(openPR) Wo liegt das Umgebindeland? In Atlanten sucht man es vergebens. Ein neuer Bildband führt aber geradewegs dorthin. Unter dem Titel „Verliebt ins Umgebindeland“ stellt er das Verbreitungsgebiet der Umgebindehäuser im Dreiländereck von Deutschland, Polen und Tschechien vor. Diese dörflichen Gebäude aus mehreren Jahrhunderten sind mit einem Bestand von rund 19.000 Häusern einzigartig in Europa.
Das querformatige Buch in Deutsch und Tschechisch folgt ihren Spur durch die vier Jahreszeiten und in zwölf Regionen rechts und links von Lausitzer Neiße und Elbe. Der 116-seitige Band ist Anfang 2013 im Verlag Graphische Werkstätten Zittau erschienen (ISBN 978-3-929744-73-6). Preis: 19.95 Euro.
Landschaften, Häuser und Menschen
Der Name „Umgebindeland“ war 2003 zunächst als Projekttitel entstanden, um über Grenzen hinweg Ideen und Taten vieler Menschen, für die Erhaltung der denkmalgeschützten Umgebindebauweise zu bündeln. Das Buch gibt jetzt erstmals einen anschaulichen Eindruck davon, was dieses Gebiet unverwechselbar und touristisch attraktiv macht.
Begleitet von informativen Texten, widerspiegeln rund 120 Farbfotos einfühlsam die Vielfalt der Natur, der Volksarchitektur, von Kultur und Lebensart in diesem alten mitteleuropäischen Kulturraum, in dem Oberlausitz, Schlesien, Böhmen und Sächsische Schweiz ineinander übergehen.
Auf deutscher Seite wird der Bilderbogen im Neißetal, Oberlausitzer Bergland, Oberland, in der Hinteren Sächsische Schweiz und im Zittauer Gebirge aufgeschlagen, in Tschechien im Böhmischen Mittelgebirge, in der Böhmische Schweiz, im Friedländer Zipfel, im Jeschkengebirge und Lausitzer Gebirge sowie auf polnischer Seite im Polnischen Isergebirge.
Zwölf Porträts machen in Wort und Bild mit Menschen bekannt, die ihre historischen Umgebindehäuser liebevoll und sachkundig bewahren und zukunftsfähig gestalten. Exkurse zur Geschichte, Konstruktion und vielfältigen Nutzung sowie zum alljährlichen „Tag des offenen Umgebindehauses“ beleuchten die geniale Baukunst früherer Bau- und Handwerksmeister und die zunehmende öffentliche Wertschätzung der überkommenen Gebäude.
Für Einheimische, Touristen und Fachleute
Grafiker und Fotograf René E. Pech aus Rietschen hat das Buch gestaltet. Auch der überwiegende Teil der Bilder stammt von ihm. Weitere Fotos hat Jeannette Gosteli aus Oybin eingebracht. Sie gehörte 2003 zu den Initiatoren der Umgebindeland-Initiative. Die Texte schrieb Stefan Frohmader, freier Journalist in Dresden.
Herausgeber des Bildbandes ist die Geschäftsstelle Umgebindeland beim Landkreis Görlitz. Sie inspirierte und koordinierte seine Entstehung. Gedruckt wurde das Buch in den Graphischen Werkstätten Zittau, die es zugleich verlegen.
„Mit der Neuerscheinung möchten wir eine breite Leserschaft ansprechen, die Einheimischen ebenso wie Touristen und Fachleute in ganz Deutschland und international“, sagt Jeannette Gosteli, die die Geschäftsstelle Umgebindeland leitet. Im Umgebindeland selbst wolle es die Verbundenheit der Einwohner mit ihrem einzigartigen Schatz stärken und nach außen viele Menschen auf diesen lange vergessenen Kulturraum im Herzen Europas aufmerksam machen.
Die neue Publikation ist Bestandteil des sächsisch-tschechischen Förderprojektes Ziel 3/Cíl 3 „Gemeinsam für den Erhalt der Umgebindehäuser – Sensibilisierung und Wissensvermittlung“.
Drei Hausbauweisen unter einem Dach
Seitdem 2003 der Begriff Umgebindeland geprägt wurde, richten sich die Fördermaßnahmen auf Europa-, Landes- und Kreisebenen darauf, dem Umgebindehaus als einzigartigem Haustyp der Volksarchitektur eine Zukunft zu geben. Die deutsch-polnisch-tschechische Hauslandschaft soll als lebendiger Raum des Wohnens, Arbeitens und Erholens für künftige Generationen bewahrt werden, nicht aber als ein vom Verfall bedrohtes Freilichtmuseum.
Einmalig macht das Umgebindehaus, dass es unter seinem Dach die Block-, die Fachwerk- und die Massivbauweise vereint, die sonst getrennt auftreten. Ein hölzernes Stützgerüst – das Umgebinde – umschließt die freistehende Blockstube. Es trägt über diesem Wohnbereich die Last von Obergeschoss und Dach. Die außergewöhnliche Bauart ist seit 1580 schriftlich belegt. Einst wurde der Haustyp als bäuerliches Wohnstallhaus oder Wohn- und Arbeitsstätte von Webern und Handwerkern genutzt. Heute besteht die Kunst der Sanierung darin, denkmalpflegerische Anforderungen mit zeitgemäßem Wohnkomfort zu verbinden.
www.umgebindeland.de











