(openPR) Verwendete Svenja Maaß bisher überwiegend Leinwand als Malgrund, ist es in ihrer aktuellen Reihe mit dem Titel »Vellums« anders. Die Künstlerin malt die fragmentarisch als »cut-outs« angelegten Motive in Öl auf Pergamentpapier, ohne, wie es bei den Leinwänden der Fall wäre, den gesamten Bildraum malerisch zu bearbeiten. Anschließend werden die fertigen Blätter objekthaft vor dunklem Grund montiert, so dass der halbtransparente Eindruck des Papiers erhalten bleibt.
Was reizt die Künstlerin, sich von der Tafelmalerei zwischenzeitlich ab-, und dem Pergament zuzuwenden? Zum einen ist es die Unmittelbarkeit, mit deren Hilfe Ideen ohne Grundierung direkt auf das Papier gebracht werden können. Aber auch das Material an sich ist reizvoll, setzt die Künstlerin doch bereits mit dem Titel der Serie ein deutliches Zeichen: »Vellum« ist die lateinische Bezeichnung für das aus Kälberhaut produzierte, historische Pergament, beziehungsweise für auf diesem Material Geschriebenes oder Gemaltes. Mit dieser Information betritt man die Welt der Künstlerin. Das Schockierende angesichts des Titelursprungs bringt den Betrachter leicht aus dem Rezipienten-Tritt. Beruhigend zu wissen, dass Pergament heute aus Zellstoff hergestellt wird…
Auf den ersten Blick mag man diese experimentell anmutenden Arbeiten für Vorstudien zu den Gemälden der Künstlerin halten; Bildelemente werden meist ohne räumliche Bezüge auf dem Blatt positioniert und mehr oder minder detailliert ausgearbeitet. Tatsächlich sind die Arbeiten jedoch nicht weniger kurios und eigenständig als es die Gemälde sind.
So hält ein Eisbär, von dem wir nur den Oberkörper zu sehen bekommen, ganz disparat ein Dreieck unter dem Arm, das in Gerhard Richter-Manier farbig gerakelt ist. Ein durchaus selbstbewusstes Lebewesen präsentiert sich, nicht ausschließlich niedlich, wie es der Berliner Eisbär Knut wäre, sondern mit profilierter Kopfhaltung, so, wie sich ein Gelehrter der Renaissance hätte porträtieren lassen. Ganz in diesem Sinne hält der Eisbär ein wissenschaftliches Attribut unter den Arm geklemmt und trägt seinen Pelz wie eine kostbare Robe am Leibe. Diese Identitätsfindung wird mittels einer flimmernden Malerei in aller Selbstverständlichkeit kolportiert. Warum?
Geschickte Täuschung unserer Erwartungen an Material, Motive, künstlerische Technik und Botschaft ihrer Bilder kommen bei Svenja Maaß wie ein vorlautes Dada- Gedicht daher. Anstatt Antworten zu präsentieren, befragt die Künstlerin das Verhältnis der Bildelemente zueinander, Analogien und Gegensätze aufspürend, während nichts so ist, wie es auf den ersten Blick scheint.
In der »fooop« betitelten Ausstellung (»fooop« ist der comicsprachliche Begriff für Verwandlungen aller Art) stellt die Künstlerin ihre Arbeiten auf Leinwand und Pergament einander gegenüber. Ein Schelm, wer (gar nichts) Böses dabei denkt.
Text: Sandra Kramer, Sommer 2012













