(openPR) An diesem Wochenende hat die italienische Airline Alitalia – wie fast alle Medien berichteten - weltweite Entrüstung auf sich gezogen: Bereits ausgestellte und damit rechtsgültige Flugtickets, die im Rahmen einer von der Fluglinie offiziell auf Ihrer Webseite und der internationalen Facebook-Homepage beworbenen Promoaktion mit 25.000 YEN (240€) Rabatt gebucht werden konnten, wurden von Alitalia nachträglich einseitig storniert. Das Portal www.exbir.de für Extrem Billiges Reisen beobachtet die Stornierungspraxis der Fluglinien seit längerem kritisch: Denn der Alitalia-Fall - der am Montag durch alle Medien ging und einen riesigen Shitstorm im Internet auslöste - war beileibe nicht der erste Fall von Stornierungen günstiger Tickets, die regulär angeboten, verkauft und ausgestellt wurden. Während es in den USA einen gesetzlichen Schutz gibt, sind Kunden in Europa bei Stornierungen der Willkür der Fluglinien ausgesetzt. Die Reisecommunity Exbir.de fordert daher die Politik in Brüssel und Berlin auf, endlich klare Vorgaben zum Schutz von Fluggästen zu schaffen und E-Tickets gesetzlich - ähnlich wie in den USA - zu schützen.
Die italienische Alitalia hat es Anfang der Woche unfreiwillig in fast alle Medien geschafft: Am Wochenende hatte die Fluglinie eine groß angekündigte Facebookpromotion gestartet: Mit 25.000 YEN Rabatt (240€) für alle über Alitalias japanische Webseite buchbaren Flüge sollten Neukunden außerhalb Italiens gewonnen werden. Schneller als von Alitalia erwartet, machte der Rabatt über Facebook die Runde: Vermutlich wurden am selben Abend Tausende von Buchungen mit diesem Rabatt – der den Flugpreis auf einigen Strecken wie Frankfurt-Rom oder Frankfurt-Catania auf 0€ oder Genf-New York auf 33€ drückte - getätigt: Am Sonntag ruderte Alitalia dann zurück, da aus Sicht der Airline zu viele Leute die Facebookpromotion nutzten und änderte nachträglich die Gutscheinbedingungen. Sämtliche rechtsgültig ausgestellten Tickets wurden nachträglich mit dem Hinweis storniert, die Buchung hätte nie durchgeführt werden können. Dabei hatten fast alle Passagiere bereits gültige Tickets von der Fluglinie erhalten. Am Montag kam es dann zu einem so noch nie dagewesen medialen Ereignis: Ein sog. Shitstorm auf Facebook ergoss sich über Alitalia, Fernsehberichte, Radiomeldungen und Meldungen bzw. Kommentare in fast allen großen Medien Europas folgten.
Tickets nachträglich zu stornieren, wenn mehr Kunden eine offizielle Promoaktion nutzten als geplant oder sonstwie preisgünstige Tickets im System der Airline gebucht haben, ist heute leider Normalität: Insbesondere bei den Hochpreisairlines - von Billigfliegern wie Ryanair, easyJet oder Wizzair, bei denen Tickets oft nur wenige Euros kosten, sind keine derartigen Fälle bekannt. Dabei ist ein von einer Airline ausgestelltes Ticket - heute in elektronischer Form als sogennantes E-Tix - ein gültiges Dokument zur Reise und darf nicht einfach einseitig von Fluglinien storniert werden. Fluglinien haben - nachdem der Kunde eine Reservierung tätigt - die Möglichkeit, die Buchung zu prüfen und zu bestätigen - was mit dem E-Tix passiert. Das E-Ticket sollte Kunden Sicherheit bieten – so ist es jedenfalls gedacht. Viele Kunden buchen im Anschluss direkt Hotels und Bahnfahrkarten zum Flughafen oder einen Mietwagen.
In den letzten Monaten gab es mehrere Beispiele, dass Fluglinien nachträglich nichts mehr von Ihren Angeboten wissen wollten - und teilweise erst Tage später per simpler E-Mail das Ticket mit der Begründung cancellten, dass der Preis, den die Fluglinie für das Ticket verlangt hatte, zu niedrig sei. Die zur Lufthansagruppe gehörende Swiss berief sich vor einiger Zeit bei günstigen Ticket in Premiumklassen darauf, dass man den Aktionären verpflichtet sei und daher die Passagiere nicht zum angebotenen und gebuchten Preis fliegen lassen könne. Czech Airlines hatte im Frühjahr im ähnlichen Stil zahlreiche Tickets von Bangkok nach Deutschland erst Tage nach der Buchung storniert. In den USA wäre all dies nicht möglich gewesen - denn dort ist das E-Tix gesetzlich geschützt: Einmal ausgestellt, muss die Airline befördern. Die zuständige Behörde DOT kann schmerzhafte Strafen aussprechen, wenn Airlines nachträglich Ihre Kalkulation überdenken und Tickets einseitig stornieren.
In Deutschland berufen sich die Airlines bei ihrer Stornierungspraxis auf einen Irrtum: Man wollte die Tickets nicht derart günstig abgeben. Doch glaubwürdig ist das nicht - sind Flüge für unter einem Euro in der EU doch keine Seltenheit. Am Tag der Alitalia-Aktion bot die irische Ryanair Flugtickets für 1 Slotty (umgerechnet etwa 0,25€) an - inklusive aller Gebühren. Wizzair aus Ungarn verkaufte Flüge für 1,98€ zum Beispiel von Dortmund nach Skopje. Auch Pauschalreisen sind mit Rabattgutscheinen durchaus mal für 9€ zu buchen: Flug, Transfer, Hotel inklusive. Vor diesem Hintergrund erscheint ein Gratis-Flug nach Mailand - unter Nutzung eines aktiv von der Airline beworbenen Gutscheins - als eine eher normale Promoaktion.
In Europa gibt es für fast alles Vorschriften – effektive Rechte für Fluggäste - abgesehen von kurzfristigen Annullierungen und Verspätungen in EG 261/2004 - leider nicht. Es wird Zeit für die europäische Politik zu reagieren und Fluggäste mit gültigen Tickets vor der Willkür der Fluglinien zu schützen: Denn in der hiesigen Branche gelten Wildwest-Methoden - jede Airline tut was Sie will. Wohingegen im echten Wilde Westen - nämlich in den USA, dem Land der großen Freiheit - Kunden längst geschützt sind. Es wird Zeit für Brüssel zu handeln und Fluggastrechte zu stärken. Eine Option wäre es, die fraglichen Tickets in EG 261/2004 aufzunehmen, in dem die 14 Tagesfrist gestrichen würde. Dann müssten Airlines bei jeder Flugstreichung, Nichtbeförderung (einseitige Stornierung bereits ausgestellter Tickets) und Überbuchung zwischen 250€ auf der Kurzstrecke und 600€ auf der Langstrecke zahlen. Viele Airlines würden dann sicher die Finger von der "Storno"-Taste lassen.











