(openPR) Margit Steeger widmet sich in ihrer Familiensaga einem Thema, das eine ungebrochene Brisanz erfährt und fast täglich in Politik und Medien diskutiert wird – die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.
Die Autorin greift dieses Thema fast behutsam auf, indem sie dem Leser die Lebensgeschichte von fünf Frauen erzählt, die in direkter Linie miteinander verwandt sind und setzt diese in einen historischen Kontext, der einen Zeitraum von etwa 130 Jahren umspannt. Sie beginnt ihre Geschichte mit einer jungen Witwe im Jahre 1862 und lässt sie zu Beginn der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts enden mit deren Ur-Ur-Urenkelin, einem kleinen Mädchen namens Lisa.
Schon zu Beginn der Saga wird klar, dass der Status einer alleinerziehenden Mutter kein Phänomen der heutigen Zeit ist. Frauen verloren ihre Ehemänner durch Arbeitsunfälle oder durch Kriege und waren dann auf sich allein gestellt, wenn es darum ging für sich und ihre Kinder zu sorgen. Margit Steeger startet ihre Erzählung im Milieu der Weber im 19. Jahrhundert, wo das Überleben auch schon in kompletten Familien ein ständiger Kampf war. Umso härter war der Kampf für eine alleinstehende Frau mit einem kleinen Kind in einer Zeit, in der es weder Kindertagesstätten noch sonstige soziale Absicherungen gab. Eine schnelle Wiederverheiratung konnte da die Rettung bedeuten. Aber was, wenn der neue Bräutigam das Kind nicht mit in die Familie aufnehmen wollte?
In dem Buch werden fast sämtliche Facetten des Lebens von Müttern in Notlagen beleuchtet. Es geht um existenzielle Notlagen ebenso wie um das Gefühlschaos einer Frau, die sich zwischen Mutterglück und beruflichem Fortkommen entscheiden muss. Es geht um geliebte Ehemänner, die viel zu früh versterben aber auch um Tyrannen, bei denen zumindest der Leser froh ist, dass sie nicht aus dem Krieg heimkehren. Es geht um Väter, die nur als flüchtige Erzeuger in Erscheinung treten und um solche, die trinken und Frau und Kind schlagen. Es geht um Frauen, die ihr Schicksal lieber selbst in die Hand nehmen und für den Rest ihres Lebens allein bleiben, doch um solche, die noch mal ein zweites Glück finden. Und nicht zuletzt geht es um nahezu fatale Verhaltensmuster, die sich von einer Generation auf die nächste zu vererben scheinen.
Bei all dem lässt Maria Steeger den Leser nie darüber im Unklaren, zu welcher Zeit dies alles geschieht. Geschickt lässt sie immer wieder Randbemerkungen einfließen, die dem ganzen Geschehen einen exakten Zeitpunkt zuordnen. Da erkennt man an den Waschkörben voller wertlosem Papiergeld, die im Laden unter der Theke stehen, dass man sich in der Zeit der großen Inflation befindet. Da wird der Luftangriff auf Dresden ebenso beiläufig erwähnt wie zu einem späteren Zeitpunkt das Reaktorunglück von Tschernobyl oder der Fall der Mauer. Das geschieht alles sehr unaufdringlich. Ganz sanft wird man so durch diese 130 Jahre geführt. Das geschieht ebenso durch einen ganz langsamen Wandel in der Sprache. Werden zu Beginn noch Formulierungen verwendet, die längst ausgestorben scheinen, so tauchen am Ende des Buches auch schon mal Ausdrücke wie „cool“ oder „voll krass“ auf. Auch das geschieht ganz sanft und lenkt niemals von der eigentlichen Handlung ab.
„Die Puppe mit dem Schlingenstich“ ist ein Buch der eher leisen Töne, die einen nichtsdestoweniger sehr berühren. Es ist unmöglich nicht mit den ganzen Frauen mitzufühlen. Am Ende des Buches hat man das Gefühl mit allen Frauen ein Stück ihres Weges mit gegangen zu sein. Und am Ende möchte man eigentlich noch wissen, was wohl aus der kleinen Lisa geworden ist mit der die Geschichte endet. Und auch wenn sie nur eine erfundene Figur ist, wünscht man ihr, dass aus ihr keine alleinerziehende Mutter geworden ist, die mit den typischen Problemen einer solchen zu kämpfen hat.
Die Autorin
Margit Steeger, geboren 1955 in Zwickau, ging mit ihrer Familie 1989 nach Baden-Württemberg. Sie ist Diplomlehrerin und pro-bierte sich in der neuen Heimat in den verschiedensten Berufen aus, war als Putzfrau, Kindermädchen, Sekretärin, Nachhilfe-lehrerin, Sprachtrainerin und Journalistin, ehe sie zum literarischen Schreiben kam. Margit Steeger hat drei Kinder und drei Enkelkinder und lebt mit ihrem Mann in Besigheim.











