(openPR) Nicht jeder "Graue" ist auch eine Eminenz - dieser hier schon: August-Wilhelm Scheer, Baritonsaxophonist und Jazzmusiker aus Passion mit zahlreichen CD-Veröffentlichungen sowie Livekonzerten und seit Jahren über die "August- Wilhelm-Scheer-Stiftung für Wissenschaft und Kunst" ein Förderer der Jazzszene. "Geistig frei", sagt er, mache ihn der Jazz, "wie ein Vogel in der Luft." Tut sich jemand wie er, der als Unternehmer und Universitätsprofessor sein Geld verdient hat und auf mehr als einem Gebiet brilliert, mit einer Legende des Jazz zusammen - oder sagen wir besser, mit einer weiteren Legende -, ist Großes zu erwarten. Vor allem, wenn die zweite Legende kein Geringerer ist, als Jimmy Cobb.
Gemeinsam widmet man sich dem Werk eines Dritten, ebenfalls einer Legende des Jazz; Thelonious Monk, dem Scheer auf Monk - A NYC Tribute (JAZZ'n'ARTS) ein Denkmal setzen und ihm Respekt zollen möchte. Erlebt hatte er ihn persönlich: "Monk", erinnert sich Scheer, "war eine merkwürdige und skurrile Persönlichkeit. Ich sah ihn Anfang der 60er als Student live in Hamburg. Monk spielte, stand vom Flügel auf und tänzelte herum wie ein Bär. Dann kehrte er blitzschnell an seinen Platz zurück, um weiterzuspielen. Das ist meine ganz persönliche Erinnerung an ihn!" Außerdem sei Monk für ihn, neben Duke Ellington, der wichtigste Jazzkomponist. "Stücke wie Round Midnight werden auf ewig Bestand haben", glaubt Scheer. Hierin ist er sich einig mit John Coltrane, der, wie Martin Kunzler im rororo-Jazzlexikon zitiert, Monk als "musikalischen Architekten höchsten Ranges" bezeichnete.
Auf den ersten Blick mag die Partnerschaft zwischen Scheer und Cobb unwahrscheinlich erscheinen - hier der erfolgreiche Mann aus der Wirtschaft, dort der weltbekannte Jazzstar, der bei Miles Davis Kind of Blue an den Trommeln saß und seitdem ununterbrochen aktiv blieb. Doch Monk - A NYC Tribute ist nicht ihr erstes Aufeinandertreffen bereits 2006 sah die beiden mit BEBOP, Process Excellence, Volume Two auf einem Album vereint.
Scheer schätzt Cobb hoch - für das, was er ist und für sein Lebenswerk, das Scheer ausdrücklich gewürdigt wissen will. Und zwar endlich, wie es sich gebührt. "Cobb wurde übrigens für seine Teilhabe an Kind of Blue, dem wohl berühmtesten Jazzalbum aller Zeiten, mit 30 Dollar entlohnt!", entrüstet Scheer sich. "Cobbs Karriereschub kam mit Cannonball Adderly", weiß Ralf Dombrowski in Reclams Jazzlexikon zu berichten, "der ihn 1957 in seine Combo engagierte und nach einem Zwischenspiel bei Stan Getz und Dizzy Gillespie in das Quintett von Miles Davis vermittelte." Dort spielte Cobb nicht nur bei Kind of Blue mit, sondern anschließend auch bei Sketches of Spain und Porgy and Bess. John Coltrane holte ihn für Giant Steps an seine Seite, Wes Montgomery für Full House.
August-Wilhelm Scheer und der Jazz, das ist eine Freundschaft über viele Jahrzehnte. "Ich bin mit etwa zwölf Jahren zum Jazz gekommen", blickt der Saxophonist zurück. "In den 50er Jahren war es auch Protest gegen die Elterngeneration, die den Jazz noch als ,Negermusik' bezeichnet hat." Damals sei Jazz die aktuelle Popmusik gewesen, mit einer sehr breiten Akzeptanz: "Man kam an ihm nicht vorbei, Jazz war ein Teil der Allgemeinbildung."
Er, der Gründer und Aufsichtsratsvorsitzende der IDS Scheer AG sowie Direktor des Instituts für Wirtschaftsinformatik an der Universität Saarbrücken, der heute auch als Gründer des Innovationsnetzwerks Scheer Group unternehmerisch engagiert ist, sah zwischen der Improvisation im Jazz und der Arbeit von Managern in der IT-Branche schon immer Parallelen. 2010 gab er das Buch "Spiele der Manager" heraus, in dem er ein Kapitel der Frage widmete, was Manager vom Jazz lernen könnten. "Starke Selbstbestimmung", antwortet er selbst kurz und prägnant im Interview mit Christiane Pütter (www.cio.de), "durch die Improvisationsfreiheit. Mut zum Outen der Persönlichkeit, Risikobereitschaft für neue Wege, Zuhören auf Ideen anderer und diese weiterentwickeln." Für ihn, meint er, sei es ein Glücksfall gewesen: "30 Jahre als Universitätsprofessor, ebenso lange als Unternehmer in der Business-Welt und auch drei Dekaden als Musiker im Kunstbereich."
Neben Jimmy Cobb hat August-Wilhelm Scheer für Monk - A NYC Tribute eine denkwürdige Besetzung ausgewählt, die mit Randy Brecker (tp/flh), Gunnar Mossblad (ts, arr), Jim Ridl (p) und Tony Marino (b) durch erfrischendes Interplay, Soli voll Inbrunst und Individualität glänzt. Randy Brecker sei hier ausdrücklich hervorgehoben - Brecker ist seit Jahrzehnten eine wichtige musikalische Persönlichkeit in den Genres Jazz, R&B und Rock. Mit Michael Brecker, seinem inzwischen verstorbenen Bruder, gründete Randy Brecker 1975 die "Brecker Brothers" - bereits das erste Album der Band wurde für vier Grammys nominiert. Weitere Grammy-Nominierungen und Auszeichnungen folgten für seine Formationen unter eigenem Namen nach.
Die Arrangements von Gunnar Mossblad zeichnen sich durch Feinfühligkeit und eine vorsichtige, aber nachhaltige Herangehensweise an das Monksche Material aus. Die Stückeauswahl des Albums verschafft dem Hörer einen durchaus neuen und anderen Einblick in Monks Werk, denn die allzu bekannten Klassiker wurden hier - zum Glück - bewusst ausgelassen. So vermittelt Monk - A NYC Tribute feat. Jimmy Cobb & Randy Brecker in funkiger Lockerheit mit fundamentalem Swing die fulminante Frische der Monkschen Musik. Das macht A NYC Tribute zu einem Gewinn für alle Freunde hochklassiger Jazzmusik, für alle Liebhaber der Musik von Thelonious Monk sogar zu einem Muss. Das Artwork des Covers setzt die bunte Frische fort, hier wird ein graphischer Bogen gespannt zwischen Tradition, Moderne und Weiterentwicklung.
Wie Trompeter und Flügelhornist Randy Brecker gehört Jimmy Cobb zu den großen Respektspersonen unter den heute lebenden Jazzmusikern. Als "Prototyp des musikalischen und geschmackssicheren Begleiters", bezeichnet Martin Kunzler Jimmy Cobb in seinem Jazz-Lexikon und spricht von knisternder Spannung und auf den Punkt sitzenden Fills. "Der Drummer", so pflegte Cobb selbst es auszudrücken, "muss die Band swingen!" Scheer gibt zu, er habe große Erfurcht vor dieser Zusammenarbeit gehabt. "Ich war ja der einzige Nicht-Profi in der Band", lacht er. "Bei den zweitägigen Aufnahmen ging ich durch ein Wechselbad der Gefühle." Dennoch käme für ihn etwas anderes, als mit Profis zu spielen, nicht in Frage. "Man muss sich hohe Ziele setzen", betont Scheer, "um sie dann einigermaßen zu erreichen. Es ist eine wahnsinnige Herausforderung, mit solchen Stars zu spielen und zu bestehen. Dieses Gefühl, dies geschafft zu haben, möchte ich nicht missen!"
+++Besetzung+++
Randy Brecker trumpet/flugelhorn
Gunnar Mossblad tenor saxophone
August-Wilhelm Scheer baritone saxophone
Jim Ridl piano
Tony Marino bass
Jimmy Cobb drums
+++Tourdaten CD-Release: Monk-A NYC Tribute feat. Jimmy Cobb & Randy Brecker VÖ 2. November 2012 | JAZZ'n'ARTS/In-Akustik (JnA 6112)+++
19.11.2012 Mannheim
20.11.2012 Frankfurt
21.11.2012 Saarbrücken
22.11.2012 Stuttgart
23.11.2012 München
24.11.2012 München













