindehäuser waren in einem langen geschichtlichen Prozess durch die Verbindung von Block- und Fachwerkbauweise entstanden, wobei die selbstständige Blockstube von einer Holzkonstruktion – dem Umgebinde – umgeben ist, die das Dach trägt.
Mit EU-Förderung und freiwilliger Hilfe vieler Menschen aus Hirschfelde und Umgebung wurde das leer stehende, frühere katholische Umgebinde-Pfarrhaus in der Hirschfelder Komturgasse 9 vor dem Verfall bewahrt. Seine beispielhafte Sanierung ist seither mit regelmäßigen Baustellenführungen und Praxisseminaren für alle Interessenten der Bauweise über Ländergrenzen hinweg verbunden.
Johanniter-Tradition und der hl. Konrad als Schutzpatron
Das künftige Pilgerhäusl Hirschfelde steht auf traditionsreichem Terrain. Dieses gehörte im Spätmittelalter zu einer Kommende des Johanniterordens, der auf den hiesigen Handelsstraßen Kaufleute und Pilger beschützte. Die ältesten Teile des Gebäudes stammen möglicherweise aus dieser Zeit. Auch der Straßename Komturgasse erinnert an die Geschichte: Komtur wurde der Verwalter der Johanniterniederlassung genannt.
Ein gutes Vorzeichen für die neue Bestimmung des Hauses ist außerdem die Nachbarschaft zu einer kleinen Katholischen Kirche, die den Namen des hl. Konrad von Parzham (1818 – 1894) trägt. Für die Haussegnung war bewusst der Gedenktag des Heiligen am 21. April gewählt worden. Die Weihe vollzog Pater Georg Greimel aus dem Kapuzinerkloster Altötting, wo der heilige Konrad 45 Jahre lang als Mönch gewirkt hatte. Mit dem feierlichen Akt wurde die internationale Pilgerherberge in spe zugleich dem Patronat des heiligen Konrad unterstellt. An der Veranstaltung nahmen Kirchenvertreter aus Sachsen, Mitglieder von Jakobsweg-Vereinen, Partner der Haussanierung und Bürger des Ortes teil.
Signal für besondere Gastfreundschaft
„Der hl. Konrad von Parzham hatte im Kloster einst das Pförtneramt inne. Sein Patronat symbolisiert für uns die besondere Gastfreundschaft, die sich künftig mit unserem Haus verbinden soll“, sagt der Vorsitzende des Pilgerhäusl e. V., der katholische Pfarrer Michael Dittrich. Er gehörte zu den Initiatoren des wiederbelebten Zittauer Jakobsweges und der Pilgerhäusl-Sanierung. Der Segen für das Haus werde dazu beitragen, dass die Gäste während ihres Aufenthaltes Schutz und Geborgenheit finden und eine von Frieden, Trost und Freude geprägte Gemeinschaft in gutem Geist, dem Geist Gottes, entsteht, so Michael Dittrich.
Der ökumenische Pilgerhäusl-Verein ist Partner des Landkreises Görlitz und des Bezirksamtes Liberec im benachbarten Tschechien, die zu dritt das Projekt aus dem sächsisch-tschechischen Kooperationsprogramm Ziel 3/Cíl 3 tragen.
Zur offiziellen Eröffnung des Pilgerhäusls Hirschfelde ist ein Fest vom 25. bis 27. Oktober 2013 geplant. „Die Herberge wird künftig natürlich in erster Linie den Pilgern offen stehen“, sagt Michael Dittrich. „Doch unser Verein möchte auch Veranstaltungen organisieren, die allen Glaubenden und Suchenden auf ihrem Weg Hilfe geben sollen. Ebenso denken wir an wechselnde Ausstellungen.“
Modell für denkmalgerechte Sanierungen
Im Zusammenspiel von denkmalgerechter Erneuerung und zeitgemäßer Ausstattung, beispielsweise mit modernem Heizsystem, ist das Pilgerhäusl in der jetzigen Bauphase und später zugleich ein öffentliches Modell für die Erhaltung der Umgebindebauweise. Etwa 19.000 Gebäude aus mehreren Jahrhunderten haben sich in dem deutsch-polnisch-tschechischen Grenzraum an Neiße und Elbe – auch Umgebindeland genannt – bis heute erhalten. Ihr Bestand schmilzt.
„Deshalb ist es wichtig, den Hauseigentümern in allen drei Ländern praktische Hilfe für die Bewahrung der historischen Kleinode zu geben, darunter mit dem Anschauungsobjekt Pilgerhäusl“, sagt Jeannette Gosteli von der Geschäftsstelle Umgebindeland beim Landkreis Görlitz.










