(openPR) Fast 4000 Blutproben stehen auf einem Rollwagen: Es sind jeweils sieben Milliliter Blut von Menschen, die Leben retten wollen. Sie sind auf dem Weg ins Labor. Die Organisationsteam von „Tuttlingen für Ilayda“ und „Lauchringen für Ilayda“ hatten am Wochenende die Menschen in Baden-Württemberg dazu aufgerufen sich als Stammzellspender bei der Stefan-Morsch-Stiftung registrieren zu lassen. Die älteste Spenderdatei Deutschlands bietet seit mehr als 25 Jahren konkrete und persönliche Hilfe für Leukämie- und Tumorkranke. Die sechsjährige Ilayda aus Singen ist nur eine Patientin von vielen. Das Lächeln dieses Mädchens hat aber nicht nur die Menschen rund um den Bodensee, in Tuttlingen und Lauchringen motiviert sich in das Team der potenziellen Lebensretter einzutragen. Am Sonntag, 9. Dezember, und am Sonntag, 16. Dezember, finden weitere Typisierungsaktionen statt: in Nürnberg und Stuttgart.
Ilayda ist sechs Jahre alt. Ilayda hat Blutkrebs. Seit Monaten tun ihre Eltern, Verwandte, Freunde, aber auch wildfremde Menschen alles dafür, um Ilayda eine Zukunft zu schenken: Kuchen backen, Flyer gestalten, Plakate aufhängen, in Facebook Aufrufe starten, Geldspenden sammeln. Zusammengefasst: Alles was irgendwie möglich ist, um Menschen mit Leukämie zu helfen. Denn Ilayda braucht wahrscheinlich – wie viele andere Leukämiepatienten – eine Stammzelltransplantation. Denn oft reicht die Behandlung mit einer Chemotherapie oder Bestrahlung nicht aus. Dann ist die Übertragung gesunder Blutstammzellen die einzige Hoffnung auf Leben. Eine solche Transplantation ist aber nur möglich, wenn sich ein passender Stammzell- bzw. Knochenmarkspender zur Verfügung stellt.
Genau das taten am vergangenen Sonntag fast 4000 Menschen bei den Typisierungsaktionen in Tuttlingen und Lauchringen. Sie standen Schlange um einen Fingerhut voll Blut abzugeben. Aus diesen Blutproben werden die Gewebemerkmale bestimmt und bei der Spenderdatei gespeichert. Von dort werden sie anonym dem Zentralregister in Ulm (ZKRD) übermittelt, wo sie mit denen der Patienten weltweit verglichen werden können. Mit jedem neu gewonnenen Spender erhöht sich somit die Chance, dass einem leukämiekranken Patienten wie Ilayda das Leben gerettet werden kann.
Der Aufruf für Ilayda kommt also allen Leukämie- und Tumorkranken zu Gute, denn die Stefan-Morsch-Stiftung ist Teil eines Netzwerkes, das Menschen mit Leukämie weltweit hilft. Das wissen auch die kleine Ilayda und ihre Familie: „Wir kämpfen für Ilayda und all die Familien, die in der gleichen Situation sind wie wir“, sagt der Vater und macht sich dafür stark, dass das Team der Lebensretter bei der Stefan-Morsch-Stiftung immer größer wird.
Deutsche, Türken, Italiener, Kroaten – alle mit und ohne Migrationshintergrund - fühlten sich angesprochen. Emil Morsch, Gründer der Stefan-Morsch-Stiftung, ist begeistert von diesem Engagement der gesamten Bevölkerung in Tuttlingen und Lauchringen: „Wir wollen und wir müssen alle Teile der Bevölkerung ansprechen. Denn unsere Datei ist Teil eines internationalen Netzwerkes – geschaffen für Patienten in allen Teilen dieser Erde. Die Zusammensetzung der genetischen Merkmale in unserer Bevölkerung muss sich auch in der Stammzellspenderdatei widerspiegeln. Wir möchten nicht auf dem Ist-Stand bleiben – sondern irgendwann für jeden Menschen – egal ob Türkisch, deutsch oder deutsch-türkisch oder russische-italienisch – die Chance eine lebensrettenden Transplantation eröffnen.“
Ähnlich argumentiert auch Tülay Schmid, Ehefrau des baden-württembergischen Finanzministers Nils Schmid, die die Schirmherrschaft über die Typisierungsaktion am Sonntag, 16. Dezember, in Stuttgart übernommen hat: „Ich habe die Schirmherrschaft gerne übernommen, weil Helfen so leicht sein kann. Eine Stammzellenspende ist für den Spender ein kleines Opfer und bedeutet für den Empfänger ein neues Leben. Ich wünsche mir, dass so viele Menschen wie möglich sich ein Herz fassen und sich über die Stammzellenspende informieren. Denn nur wer weiß, was eine Spende bedeutet, kann seinem Gewissen Gehör schenken und den ersten Schritt tun – den ersten Schritt für Ilayda und ihr neues Leben…“
„Typisierung“ lautet der Fachbergriff für die Aufnahme in die Stammzellspenderdatei: Prinzipiell kann sich jeder gesunde Erwachsene zwischen 18 und 50 Jahren registrieren lassen. “Das Höchstalter für eine Neuaufnahme haben wir für unsere Datei auf 50 Jahre festgelegt, da wir wissen, dass Spender, die älter als 50 Jahre sind nicht mehr, oder nur noch sehr selten von den Transplantationszentren als Spender angefordert werden, wenn mehrere Spender zur Verfügung stehen“, so die Sprecherin der Stefan-Morsch-Stiftung, Andrea Djifroudi. Außerdem nehmen Erkrankungen und Beschwerden ab diesem Alter zu. Frauen, die mehr als zwei Schwangerschaften (auch Fehlgeburten zählen dazu) hatten, sollten nicht in die Datei aufgenommen werden. Denn im Rahmen von Schwangerschaften können Antikörper gebildet werden, die nach heutigem Kenntnisstand den Transplantationserfolg gefährden können. Das Transplantationszentrum fordert deshalb, sofern ein anderer Spender zur Verfügung steht, zumeist Spenderinnen nicht an, die mehrere Schwangerschaften hatten. Die Typisierung ist für alle Spender kostenlos, jedoch werden Spenden zur Finanzierung der Blutuntersuchungen für andere Spender gerne entgegen genommen – da jede Blutanalyse mindestens 50 Euro kostet.
Wann und wo kann ich Stammzellspender werden?
Sonntag, 9. Dezember 2012, 12 bis 18 Uhr, Grund- und Mittelschule Insel Schütt, Hintere Insel Schütt 5, Nürnberg
Sonntag, 16. Dezember, 12 Uhr bis 17 Uhr, Universität Stuttgart, Cafeteria K1, Kepplerstrasse 11, Stuttgart
Die aktuellen Termine der Stefan-Morsch-Stiftung stehen auf unserer Homepage (www.stefan-morsch-Stiftung.de). Zudem gibt es die Möglichkeit sich auch Online registrieren zu lassen. Über die Rubrik "Informationen für Stammzellspender" auf der Homepage, kann man die Einverständniserklärung ausfüllen und sich ein Päckchen zuschicken lassen. In dem Päckchen ist das entsprechende Material, um sich bei seinem Hausarzt eine Blutprobe entnehmen zu lassen. Dieses Päckchen kann man dann an die Stefan-Morsch-Stiftung zurücksenden.












