(openPR) Die BBC, das englische öffentlich-rechtliche Fernsehen, ist bekannt für ungewöhnliche, interessante und spannende Dokumentationen zu allen möglichen Themen, von menschlicher Kommunikation bis zu den Vorgängen im Kosmos. Eine ihrer spektakulären Tier-Sendungen aus der Reihe „BBC Earth“ ist die zweiteilige, insgesamt 91 Minuten lange Dokumentation „Polar Bears“, die nun auch in Deutschland in der vom Österreichischen Fernsehen ORF synchronisierten Fassung auf DVD zu haben ist unter dem Titel „Die Eisbären (Aug in Aug mit den Eisbären).“ Ein potenzielles Weihnachtsgeschenk für Naturfreunde.
„Die Eisbären“ ist in jedem Fall ein optisches Erlebnis: Der zum großen Teil mit Hilfe von autarken, sich nach Bewegungen ausrichtenden Roboterkameras gedrehte Film kommt dank dieser aufwendigen Technik den beeindruckenden Tieren erstaunlich nahe. Die auf und vor Spitzbergen entstandenen Aufnahmen vermitteln so einen authentischen Eindruck vom Leben der Eisbären … und von ihrem Lebensraum, dessen frostige Schönheit allein schon genug wäre, um die Zuschauer zu fesseln. Über den Zeitraum von neun Monaten entstanden die Bilder, die in dieser Dokumentation zu sehen sind. Und sie folgen dem Lebensweg von zwei Muttertieren und ihrem Nachwuchs.
Dass diese Produktion teuer war, kann man nicht nur beim Anblick der verwendeten Technik leicht erkennen. Man kann es auch hören auf der – dankenswerterweise mit auf der DVD veröffentlichten – Originalfassung. Kein Geringerer als der Schauspieler David Tennant, der als vorletzter Darsteller des beliebten „Dr. Who“ in England Kultstatus erlangt hat, wurde von der BBC als Sprecher verpflichtet.
Und leider liegen aber auch hier, im Ton, die einzigen Ärgernisse dieses Films. Dafür kann Mr. Tennant nicht. Und auch nicht Angelika Lang, die den deutschen Kommentar eingesprochen hat. Der deutsche Text hält sich an das Original … und das ist bedauerlicherweise durchsetzt von Vermenschlichungen und Verniedlichungen, die nicht allein die gezeigten Tiere betreffen (was gerade schon schlimm genug wäre), sondern sogar die Technik.
Der Gipfel dieses nervigen Schwachsinns wird sicher erreicht in dem Satz „Es ist die natürliche Heimat der Eisberg-Cam“.
Nun ist dieses Gemisch aus Deutsch und Englisch bereits übel genug. Der Kommentar kommt aus dem Off, da ist niemand zu sehen, es geht hier nicht um Lippensynchronizität. Und statt „Cam“ das deutsche Wort „Kamera“ zu benutzen, hätte keinem weh getan. Wie auch immer, egal in welcher Sprache, eine Kamera ist immer ein Ding und damit künstlich. Sie hat keine Heimat und schon gar keine „natürliche“.
Und Eisbären „verloben“ sich ganz sicher nicht und sie spielen auch nicht Fußball, nicht einmal mit einer „Schneeball-Cam“. Eisbären sind, das belegen die wunderbaren Bilder dieses Films, hochintelligente Tiere. Und nicht zuletzt dort, wo sie die sie beobachtende Technik bemerken und untersuchen, hätte man sich einen sinnvollen Kommentar über ihr Verhalten gewünscht.
Wohlverstanden: Der Text der Dokumentation liefert durchaus eine ganze Reihe von interessanten Fakten über die Eisbären und ihr Leben. Gerade deshalb ist es so schade, dass er manchen Stellen so entsetzlich kindisch, um nicht zu sagen: schrottig, ist. Leider wird die Attitüde der Vermenschlichung auch noch von der Musik unterstützt; einer Partitur, die versucht, die Erinnerung an das „tapsige Zirkusbär-Image“ wachzurufen. Das haben die Eisbären nicht verdient.
Was sie nicht nur verdient haben, sondern dringend benötigen, ist das Interesse der Menschen – d.h. jener Menschen, die sie respektieren und für den Schutz ihres Lebensraums eintreten. Deshalb ist diese Dokumentation an sich wichtig und es ist wirklich dankenswert, dass sie als DVD erschienen ist.
So ärgerlich auch manchmal der Ton sein mag, so phantastisch und vielsagend sind die Bilder. Um ihretwillen lohnt sich die Anschaffung des Films in jedem Fall. ...
Die komplette Filmbesprechung und einen Trailer dazu können Sie auf ExtremNews hier kostenfrei in voller Länge sehen:
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